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Rede von Oberbürgermeister Melf Grantz bei der Verabschiedung von Claus Brüggemann, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Bremerhaven

Wenn beim größten Kreditinstitut Bremerhavens der Kapitän mit Erreichen der Altersgrenze von Bord geht, dann ist das kein Wechsel einer Führungskraft wie jeder andere. Mit der Verabschiedung von Claus Brüggemann, dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden der Sparkasse Bremerhaven, geht eine Ära zu Ende.

Sein Name stand fast 15 Jahre lang für Kontinuität, Seriosität und Augenmaß. So lange hat er als Mann an der Spitze die Geschicke dieser wichtigen Institution wesentlich geprägt, und wenn er jetzt aus dem aktiven Berufsleben ausscheidet, so ist die Sparkasse Bremerhaven unter seiner Führung hervorragend für die Zukunft aufgestellt. Und damit auch für die notwendige Fusion mit der Kreissparkasse Wesermünde-Hadeln, die beide Institute im Interesse der Region noch schlagkräftiger und leistungsfähiger machen wird.

In den 15 Jahren seiner Amtszeit hat Claus Brüggemann das Unternehmen als „Mr. Sparkasse“ ebenso kompetent und überzeugend verkörpert wie sein Vorgänger Harold Virkus, dessen Nachfolge er am 1. Dezember 1996 antrat. Im Gegensatz zu Virkus, der sein gesamtes Berufsleben lang von der Lehre bis zum Ruhestand in den Diensten der Sparkasse stand, war Brüggemann dort allerdings ein Quereinsteiger. Doch das Kreditgeschäft hat er von der Pike auf gelernt.

Der gebürtige Bremerhavener begann seine Karriere 1964 in seiner Heimatstadt mit der Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Nordkredit, studierte von 1970 bis 1973 Betriebswirtschaftslehre an der Universität Bremen und arbeitete von 1973 bis Ende 1983 bei der Bremer Landesbank, zuletzt als Prokurist. Anfang 1984 wechselte er zur Geestemünder Bank, die er 1991 als Direktor des Kreditbereichs verließ. Nach einem Zwischenspiel als Geschäftsführer der Firma Friedrich W. Lübbert im Fischereihafen kehrte er in das Bankgewerbe zurück, diesmal als Prokurist und Gruppenleiter Schiffs- und Werftkredite bei der Bremer Landesbank.

Am 1. Mai 1993 kam er zur damaligen Städtischen Sparkasse Bremerhaven, zunächst als Vorstandsvertreter und stellvertretendes Vorstandsmitglied, dann ab 1. Mai 1995 als Vorstandsmitglied in der Nachfolge von Dieter Lankenau. Mit Wirkung vom 1. Dezember 1996 bestellte ihn der Verwaltungsrat schließlich zum Vorstandsvorsitzenden.

Mit Ihnen als Kapitän, lieber Herr Brüggemann, steuerte die Sparkasse stets auf richtigem Kurs. Trotz der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die gerade seit Mitte der neunziger Jahre das Kreditgeschäft in Bremerhaven belasteten, stieg die Bilanzsumme der Sparkasse von umgerechnet 1,4 Milliarden Euro im Jahre 1996 auf zuletzt zwei Milliarden Euro. Als einer der größten Arbeitgeber Bremerhavens beschäftigt das Institut derzeit 532 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und mit einem flächendeckenden Netz von zehn Filialen und vier SB-Shops ist es überall in der Stadt präsent.

Unter der Verantwortung des Vorstandschefs Claus Brüggemann wurde dieses Netz neu geordnet und kundenorientiert ausgerichtet. Und gemeinsam mit dem Verwaltungsrat stellte er die Weichen für das Stiftungsmodell, mit dem die Gewährsträgerhaftung für die Sparkasse zukunftssicher gemacht wurde. Die gesellschaftsrechtliche Konstruktion bietet die Grundlage dafür, dass die Entscheidungen vor Ort in Bremerhaven getroffen werden. Das schafft eine Vertrauensbasis, die für die Kunden von unschätzbarem Wert ist.

Daran wird sich auch bei einer Fusion mit der Kreissparkasse nichts ändern. Wenn „Mr. Sparkasse“ am 30. Juni die Kommandobrücke verlässt, wird es ihm leider nicht vergönnt sein, den notwendigen Zusammenschluss mit der Kreissparkasse Wesermünde-Hadeln bis zum Ende mitzugestalten. Die Fusionsgespräche haben sich doch länger als erwartet hingezogen, und daher bedaure ich es sehr, dass Sie, lieber Herr Brüggemann, auf den letzten Etappen nicht mehr dabei sind. Doch Sie können sicher sein, dass die Stadt Bremerhaven alles tun wird, um die mit Ihnen und Ihren Kollegen vorbereitete Fusion zu einem erfolgreichen Ende zu führen. Als Verwaltungsratsvorsitzender mache ich noch einmal mit allem Nachdruck deutlich: Wir brauchen die Vereinigung zu einem großen regionalen Geldinstitut, das – weit mehr noch als beide Sparkassen allein – eine starke Stellung im Markt erobern und behaupten kann.

Doch die Sparkasse Bremerhaven ist mehr als nur ein innovatives und leistungsfähiges Geldinstitut, das die Konten und Kapitalanlagen der Kundinnen und Kunden verwaltet und Kredite gewährt. Sie ist auch eine Institution, die sich im wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Bereich, für Sport, Umwelt und Wissenschaft engagiert. Kreditwirtschaftliche Kompetenz und Verantwortung für das Gemeinwohl gehören bei der Sparkasse zusammen, und daher setzte sie unter der Führung von Claus Brüggemann Maßstäbe für gesellschaftspolitisches Engagement. Zahlreiche Impulse für die Entwicklung unserer Stadt und den Strukturwandel gehen immer wieder von der Sparkasse aus.

Herr Perl hat bereits einige markante Beispiele dafür genannt. Sie zeigen, welch bedeutende Rolle die Sparkasse unter der Führung Claus Brüggemanns für Bremerhaven gespielt hat und unter neuer Leitung auch künftig spielen wird. Ohne sie würde unserer Stadt ein Stück Lebensqualität fehlen, und für dieses Engagement danke ich Claus Brüggemann ganz herzlich. Sein Name wird immer mit den Projekten der Sparkasse verbunden sein, die er angestoßen oder mitgetragen hat.

Er selbst hat aber auch ganz persönlich den Strukturwandel unserer Stadt in zahlreichen ehrenamtlichen Funktionen vorangebracht. Davon ist das Amt des Präsident der Industrie- und Handelskammer Bremerhaven, das er seit fünf Jahren innehat, sicherlich das wichtigste. Als höchster Repräsentant der Bremerhavener Wirtschaft wie auch als Mitglied der IHK-Ausschüsse zur regionalen Wirtschaftspolitik und zur Stadtentwicklung setzte er sich für seine Heimatstadt ein. Doch auch über Bremerhaven hinaus machte er sich einen Namen. 2008 wählte ihn der Geld- und Kreditausschuss des Deutschen Industrie- und Handelskammertages zu seinem Vorsitzenden.

Zu den vielen Institutionen und Verbänden, die den Rat und das Engagement Claus Brüggemanns seit vielen Jahren schätzen, gehört auch die Gesellschaft Bremerhaven 1947. Bis Mitte 2013 läuft seine derzeitige Amtszeit als Vorsitzender dieser hochangesehenen Vereinigung, und ich bin überzeugt, dass er in dieser Funktion auch weiterhin ein wichtiges Sprachrohr für die Interessen unserer Seestadt sein wird. Doch er wird auch als Ruheständler die nötige Muße finden, um sich verstärkt seinen Hobbys zu widmen, etwa dem geliebten Tennisspiel, und häufiger als bisher Urlaub in seinem Ferienhaus in Frankreich machen zu können.

Lieber Herr Brüggemann, wenn Sie sich nun mit 65 Jahren aus dem aktiven Berufsleben zurückziehen, so können Sie auf äußerst erfolgreiche Jahrzehnte zurückblicken. Sie hinterlassen eine Sparkasse mit einem hervorragenden Team, das bestens für die Aufgaben der Zukunft und auch für einen Zusammenschluss der beiden regionalen Sparkassen gerüstet ist. Für den Verwaltungsrat waren Sie ein hochgeschätzter Partner, mit dem sich in einer Atmosphäre des Vertrauens und der gemeinsamen Verantwortung für die Institution Sparkasse zusammenarbeiten ließ. Ihrem Nachfolger und bisherigen Stellvertreter Uwe Perl übergeben Sie ein rundum geordnetes Haus.

Im Namen des Verwaltungsrates und der Stadt Bremerhaven danke ich Ihnen für alles, was Sie für die Sparkasse und für diese Stadt getan haben. Für den Ruhestand wünsche ich Ihnen alles erdenklich Gute und weiterhin Gesundheit. Lassen Sie mich zum Schluss Ihre Tätigkeit in einem Satz zusammenfassen: Die Sparkasse sei „gut für Bremerhaven“, verkündet sie selbstbewusst in ihrem Werbespruch. Ich füge diesem Satz hinzu: Claus Brüggemann war gut für die Sparkasse und für Bremerhaven – und wird es auch künftig sein!

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