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Grüne Orte in Bremerhaven: Die Neue Aue, grüner Schutzgürtel im Leher Nordwesten

Grabeland, Kleingärten und Ausgleichsflächen zwischen Hafen und Stadt

Das Naherholungsgebiet Neue Aue liegt im Nordwesten des Stadtteils Lehe. Es umfasst ca. 104 Hektar Fläche und bildet einen natürlichen Schutzgürtel zwischen Überseehafen und den Wohngebieten. Das Areal besteht aus Fluss- und Seen- sowie Wald-, Weiden- und Wiesenlandschaften. Außerdem gehören ein Kleingartengebiet und eine große Grabelandfläche dazu. Der Fluss Neue Aue selber, nach dem das Gebiet benannt wurde, hat eine Länge von 6 km und wird fast auf der gesamten Fläche von einem Randweg begleitet. Die Gebiet „Neue Aue“ ist eines der vielseitigsten Naherholungsgebiete in Bremerhaven.

Das unscheinbare und größtenteils sich selbst überlassene Naherholungsgebiet am westlichen Rand Lehes hat eine wichtige Rolle. Die „Neue Aue“ ist so etwas wie die grüne Lunge des Stadtteils. Damit ist das Gebiet nicht nur für ein besseres Stadtklima verantwortlich, es bildet außerdem einen Schutzmantel, der Schadstoffe aus der Luft filtert, die sonst direkt aus dem Hafen in die Stadt getragen würden. In dem Gebiet steht dichtes Grün, zu dem mit bis zu 200 Jahre alten Bäumen, wohl auch die ältesten im gesamten Stadtgebiet gehören. Wie intakt die Natur in diesem innerstädtischen Habitat ist, zeigt das Vorkommen der sehr seltenen Eisvögel, die extrem empfindlich auf problematische Umweltbedingungen reagieren.

Die „Neue Aue“ ist in ihrer Komplexität so etwas wie ein ungeschliffener Diamant in der Grünlandschaft der Stadt. Denn es gibt in dem Gebiet – speziell im Grabeland – auch eine Reihe von verwilderten Grundstücken, die in der Vergangenheit leider auch als wilde Müllkippe gedient haben. Die Wasserqualität der Aue selber ist absolut verbesserungswürdig. Da der Fluss in den 1960er Jahren in seiner Fließrichtung umgelenkt wurde, ist die Fließgeschwindigkeit des Gewässers sehr gering. Zudem gibt es viele unbekannte Abwässereinträge aus den Gartenanlagen und den angrenzenden Gewerbeflächen. Dennoch gibt es eine illustre Flora und Fauna in dem Gebiet.

So gibt es hier Füchse, Wiesel, Marder und sogar Rehe. In der Vogelwelt finden sich – neben den extrem seltenen Eisvögeln - Reiher, Blesshühner und Enten sowie Bunt-, Grün- und Kleinspechte, Fasane und Mäusebussarde. Außerdem kommen Teichmolch, Grasfrosch, Erdkröte, Ringelnatter und Blindschleiche vor. In den Gewässern findet sich eine erstaunliche Vielfalt der regionalen Süßwasserfischwelt. In den alten Bäumen und verfallenen Schwarzbauten des Grabelandes leben nachweislich mindestens vier verschiedene Fledermausarten. Für die Hautflügler in der Stadt ist die „Neue Aue“ sehr wichtig. Es gibt sogar eine „Fledermausstraße“, die sich vom Flötenkiel bis in den Hafenrand hinein zieht. Der Grund: Der Hafen strahlt nachts so viel Licht ab, das sich dort Unmengen von Insekten tummeln – Hauptbeute der Fledermäuse.

Am nördlichen Ende des Gebietes, direkt am Gesundheitspark Speckenbüttel, mündet die Aue in einen etwa anderthalb Hektar großen Weiher - den Aue-See. Dort befindet sich nicht nur eine der beliebtesten Hundewiesen der Stadt, sondern auch eine kleine Fischtreppe. Sie ermöglicht es den Wassertieren, die ca. 40 cm Höhenunterschied zu überbrücken, die am See mit einem Wehr entstanden sind. Am anderen Ende, dem südwestlichen Zipfel der Neuen Aue, liegt das Kleingartengebiet des gemeinnützigen Schrebergartenvereins. Der Verein existiert bereits seit 1919 und bietet vielen Seestädtern eine willkommene Ruheoase in beschaulichen und geordneten Parzellen. Etwas freier in der Gestaltung ihrer Gärten mögen es hingegen die Pächter der Grabelandparzellen, die sich an vielen Stellen des Gebietes finden. In den teils ungestalteten Grünflächen sind entlang der verschlungenen Pfade große Bäume und hohe Hecken gewachsen. Sie bieten heimischen Tieren und erholungswilligen Menschen Rückzug und viel natürlichen Schutz.   Marco Butzkus

 

Was: Naherholungsgebiet Neue Aue
Wo: Leher Westen zwischen Hafen und Stadt
Angebote: Hundewiese, Rad- und Wanderwege, Kleingärten, Grabeland

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