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Berühmte Auswanderer: Der Jeans-Papst Löb „Levi“ Strauss

Von Buttenheim über Bremerhaven nach San Francisco: die Geschichte von Löb Strauss gehört ganz sicher zu den spannendsten, die man im Deutschen Auswandererhaus erforschen kann. Unter dem Namen Levi Strauss schaffte er den Sprung vom Arbeitslosen zum Millionär. Mit der „Blue Jeans“ schuf er eine der Säulen der amerikanischen Kultur und eines der tragenden Symbole für den „American Way of Life“. Strauss wanderte 1847 über Bremerhaven nach Amerika aus.

Löb Strauss wird am 26. Februar 1829 in Buttenheim in der Nähe von Bamberg geboren. Sein Vater ist ein Hausierer, der von Haus zu Haus zieht, um die Familie durch seinen Warenverkauf zu ernähren. Als sein Vater ganz plötzlich und unerwartet an der Tuberkulose verstirbt, gerät Familie Strauss in große wirtschaftliche Not. Die Mutter beschließt daher einen mutigen Schritt. Zusammen mit ihren jüngeren Kindern – unter ihnen auch Löb – wandert sie nach Amerika aus. 1847 betritt die vierköpfige Familie in Bremerhaven das Deck eines Segelschiffes in die neue Welt. In New York leben bereits Löbs zwei ältere Brüder und sind im Textilhandel tätig. Löb nennt sich fortan Levi und steigt in das Geschäft seiner Brüder ein.

Als Levi in der Mitte des 19. Jahrhunderts von den großen Goldfunden an der Westküste Amerikas erfährt, erliegt auch er dem Goldrausch und zieht nach San Francisco. Zusammen mit seinem Schwager und einem seiner Brüder gründet er dort einen Handel für Kurzwaren und Stoffe. Strauss verkauft die Waren aber nicht nur direkt in „Frisco“, sondern er fährt auch raus in die Goldgräber-Camps am Sacramento River. Hier konnten die fahrenden Händler unglaubliche Summen für ihre Krämerwaren verlangen, weil die einfachsten Güter fehlten – von der Zahnbürste bis zum Hosenknopf.

Dem findigen Geschäftsmann fiel sofort auf, dass es den Goldgräbern an strapazierfähigen Hosen mangelte. Die harte Arbeit zerschliss jedes bekannte Beinkleid binnen kürzester Zeit. Er ließ sich daraufhin von einem Schneider aus Segeltuch einige „Arbeitshosen“ fertigen. Der Legende nach war der erste Goldgräber, der eine Hose von Levi kaufte, derart begeistert, dass er die ganze Nacht damit verbrachte, jedem zu erzählen, was für eine fantastische Hose er bei Strauss gekauft hätte. Die ersten Strauss-Hosen waren noch braun, da sie aus Hanf gefertigt wurden. Schon bald wechselt Levi Strauss zu dem äußerst robusten Baumwollstoff „Denim“, der traditionell mit dem Färbstoff Indigo blau gefärbt war. Die Urform der „Blue Jeans“ war geboren. Einen Schwachpunkt gab es an den Hosen jedoch noch: die Nähte der aufgesetzten Taschen.

Da die Goldgräber die Hosentaschen immer mit allerlei Dingen vollstopften, rissen die Taschen ständig ab oder gingen kaputt. Die passende Idee, um Abhilfe zu schaffen, kam von einem Schneider namens Jacob Davis, der die Reno Nevada Hosen für Cowboys fertigte, denn er verstärkte seine Hosen mit einer Niete. Davis wandte sich an Strauss, da ihm selber das Geld für eine Patentanmeldung seiner Erfindung fehlte. Levi Strauss schlug ein - gemeinsam meldeten die beiden am 20. Mai 1873 die Jeans oder auch „Nietenhose“ zum Patent an (US-Patent-Nr. 139121). Bis zum Ende des Jahres wurden mehr als 70.000 Hosen und Mäntel verkauft. Zehn Jahre später hatte das Unternehmen bereits über 500 Angestellte.

Als Levi Strauss 1902 stirbt, hinterlässt er die von ihm gegründete Firma Levis Strauss & Co seinen Neffen, da er selber keine Kinder hatte. Sechs Jahre später läuft das Patent für die Jeans Hose aus und andere Unternehmen stürmten auf den lukrativen Jeans-Markt. Markenzeichen der Levis-Jeans ist „two-horses-brand“ über der rechten Gesäßtasche. Es zeigt zwei Pferde, die vergeblich versuchen, eine zwischen ihnen gespannte Jeans zu zerreißen – der Inbegriff für die Robustheit der Hose. Die meistgetragene und bekannteste Jeanshose der Welt - die „Levi’s 501“ - gibt es bereits seit 1890. Heute ist das Unternehmen der größte Jeanshersteller der Welt und beschäftigt mehr als 11.000 Menschen. Die Grundlage dafür schuf ein junger Mann aus Oberfranken, der über Bremerhaven nach Amerika auswanderte und dort zum „Jeans-König“ wurde. Die Geschichte von Löb Strauss ist eine der vielen spannenden Geschichten, die in der „Galerie der 7 Millionen“ im Deutschen Auswanderer Haus darauf warten, entdeckt zu werden.   Marco Butzkus


Quellen:

Wikipedia

Levi Strauss Museum

ARD-Dokumentation: "Levi Strauss - Ein Leben für die Jeans", von Christoph Weinert

 

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