Neue Klänge in der Aula der theo

„Was die da genau machen, weiß ich auch nicht“, meint vor Konzertbeginn ein Schüler zum anderen. Aber es ist sicher etwas mit Musik, denn zweimal waren im Hintergrund schon die ersten Takte von Chubby Checkers „Let’s Twist Again“ zu hören. Dann späht wieder jemand durch den noch zugezogenen Vorhang: „ambi 2018“ in der Aula der theo.

„Abenteuer Musik - Bremerhavener Initiative“, kurz ambi – 2005 wurde das Projekt von Professor Erwin Koch-Raphael in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Künste Bremen und dem Kulturamt Bremerhaven ins Leben gerufen. Das Ziel ist seitdem, Schülerinnen und Schüler der Seestadt mit eigenen kompositorischen Arbeiten an die zeitgenössische Musik heranzuführen und die Ergebnisse in einem öffentlichen Abschlusskonzert zu präsentieren.

„Klangfarbenmusik, Zwölftonmusik, Zufallsmusik – da sind die ersten Reaktionen erschrocken, allemal verwundert“, so Komponist Koch-Raphael, der die Federführung 2015 an seinen ehemaligen Schüler Ingo Beck übergab. Das Konzept ist geblieben: Während der regulären Unterrichtsstunden wird in kleinen Gruppen komponiert und musiziert.

Ein Projekt für alle

„Es soll vor allem Spaß machen“, bekräftigt Ingo Beck, mittlerweile Direktor der Gymnasialen Oberstufe am Schulzentrum Carl von Ossietzky, deren Musikkurse das abwechslungsreiche Programm durch und durch rhythmisch bestritten. „Es ist ein Projekt für alle, nicht nur für Leute, die schon seit neun Jahren Klavier spielen“, unterstreicht Beck bei der Begrüßung der Gäste. Sein besonderer Dank gilt wie in jedem Jahr den beteiligten Lehrerinnen und Lehrern sowie Komponistin Kazuyo Nozawa, Eva Schimmelpfennig (Bühnenpräsenz) und Oboist Eberhard Holbein.

Bühne frei: Die erste Szene führt in ein Restaurant, wo Gläser klirren, Bestecke klappern und Handys brummen, das Klavier klimpert und das Publikum den Schlussakkord setzt. Zehn weitere Kompositionen folgen, zum Einsatz kommen neben Piano und Stimme auch Plastikflaschen, Mixer oder Rasierapparate, zudem jede Menge Schlagwerk, Pfeil und Bogen sowie ein Konfetti sprühender Knallbonbon XXL. Beim perkussiven „Dawn of Man“ dienen Baumstämme und Schachfiguren als Instrumente, „Love is in the air (not)“ ist ein witziges Dramolett. Münzen fallen auf Trommeln und Chubby Checker hat natürlich auch seinen Einsatz.

Die Kenner der Materie können sicher die Bezüge zum Thema John Cage herstellen, die Experten Anklänge der Minimal Music, Aleatorik und Musique concrète heraushören. Für alle anderen gilt: Zwölftonmusik hin oder Zufallsmusik her – bei ambi ist erlaubt, was Freude macht!