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Rede von Stadtverordnetenvorsteher Artur Beneken beim Empfang für die Westeuropakonferenz der Internationalen Seemannsmissionen

Anrede,
im Namen der Stadtverordnetenversammlung und des Magistrats der Stadt Bremerhaven freue ich mich sehr, Sie im Deutschen Auswandererhaus willkommen heißen zu können. Für Bremerhaven ist es eine große Ehre, dass hier die diesjährige Westeuropa-Konferenz der Internationalen Seemannsmissionen stattfindet, zu der Sie so zahlreich aus mehreren westeuropäischen Ländern angereist sind. Auch für eine so große Hafenstadt mit weltweiten Verbindungen wie Bremerhaven ist es ein außergewöhnliches Ereignis, wenn gerade die Seemannsmissionen in unserer Stadt zum Informations- und Erfahrungsaustausch zusammenkommen, denn dieser internationalen Organisation fühlen wir uns schon seit Jahrzehnten verbunden.

In der mehr als 150-jährigen Geschichte der deutschen Seemannsmission gehörte Bremerhaven einst zu den ersten deutschen Städten, in denen eine Station eingerichtet wurde, und so sehr sich die Schifffahrt seither gewandelt hat, so wichtig ist nach wie vor die Arbeit der Mission. Ich bin sogar davon überzeugt, dass sie noch nie so notwendig war wie heute. Wenn es sie nicht schon gäbe, so müsste sie in einer Zeit erfunden werden, in der sich die Arbeitsbedingungen auf See radikal verändert haben. Sie sind von immer größeren Schiffen und kleinen Besatzungen, von kurzen Liegezeiten in den Häfen und Einsamkeit der Seeleute bestimmt.

Mehr als eine Million Menschen fahren weltweit auf den fast 50.000 Frachtern, von denen die meisten Containerschiffe sind und daher mit modernster Logistik immer schneller entladen werden. Oft können die Mannschaften aus Zeitgründen gar nicht mehr von Bord gehen, und wenn sie doch diese Möglichkeit haben, dann liegt das Schiff zumeist weit außerhalb in menschenleeren, abgelegenen Containerhäfen.

In dieser Welt des hochtechnisierten Containerverkehrs und der Globalisierung ist es besonders wichtig, dass sich Menschen um die Seeleute kümmern und ihnen in der Fremde ihre Würde geben. Wer tage- und wochenlang auf hoher See unterwegs ist, braucht zumindest im Hafen einen Ankerplatz für seine Seele. Es sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Seemannsmissionen, die im Sinne der christlichen Nächstenliebe an Bord gehen, Gespräche und Hilfe anbieten und zur "Unterstützung der Würde der Seeleute" tätig sind - "in support of the seafarers' dignity", wie das internationale Motto der Seemannsmissionen lautet. Völlig unabhängig von der nationalen Herkunft, von Religion, Alter und Hautfarbe erhalten die Seeleute seelische Zuwendung, aber auch Hilfe durch Rat und Tat bei der Bewältigung von Alltagsproblemen im fremden Hafen. Ohne die Seemannsmission wäre das Leben an Bord um vieles ärmer. Darauf können Sie alle, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser weltumspannenden diakonischen Vereinigung, zu Recht stolz sein!

Meine Damen und Herren, wie hart das Leben auf See schon immer gewesen ist, davon können Sie sich hier im Deutschen Auswandererhaus ein Bild machen. Dieses moderne Museum zum Thema Migration spiegelt die maritime Tradition unserer Stadt wider, denn Bremerhaven war einst größter Auswandererhafen des europäischen Kontinents. Von der Wesermündung aus traten zwischen 1830 und 1974 mehr als sieben Millionen Menschen den ungewissen Weg in die Fremde an. Daher wird das Auswandererhaus hier am historischen Standort des Neuen Hafens von den Besuchern als besonders authentisch empfunden, und sein Erfolg beweist, dass wir auf dem richtigen Weg sind: Drei Jahre und zwei Monate nach seiner Eröffnung kann das Deutsche Auswandererhaus, das 2007 als Europas Museum des Jahres ausgezeichnet wurde, in den nächsten Tagen bereits seinen 700.000 Besucher begrüßen.

Sicherlich haben Sie schon während Ihres Aufenthalts einiges von Bremerhaven gesehen, und Sie werden dabei gespürt haben, wie sehr das Meer und die Schiffe das Leben in dieser jungen Stadt bestimmen, die 1827 als Hafen der Freien Hansestadt Bremen etwa 50 Kilometer weserabwärts gegründet wurde. Auch heute noch lebt Bremerhaven von der Hafenwirtschaft.

Die Häfen und der hochmoderne Container-Terminal - mit einer Länge von fünf Kilometer die längste geschlossene Containerkaje der Welt - haben es geschafft, sich erfolgreich auf den rasanten Wandel des internationalen Seeverkehrs einzustellen. In den Überseehäfen, der deutschen Drehscheibe für den Auto-Im- und Export, werden jährlich zwei Millionen Fahrzeuge umgeschlagen. Der Fischereihafen von Bremerhaven ist schon längst nicht mehr nur ein Platz zur Anlandung und Verteilung von Fisch, sondern ein moderner Industrie- und Dienstleistungsstandort mit dem Schwerpunkt Lebensmittelverarbeitung, vor allem Tiefkühlproduktion. Und auch im Schiffbau hat Bremerhaven einen hervorragenden Namen. Vor allem die Lloyd Werft hat sich durch spektakuläre Umbauten internationales Renommee erworben und ist weltweit eine erste Adresse.

Bremerhaven baut für die Zukunft jedoch nicht nur auf die traditionellen drei Wirtschaftssäulen. Der notwendige Strukturwandel wurde zielstrebig mit dem Ausbau von Wissenschaft und Forschung vorangetrieben. Die Hochschule Bremerhaven ist eine angesehene Ausbildungsstätte, und mit dem Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung und dem Deutschen Schiffahrtsmuseum haben zwei wissenschaftliche Einrichtungen von internationalem Rang ihren Sitz in Bremerhaven.

Neue wirtschaftliche Impulse versprechen wir uns vom Städtetourismus. Wir wollen erreichen, dass Bremerhaven mehr als bisher zu einem Ziel für Urlauber wird. Unser Hauptprojekt für den Tourismus entsteht derzeit in bester Lage in der Innenstadt am Alten und Neuen Hafen: die maritime Erlebnis- und Freizeitwelt "Havenwelten". Die wichtigste Attraktion in diesem Bereich ist das Klimahaus Bremerhaven 8º Ost, in dem sich die Besucher auf anschauliche Weise über das Wetter und die Klimazonen der Erde informieren können.

Bremerhaven ist also auf dem Weg in eine gute Zukunft, an der wir mit großem Engagement weiter arbeiten werden. Ich heiße Sie noch einmal in unserer Stadt herzlich willkommen und hoffe, dass Sie sich hier wohl fühlen. Ihnen und der Seemannsmission in aller Welt wünsche ich weiterhin viel Erfolg und alles erdenklich Gute.

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