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Berühmte Auswanderer: Der Vater Hollywoods - Carl Laemmle

Das klingt nach einem Drehbuch zu einem echten Hollywood-Kassenschlager: ein Mann aus dem Schwabenlande, der zum Begründer der amerikanischen Filmindustrie wird. Carl Laemmle wurde am 17. Januar 1867 im oberschwäbischen Laupheim geboren und verließ 1884 Deutschland. In Bremerhaven ging er an Bord des Dampfers „Neckar“ vom Norddeutschen Lloyd und wanderte nach Amerika aus. Er gilt heute als der Vater Hollywoods.

In seiner schwäbischen Heimat absolviert Laemmle eine Ausbildung zum Kaufmann. Mit 17 Jahren macht er sich auf den Weg nach Amerika, um sein weiteres Leben dort zu bestreiten. Rund 25 Jahre später legt er den Grundstein für etwas Unsterbliches: den Inbegriff all dessen, was heute mit Filmen und Filmindustrie in Verbindung gebracht wird: Hollywood. Der Weg dorthin ist jedoch weit und führt zunächst an die amerikanische Ostküste. Der spätere Visionär Laemmle landete – wie die meisten Auswanderer seiner Zeit - in New York. Hier verdingt er sich für seinen Lebensunterhalt zunächst als Laufbursche. Bereits nach kurzer Zeit zieht es ihn nach Chicago, wo einer seine Brüder lebt. Im nördlich von Chicago gelegenen Oshkosh wird er zum Geschäftsführer einer Textilfirma. Schon hier zeigt sich sein Gespür für den richtigen Auftritt. Laemmle arbeitet mit auffälligen Werbeaktionen. Marketing scheint ihm sehr zu liegen.

Gleich zu Beginn des 20. Jahrhunderts macht er sich in Chicago selbstständig. Er ersteht ein 5-Cent-Filmtheater, ein sogenanntes Nickelodeon. Laemmle hat die Idee dem Theater ein wenig mehr Glanz zu verleihen, als es in diesem Segment üblich ist. Er streicht die Fassade und Innenraum sowie das Mobiliar Weiß und das kommt prima an. Nur ein Jahr später gründet er einen Filmverleih und innerhalb kürzester Zeit gehören ihm 50 Kino in Chicago – das sind mehr als die Hälfte aller Lichtspieltheater, die es in der Stadt gibt. 1908 ist Laemmles Firma bereits der größte Filmverleih der USA. Gute zwei Jahre danach gründet er seine erste eigene Filmproduktion, die „Independent Motion Picture Company“. Im Vorspann seiner Filme erschien gleich am Anfang "Carl Laemmle presents". Laemmle setzte dabei als erster Produzent in der amerikanischen Filmindustrie überhaupt auf Stars. Er benennt die Schauspieler, die in seinen Produktionen mitwirkten, im Vorspann - die Konkurrenz tut dies nicht.

Kurze Zeit später zieht es ihn an die Westküste. Im sonnigen Kalifornien sind die Löhne niedriger und das Wetter besser, als an der Ostküste. Dadurch können mehr Drehtage in kürzerer Zeit bewältigt werden. Laemmle kauft in einer ausgestorbenen Gegend bei Los Angeles eine 170 Hektar große Hühnerfarm und errichtete die Universal City Studios. Diese ausgestorbene Gegend ist heute unter dem Namen Hollywood bekannt. Seine Firma Universal Pictures wird zur größten Filmfirma Amerikas und produziert Filme wie: „Der Glöckner von Notre Dame“ (1923), „Das Phantom der Oper“ (1925) und den OSCAR-Prämierten „Im Westen nichts Neues“ (1930). Auch die weltberühmte „Frankenstein“-Verfilmung mit Boris Karloff – die erste Tonfilmversion überhaupt - stammt aus dem Hause Laemmle. Seine Erfolgsstory endet erst 1936, als Laemmle seine Firma verkaufen muss. Schuld daran trägt die Weltwirtschaftskrise, die ihn dazu zwingt, Kapital an seine Teilhaber auszuzahlen. Laemmle produziert in seiner Schaffenszeit mehr als 9400 Filme.

Der Begründer von Hollywood vergaß jedoch – bei all seinen Erfolgen - nie seine Herkunft. Er reiste regelmäßig in seine Heimatstadt Laupheim und unterstütze dort die bedürftigen Menschen. 1926 wird Laemmle in einem US-Magazin wie folgt zitiert: "Das Glück hat mir gelacht. Das Wenigste, das ich tun kann, ist, es dort auszuteilen, wo es das meiste Gute bewirkt". Nach der Machtübernahme der Nazis ist es Laemmle – als Juden – nicht mehr gestattet nach Deutschland einzureisen. Er verfolgt die Vorgänge in seinem Vaterland jedoch sehr genau und versucht den entrechteten Juden in Deutschland zu helfen.

Wer in dieser Zeit, als Flüchtling in die USA einreisen wollte, brauchte ein „Affidavit“. Das war eine eidesstattliche Erklärung eines amerikanischen Staatsbürgers, notfalls die Versorgung des Flüchtlings zu übernehmen. Laemmle übernahm mehr als 300 solcher Bürgschaften und hat damit viele Menschen vor dem Nazi-Terror und dem sicheren Tod in den Konzentrationslagern bewahrt. Auch wenn seine Visionen vom Filmemachen Bahnbrechendes für einen ganzen Industriezweig bewirkt hat, seine humanitären Taten waren sicherlich seine größten Leistungen. Nichtsdestotrotz darf man zweifelsohne behaupten, dass der „Rote Teppich“, über den die Hollywoodstars aufgrund ihres heutigen Status schreiten dürfen, in der schwäbischen Provinz geklöppelt und über Bremerhaven in die Welt transportiert wurde. Carl Laemmle ist eine der 18 Königsbiografien, die im Deutschen Auswandererhaus entdeckt werden können.


Übrigens: Die „Neckar“ - das Schiff mit dem Carl Laemmle von Bremerhaven aus in See stach, gehörte zu einem von 13 NDL-Schiffen der Strassburg-Klasse. Ein anderes Schiff dieser Klasse hatte einige Jahre zuvor für weltweite Schlagzeilen gesorgt: die „Mosel“. Sie war 1875 Schauplatz der der sogenannten „Thomas-Katastrophe“, einem missglückten Sprengstoffattentat, bei dem 83 Menschen uns Leben kamen und mehr als 200 verletzt wurden. Marco Butzkus


Quellen:
http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Laemmle

Filmdokumentation: 100 Years of Hollywood from Gebrueder Beetz

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