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Ausbau der Borriesstraße

Der Bau- und Umweltausschuss hatte in seiner Sitzung am 12.03.2015 die Aktualisierung des Bauprogramms für die Hauptverkehrsstraßen beschlossen. Die Borriesstraße wurde dabei für die weitere Maßnahmenumsetzung im Rang 1 (prioritär) bewertet. Zur Begründung der Notwendigkeit des Ausbaus der Borriesstraße ist dort formuliert:

Aufgrund der Straßenraumgestaltung (überbreiter Querschnitt), der verbesserungsbedürftigen Führung für Radfahrer, des Querungsbedarfs von Fußgängern, der möglichen Neuordnung des ruhenden Verkehrs und der noch nicht barrierefrei umgebauten Bushaltestellen ist eine Überplanung zu empfehlen.

Neben den verkehrlichen Defiziten erfordert auch der bauliche Zustand der Straße den Ausbau. Die noch vorhandenen Straßenbahnschienen wurden im Jahr 2006 mit Asphalt überzogen. In Ermangelung anderer Möglichkeiten war das seinerzeit eine provisorische Maßnahme zur Er-haltung der Verkehrssicherheit. Mittlerweile löst sich partiell der Asphalt von den Schienen und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis der Belag nicht mehr verkehrssicher ist.“

Information zur Vorentwurfsplanung

Die Borriesstraße entstand in der zweiten Hälfte des 19 Jahrhunderts auf einem vormaligen Geestedeich des Hafenortes „Geestemünde“. Im Zuge des wirtschaftlichen Aufschwungs entwickelt sich die Borriesstraße zur wichtigsten Geschäftsstraße in Geestemünde. Zum Ende des 19. Jahrhunderts verlagerten sich die Geschäfte und an der Borriesstraße folgten repräsentative Wohngebäude wohlhabender Einwohner. Gegen Ende des zweiten Weltkriegs ließ ein verheerender Luftangriff Geestemünde in Schutt und Asche sinken. Die Borriesstraße bestand als großzügige baumbestandene Straße (Allee) mit beidseitigen Gehwegen sowie einer breiten kopfsteinbefestigten Fahrbahn mit Straßenbahngleisen.

Ausbauabschnitt
Die Borriesstraße soll voraussichtlich im kommenden Jahr zwischen der Ludwig- und der Pratjestraße in einem ersten Bauabschnitt (1. BA) ausgebaut werden (siehe Abbildung 1). Dazu sind mögliche Varianten für den Ausbau im Rahmen der Vorentwurfsplanung untersucht worden.

Ausgangssituation und Nutzungsansprüche
Bei der Borriesstraße handelt es sich um eine innerstädtische Hauptverkehrsstraße mit etwa 9.000 Kfz in 24 Stunden, Lkw-Verkehr ist allenfalls als Anliegerverkehr vorhanden, es verkehren Linienbusse. Die Länge des 1. Bauabschnitts beträgt rund 300 m, die Breite des Straßenraums liegt bei etwa 22,20 m. Die Straße weist beidseits Gehwege auf (zwischen 2,5/ 2,7 und 3,1 m breit), der Radverkehr fährt (ohne Radverkehrsanlagen) in der Fahrbahn; dem Kfz Verkehr steht eine überbreite Fahrbahn zur Verfügung. Das angrenzende Umfeld ist durch Wohnen und Gewerbe gekennzeichnet (Ärzte, Anwälte, Apotheke, Einzelhandel, Restaurants), auf der Ostseite gibt es einige Bäume.


 
Bei der Planung sind (externe) Randbedingungen aus einem gesamtstädtischen Kontext und die nachfolgend beschriebenen Nutzungsansprüche im Straßenraum der Borriesstraße selbst zu berücksichtigen.
Für den Fußverkehr lassen sich die insbesondere durch die Verbindungsachse Fährstraße-Borriestraße-Kanalstraße mit entsprechender Frequenz beschreiben; im südlich anschließenden Abschnitt beanspruchen Fußgänger den Straßenraum i.W. zur Erschließung der angrenzenden Nutzungen, der Aufenthalt in der Straße bezieht sich vor allem auf die gewerblich genutzten Bereiche; Querungsbedarfe gibt es abseits der bestehenden Lichtsignalanlagen in Höhe der Kanalstraße und der Bushaltestelle sowie bedingt auch in Höhe Pratje-/ Brommystraße.
Der ÖPNV (Linienbusverkehr) befährt die Borriesstraße mit 2 Buslinien (505/506 jeweils im 30´-Takt, in Summe also ein 15-Minuten-Takt) sowie mit dem Moonliner; im Planungsabschnitt liegt die Haltestelle „Historisches Museum“.
Für den Radverkehr hat die Borriesstraße vor allem eine Erschließungsfunktion wahrzunehmen; über die Borriesstraße verläuft keine Radverkehrsachse. Bedarfe an Radabstellanlagen beziehen sich in gewissem Maße vor allem auf die tertiären Nutzungen sowie ggf. die Bushaltestelle.
In Bezug auf den motorisierten Individualverkehr (Kfz-Verkehr) ist die Borriesstraße angesichts der Netzfunktion als Hauptverkehrsstraße mit lokaler Verbindungsfunktion anzusehen; auch weiterhin wird in beiden Fahrtrichtungen je ein Fahrstreifen benötigt. Der Parkraumbedarf setzt sich aus den Anforderungen der Anwohner/ Anlieger und dem Gewerbe zusammen; aufgrund der innenstadtnahen Lage besteht ein gewisser „Fremdparker“-Anteil. Zur Verkehrssicherheit/ Unfallsituation sind keine besonderen Anforderungen festzuhalten. Die heutige Straßenraumgestaltung bedarf einer deutlichen Aufwertung auch unter Berücksichtigung des städtebaulichen Umfelds (Flächenaufteilung/ Proportionen und Begrünung).

Zielsetzungen
Hauptziel ist die Verträglichkeit der Nutzungsansprüche untereinander und mit den Umfeldnutzungen, die auch die Verbesserung der Verkehrssicherheit einschließt; straßenraumspezifische Ziele lassen sich daraus ableiten (keine Rangfolge): soziale Brauchbarkeit einschl. Barrierefreiheit, Straßenraumgestaltung, Umfeldverträglichkeit, Verkehrsablauf, Verkehrssicherheit und Wirtschaftlichkeit.

Varianten
Unter den vorstehend genannten Randbedingungen sind für die Borriesstraße die nachfolgenden und als Querschnitt dargestellten Varianten entwickelt worden:

Variante A. („Bestandsorientierte Allee“)

Gehwegbreite 4,44 bzw. 4,15 m auf der Ostseite (im Bereich der Baumscheiben 3,00 m), Kfz-Fahrbahn 9,50 m inkl. 2x1,50 m Schutzstreifen für den Radverkehr, Parkstreifen mit Baumpflanzungen mit Erhalt der bestehenden Bäume auf der Ostseite

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Variante B.1 („Mehr Seitenraum, Allee mit Bestandsbäumen“)

Gehwegbreite mehr als 4 m bzw. auf der Ostseite im Bereich der Baumscheiben 3 m, Kfz-Fahrbahn 8,00 m inkl. 2x1,50 m Schutzstreifen für den Radverkehr, Erhalt des vorhandenen Baumbestands auf der Ostseite, beidseits baumbestandene Parkstreifen

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Variante B.2 („Mehr Seitenraum, Allee mit neuen Bäumen sowie Vorgärten“)

wie Variante B.1, jedoch mit vollständiger Neupflanzung von Bäumen in den Parkstreifen und 1,50 m breite Grünstreifen vor den Gebäuden

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Variante C. („Allee mit neuen Bäumen und Mittelstreifen“)

Gehwegbreiten 3,10 m, 2 Kfz Richtungsfahrbahnen mit je 4,00 m inkl. 2x 1,50 m Schutzstreifen für den Radverkehr, multifunktionaler Mittelbereich (mit 3,00 bzw. 2,00 m Breite für Querungen, Abbieger, Vorbeifahrt bzw. Grün/Bäume), beidseits baumbestandene Parkstreifen

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Beteiligung
Die Varianten wurden im Zuge einer Bürgerbeteiligung am 5. Oktober 2015 den Anwohnern, Eigentümern und Interessierten vorgestellt. Am 6. Oktober 2015 wurde zudem eine Kinder- und Jugendlichenbeteiligung durchgeführt. Die Anregungen und Ideen werden in den weiteren Planungsprozess einfließen. Als Ergebnis dieser Veranstaltungen hat sich die Variante C als Vorzugsvariante heraus kristallisiert.

Ansprechpartner:

Stadtplanungsamt Bremerhaven
Abteilung Verkehrsplanung und Flächennutzungsplanung
Herr Stefan Rößler (0471 590-3226)  stefan.roessler@magistrat.bremerhaven.de
Herr Jürgen Pieper (0471 590-2180)  juergen.pieper@magistrat.bremerhaven.de

Dokumente:

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Ausbau Borriesstraße Skizze Variante C(PDF 1,3 MB)Logo der Creative Commons Lizenz »Creative Commons Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0« (CC BY-NC-ND 3.0)ReadSpeaker docReader Icon