Bremerhavener Abgeordnete in der Bremischen Bürgerschaft 1919-1933

Nachdem im April 1848 erstmals Bremerhavener Bürger in die Bremische Bürgerschaft gewählt worden waren, wurden seit 1852 nach dem Bremischen Achtklassenwahlrecht (6. Klasse: Bremerhaven) zunächst sechs und ab 1875 acht Bremerhavener in die 150 Abgeordnete umfassende Bremische Bürgerschaft gesandt. Die Wahlperiode betrug jeweils sechs Jahre, wobei alle drei Jahre die Hälfte der Abgeordneten ausschied und dieselbe Anzahl neu gewählt wurde.

Nach der Zäsur des Ersten Weltkrieges waren in der aus 200 Personen bestehenden Verfassungsgebenden Bremischen Nationalversammlung 1919 erstmals vierzehn Bremerhavener nach allgemeinen, geheimen, gleichen und direkten Wahlen vertreten. Bemerkenswert ist, dass mit der sozialdemokratischen Abgeordneten Elise Jensen erstmals eine Bremerhavener Frau im Bremischen Parlament vertreten war. Mit August Stampe als Senator für das Bauwesen in der vorläufigen Regierung der Freien Hansestadt Bremen von 1919 bis 1920 gab es erstmals in der Geschichte der Stadt Bremerhaven auch einen Bremerhavener im Bremer Senat.

Die Bremische Verfassung vom 18.5.1920 legte fest, dass die 120 Mitglieder der Bremischen Bürgerschaft auf drei Jahre in allgemeiner, gleicher, unmittelbarer und geheimer Wahl nach den Grundsätzen der Verhältniswahl zu wählen waren. Gleichzeitig wurden im Wahlgesetz zur Bürgerschaft vom 15.5.1920 vier Wahlkreise festgelegt (Stadt Bremen, Landgebiet, Vegesack und Bremerhaven) und die Zahl der zu wählenden Abgeordneten für den Wahlkreis Bremerhaven auf 9 Mitglieder festgelegt. Diese Zahl blieb bis Anfang 1933 bestehen.

Das Wahlgesetz für die Neubildung der Bürgerschaft nach dem Ergebnis der Reichstagswahl am 5.4.1933 sah eine Verkleinerung der Bürgerschaft auf 96 Abgeordnete (davon acht Bremerhavener) vor. Das hatte aber keine große Bedeutung mehr, da dieses Parlament nur einmal getagt hat, nämlich am 28.4.1933, bevor die nationalsozialistische Reichsregierung am 14.10.1933 alle Länderparlamente auflöste.

Wahl am 9.3.1919 (Bremische Nationalversammlung)

Mehrheitssozialisten: August Stampe (10.4.1919-9.7.1920 als Senator in der vorläufigen Regierung der Freien Hansestadt Bremen), Elise Jensen, Georg Hoskamp, Wilhelm Kleemann, Anton Geiger, Heinrich Eckermanns (nachgerückt für Stampe am 10.4.1919).

Unabhängige Sozialdemokraten: Hinrich Schmalfeldt, Karl Rogge.

Demokraten: Johannes Cordes, Waldemar Becké, Eduard Gerberding, Henny Möhring, Karl Adam.

Volkspartei (Deutsch-nationale Volkspartei und christliche Volkspartei): Georg Madrian, Wilhelm Buchholz.

Wahl am 6.6.1920

Mehrheitssozialisten: Wilhelm Kleemann, Elise Jensen, Heinrich Eckermanns.

Unabhängige Sozialdemokraten: Hinrich Schmalfeldt, Carl Rogge.

Demokraten: Waldemar Becké, Carl Adam jun.

Volkspartei: Georg Madrian, Adolf Oppermann.

Wahl am 20.2.1921

Mehrheitssozialisten: Wilhelm Kleemann, Elise Jensen, Heinrich Eckermanns.

Unabhängige Sozialdemokraten: Hinrich Schmalfeldt.

Demokraten: Waldemar Becké, Carl Adam.

Volkspartei (Deutsch-nationale Volkspartei und Deutsche Volkspartei): Georg Madrian, Adolf Oppermann, Anton Schumacher.

Wahl am 18.11.1923

Mehrheitssozialisten und Unabhängige Sozialdemokraten: Hinrich Schmalfeldt, Wilhelm Kleemann, Elise Jensen (bis zu ihrem Tod am 28.5.1924).

Demokraten: Waldemar Becké, Carl Adam jun.

Volkspartei: Adolf Oppermann, Anton Schumacher, Emil Boy-Ed.

Kommunistische Partei: Johannes Firl.

Wahl am 7.12.1924 (Wahlperiode 7.12.1924 - 31.12.1927)

Sozialdemokratische Partei: Hinrich Schmalfeldt, Wilhelm Kleemann, Heinrich Eckermanns, Helene Magarin.

Deutsche Demokratische Partei und Deutsche Zentrumspartei: Waldemar Becké.

Deutsche Volkspartei und Deutschnationale Volkspartei: Adolf Oppermann, Anton Schumacher, Diedrich Bockhoop, Heinrich Wolf.

Wahl am 13.11.1927 (Wahlperiode 1.1.1928 – 31.12.1930)

Sozialdemokratische Partei: Hinrich Schmalfeldt, Wilhelm Kleemann (Senator für das Polizeiwesen ab 17.4.1928, zurückgetreten am 6.3.1933), Heinrich Eckermanns, Helene Magarin, Gerhard van Heukelum (nachgerückt am 17.4.1928 für Kleemann).

Demokratische und Zentrumspartei: Waldemar Becké.

Bürgerliche Einheitsliste: Adolf Oppermann, Anton Schumacher, Diedrich Bockhoop, Heinrich Wolf.

Wahl am 30.11.1930 (Wahlperiode 1.1.1931 – 15.3.1933)

Sozialdemokratische Partei: Gerhard van Heukelum, Heinrich Eckermanns, Helene Magarin.

Demokratische Partei und Zentrumspartei: Waldemar Becké.

Deutsche Volkspartei: Diedrich Bockhoop.

Nationale Einheitsliste: Gerjet Poppinga.

Kommunistische Partei: Walter Werner.

Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei: Gustav Retzlaff, Georg Block.

Wahl am 5.4.1933 (Neubildung der Bürgerschaft nach dem Ergebnis der Reichstagswahl vom 5.3.1933)

Sozialdemokratische Partei: Gerhard van Heukelum, Helene Magarin (Mandat nicht angenommen), Bruno Gerstmayr, Heinrich Brandt (als Ersatz für Magarin).

Kampffront Schwarz-Weiß-Rot: Gerjet Poppinga.

Kommunistische Partei: Karl Trieschmann.

Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei: Julius Lorenzen, Walter Vaupel, Christian Brandau.

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