Aussenansicht Alfred-Wegener-Institut

Eigentlich wollte das Logbuch im März wieder vom Positiven im Bremerhavener Schulalltag erzählen, geplant waren Berichte zur Veranstaltung „Heine ehrt“, zum wöchentlichen Reittag des Hauses Anne Frank und zu den Fortschritten des Theaterprojekts Geschwister Scholl. Das Coronavirus machte auch hier seinen Strich durch die Rechnung, seit dem 16. März sind alle Schulen der Seestadt geschlossen.

Plötzlich geht es Schlag auf Schlag

Bis zum 12. März war die Bremerhavener (Schul-)Welt eigentlich noch ganz in Ordnung, dann ging es allerdings Schlag auf Schlag. Großveranstaltungen wurden abgesagt, die Hochschule verlegte ihren Semesterbeginn, die Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen wurden ebenso geschlossen wie die Jugendmusik-, die Jugendkunstschule und die Volkshochschule. Die Schließungen der Freiwilligen- und

Jugendberufsagentur folgten: „Wir vertrauen auf Ihr Verständnis für diese Maßnahmen und bedanken uns für Ihre Unterstützung“, schrieb der zuständige Stadtrat Michael Frost am 16. März in einem Brief an die Eltern der Bremerhavener Schülerinnen und Schüler.

„Die enorme Hilfsbereitschaft und das große Verständnis für unsere Schwierigkeiten waren dann tatsächlich eine gute Voraussetzung für unserer Arbeit“, blickt Frost, der umgehend einen Krisenstab „Kindertageseinrichtungen & Schule“ aufgestellt hatte, ein paar Tage später auf einen turbulenten Beginn zurück. „Wir mussten ja erst einmal herausfinden, was überhaupt zu regeln und zu klären war. Eine Anleitung dazu gab es nicht, im Krisenstab sind einfach alle Fragen zusammengelaufen. Die Fragen, die wir selbst hatten, und die Fragen, die von außen an uns herangetragen wurden.“

Neuland für alle Beteiligten

Eine allgemeine Betreuung für die Kinder berufstätiger Eltern konnte vor dem Hintergrund der Gesundheitsgefährdung nicht angeboten werden, zu den ersten Maßnahmen gehörte allerdings der Aufbau einer Notbetreuung für Kinder, deren Eltern in systemrelevanten Berufen arbeiten. Mit vielen Beschlüssen wurde Neuland betreten, und das Maßnahmenpaket konnte nur umgesetzt werden, weil die Zusammenarbeit klappte. „Am Ende einer unfassbar ereignisreichen Woche möchte ich mich bei Ihnen allen für Ihr Engagement, Ihre Umsicht und Mitwirkung bei der Organisation der vielfältigen Prozesse bedanken, mit denen wir uns in diesen Tagen zu befassen haben“, wandte sich Frost vor kurzem an alle Beschäftigten in den Dienststellen des Dezernats für Schule, Kultur, Jugend, Frauen und Familie.

Geschlossene Geschäfte, eingeschränkte Dienstleistungen und weitreichende Eingriffe in den bisher gelebten Alltag: Die Corona-Krise hat den Ausnahmezustand mit sich gebracht. Die Eingangstore der Sportplätze sind verschlossen, die Spielplätze abgesperrt, in mancher Wohnung wird es eng. Der fehlende soziale Kontakt kann für Kinder zu belastenden Konfliktsituationen führen, die in den Familien aufgefangen werden müssen. Unterstützung bietet den Eltern dabei die Telefonberatung des Jugend- und Schulamtes, auch Hausbesuche der Schulsozialarbeiterinnen und -arbeiter bleiben in Krisensituationen möglich. „Wir behalten das Wohl der Kinder im Blick“, so Stadtrat Michael Frost.