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Berühmte Auswanderer: Der Herr der Brücken - August Roebling

Er schuf eines der Wahrzeichen von New York und gilt als bedeutendster Brückenbauer des 19. Jahrhunderts. Johann August Roebling wird am 12. Juni 1806 in der Stadt Mühlhausen, in Thüringen geboren und verstirbt am 22. Juli 1869 in New York City. In den rund 63 Jahren dazwischen legt er eine der Grundlagen für die längsten Brücken der Welt. Mit der Konstruktion der legendären Brooklyn Bridge, die als erste Brücke über den East-River die New Yorker Stadtteile Manhattan und Brooklyn miteinander verbindet, geht er in die Geschichte ein. Roebling wanderte im Mai 1831 über Bremerhaven nach Amerika aus.

August Roebling begeistert sich schon sehr früh für mathematische und technische Dinge, hat jedoch seine liebe Mühe mit Schulfächern wie Theologie und Latein. Aus diesem Grund geht er vom Gymnasium ab und zieht eine private Ausbildung vor. Nach einem Studium mit Schwerpunkten in Architektur, Brückenbau und Hydraulik arbeitet Roebling zunächst im Brückenbau in Westfalen. Am 22. Mai 1831 betritt er in Bremerhaven die Planken des Dreimasters "August Eduard" und wandert nach Amerika aus – die Überfahrt dauert 11 Wochen. Roebling landet mit einer kleinen Gruppe von Auswanderern, die ebenfalls aus Mühlheim stammen und zu der auch sein älterer Bruder Karl gehört, in Pittsburgh, Pennsylvania. Sie gründen die Siedlung Germania, die heute Saxonburg heißt und gute 30 Kilometer nördlich von Pittsburgh liegt.

Roebling gründet eine Familie, wird US-Staatsbürger und arbeitet zunächst als Ingenieur im Kanal- und Wasserwegebau. Da zu jener Zeit die Schienennetze in der neuen Welt noch nicht ausgebaut sind, müssen Waren über Flüsse und künstliche Wasserstraßen transportiert werden. Dabei ist es häufig nötig, dass Schiffe mit Hilfe von Rampensystemen Gebirgszüge überwinden. Die dabei zum Zug verwendeten Hanfseile reißen oft, da sie den gewaltigen Belastungen nicht standhalten können. Roebling erinnerte sich daran, dass er während seines Studiums von Berichten über Drahtseile gehört hatte, an denen sogar Brücken aufgehängt wurden. In seiner Werkstatt in Saxonburg tüftelt er fortan an der Idee, Drahtseile zu verstärken. 1842 lässt er sich das amerikanische Patent auf Eisen- und Stahlkabel erteilen. Er schafft damit die Grundlage seines späteren Ruhmes und seines Vermögens. Die von ihm gegründete Stahlseilfabrik JARSCO (John A. Roebling Steel Co.) existiert noch heute.

Als im Winter 1843/44 das Aquädukt des Pennsylvania-Kanals durch Eisgang zerstört wird, entwirft Roebling eine Kanal-Drahtseilhängebrücke. Durch das von ihm entwickelte Luftspinnverfahren, bei dem die Drähte für die Hängegurte an der Brücke vor Ort über die Stützen gezogen und erst anschließend gebündelt werden, erhöht sich die Tragfähigkeit des Seils erheblich. Roebling wird postwendend zum bedeutendsten Brückenbauer des 19. Jahrhunderts. Er schafft 1855 mit der „Niagara Falls Suspension Bridge“ eine zweigeschossige Hängebrücke über den Niagara River. Das Besondere daran: Die „Niagarabrücke“ ist mit ihren 250 Metern Spannweite die erste Eisenbahn-Hängebrücke der Welt.

Nachdem John A. Roebling mit der Cincinatti-Brigde (heißt seit 1984 Roebling-Bridge) über den Ohio-River die längste Brücke der Welt gebaut hat, wagte er sich an ein besonders mutiges Werk: dem Brückenschlag über den East-River in New York. New York City ist die bedeutendste Stadt Amerikas. Ihr fünf Bezirke sind jedoch durch den Hudson-River im Westen und den East-River im Osten voneinander getrennt. Für die weitere Entwicklung der Metropole wird es unabdingbar, feste Verbindungen zwischen diesen Bezirken zu schaffen. Roebling kommt die Idee, eine Brücke zwischen Manhattan und Brooklyn zu bauen – mit der damals kaum zu fassenden Spannweite von 487 Metern. Ein unglaublich ehrgeiziges Projekt, das Roebling das Leben kostete. Bei Vermessungsarbeiten für die Bestimmung des Standortes des Brooklyner Brückenpfeilers verletzt er sich und erliegt kurze Zeit später einer Tetanusinfektion.

Roeblings Sohn Washington übernimmt das Projekt, das immer wieder neue Herausforderungen mit sich bringt. So müssen die Fundamente mit sogenannten Caissons (Tauchkästen) gebaut werden, die prinzipiell nichts anderes als große Taucherglocken sind. Da man zu dieser Zeit aber noch nichts über die Gefahren von Arbeit in großer Tiefe unter Wasser weiß, erkranken immer wieder Arbeiter an der sogenannten „Caisson-Krankheit“ (heute: Taucherkrankheit). Washington Roebling selber wird 1872 Opfer dieser Dekompressionserkrankung und wird infolgedessen an den Rollstuhl gefesselt. Seine Frau Emily leitet und überwachte die Arbeiten nach seinen Anweisungen. Als das „achte Weltwunder“ - die Brooklyn Bridge - am 24. Mai 1883 eröffnet wird, lebt Ihr Konstrukteur Johann August Roebling bereit seit fast 15 Jahren nicht mehr. Als ihr Schöpfer und Erfinder des Luftspinnverfahrens ist er jedoch zweifelsohne einer der bedeutendsten Brückenbauer der Welt, ohne dessen Innovation Bauten wie die George-Washington-Bridge (1451 Meter), die Golden Gate Bridge (2737 Meter) und die Verrazano-Narrows-Bridge (4175 Meter) unmöglich wären. Johann-August Roebling ist einer der Menschen, die von Bremerhaven aus in die neue Welt aufbrachen und deren Geschichte im Deutschen Auswanderer Haus entdeckt werden kann. Marco Butzkus

 


Quellennachweise:

Johann August Roebling auf Wikipedia.de

Johann August Roebling auf bernd-nebel.de

 

 

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