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Rede von Oberbürgermeister Melf Grantz anlässlich der Vereidigung der Marineoperationsschule Bremerhaven

Sehr geehrte Rekrutinnen und Rekruten,
sehr geehrte Damen und Herren,

wir stehen heute hier auf dem Theodor-Heuss-Platz, um die neuen Rekrutinnen und Rekruten der Marineoperationsschule zu vereidigen. Diese öffentliche Zeremonie ist eine schöne Tradition in Bremerhaven und ich freue mich, dass wir heute außer den Rekrutinnen und Rekruten, den Offizieren und Unteroffizieren auch die Familienangehörigen sowie viele Bürgerinnen und Bürger Bremerhavens hier bei der Vereidigung begrüßen können.

Sehr geehrte Rekrutinnen und Rekruten, Bremerhaven – die größte Stadt an der deutschen Nordseeküste - wird für die nächsten Monate Ihre Heimat sein – oder, um im Bild zu bleiben – praktisch Ihr Heimathafen. Sie haben sich dafür entschieden, Ihren freiwilligen Wehrdienst in der Marineoperationsschule zu leisten und das war eine gute Entscheidung. Denn die MOS Bremerhaven hat als Ausbildungsstätte der Marine für Taktik und Operation einen hervorragenden Ruf. Deshalb sind wir hier in Bremerhaven stolz auf diese Schule, die maßgeblich dazu beiträgt, dass sich die Marine hier seit langem zu Hause fühlt und Zuhause ist. Denn Bremerhaven ist zwar einerseits eine junge Stadt, aber andererseits auch der älteste deutsche Marinestandort.

Hier an der Weser stellte Admiral Karl Brommy bereits im Jahr 1848 die ersten deutschen Seestreitkräfte auf - also praktisch die Basis für die spätere deutsche Marine. Dieses erste Kapitel unserer Marinegeschichte ging aber dann schon nach nur vier Jahren wieder zu Ende. Grund dafür waren Geldmangel und finanzielle Kürzungen der Regierung, die für das schnelle Ende der ersten deutschen Flotte gesorgt haben.

Die Marineschule hat in Bremerhaven Tradition. Bereits im Jahr 1935 wurde sie gegründet und die Marine gehört zu dieser Stadt wie der Hafen, das Wasser und die Schiffe. Die Bremerhavenerinnen und Bremerhavener schätzen die „Blauen Jungs“ - die Marine-Rekruten und Soldaten - als Nachbarn und sie gehören selbstverständlich zum Bild der Stadt.

In der aktuellen Diskussion stehen die Bundeswehr und die Marine vor Einsparzwängen und Kürzungen. Das zeigt auf teils drastische Weise der aktuelle Sparplan von Verteidigungsminister de Maizière. Die Inhalte der Sparpläne zeigen aber auch, wie wichtig der Marinestandort Bremerhaven ist. Während andere Militäreinrichtungen in Norddeutschland geschlossen werden, bleibt der Standort Bremerhaven erhalten und es wird weiter investiert. Derzeit entsteht allein für mehr als zehn Millionen Euro eine neue Rettungs- und Wasserübungshalle auf dem Gelände der Marineoperationsschule, um die Ausbildung der Rekruten hier in Bremerhaven noch weiter zu verbessern. Nicht weit von hier, auf dem Marineflughafen Nordholz, werden Rettungshubschrauber aus Kiel stationiert und auch der Marinestützpunkt Nordholz wird weiter ausgebaut. Die Marine, meine Damen und Herren, liebe Rekrutinnen und Rekruten, ist ein unverzichtbarer und wichtiger Bestandteil dieser Region und wird es immer sein!

Wir stehen hier auf dem Theodor-Heuss-Platz in der Innenstadt und das gibt uns die Gelegenheit, den Mann zu bewundern, der Bremerhaven vor mehr als 180 Jahren gegründet hat. Sein Denkmal steht gleich hier vor uns mitten auf dem Platz: Es ist der Bremer Bürgermeister Johann Smidt. Er hatte die Vision eines Seehafens direkt an der Küste – immerhin 60 Kilometer von der Freien Hansestadt Bremen entfernt – und so kommt es, dass Sie heute hier als Rekruten der Marine im Bundesland Bremen stehen, aber gleichzeitig mitten in Niedersachsen, das als Nachbar-Bundesland uns umgibt.

Ich bin sicher, dass Sie bei uns eine schöne Zeit verbringen werden. Unsere Stadt hat viele interessante Seiten - vom Stadttheater und der neuen Kunsthalle über das neue Kino-Center bis hin zu den Havenwelten, die nur einen Steinwurf von hier entfernt am Neuen Hafen liegen. Dort gibt es lohnenswerte Ziele, wie das Klimahaus, in dem man eine Reise rund ums Klima und rund um die Welt unternehmen kann. Oder dem Deutschen Auswandererhaus, wo hautnah das Schicksal der mehr als sieben Millionen Menschen nachempfunden werden kann, die über Bremerhaven ausgewandert sind. Und natürlich besonders interessant für Marinerekruten und praktisch ein Muss für zukünftige Seemänner: Das Deutsche Schifffahrtsmuseum mit vielen Original-Schiffen vom Dreimaster bis zum U-Boot. Mittlerweile besuchen über 2 Millionen Touristen jährlich Bremerhaven.

Sehr geehrte Rekrutinnen und Rekruten, mit der heutigen Vereidigung werden Sie in die Deutsche Marine und die Gemeinschaft der Bundeswehr aufgenommen. Sie werden feierlich geloben, der Bundesrepublik Deutschland treu zu dienen und das Recht und die Freiheit des deutschen Volkes zu verteidigen. Dieses Gelöbnis ist ein Bekenntnis für die Demokratie und den freiheitlichen Rechtsstaat. Sie erklären sich damit auch bereit, Verantwortung für unser Land und seine militärischen Bündnispartner zu übernehmen.

Inzwischen ist die Wehrpflicht ausgesetzt und junge Frauen und Männer wie Sie melden sich freiwillig zum Militärdienst. Dieser Einsatz für Deutschland, für unser Vaterland muss Ihnen hoch angerechnet werden, denn die Bundeswehr war und ist ein notwendiger Bestandteil unserer Gesellschaft, der ebenso erhalten bleiben muss, wie die Werte, die damit verbunden sind. Mit Ihrem Engagement für die Bundeswehr beweisen Sie alle, dass Sie sich als junge Menschen mit der Werteordnung unseres Landes und unserer Gesellschaft auseinandergesetzt haben, eine klare Position beziehen und mit Ihrer Vereidigung ein klares Bekenntnis zu unserem Land abgeben.

Oder, wie es Bundespräsident Christian Wulff bei seiner Rede anlässlich der Vereidigung der ersten freiwilligen Rekruten im Juli vor dem Berliner Reichstagsgebäude des Deutschen Bundestages gesagt hat: „Wir können uns auf Sie verlassen. Die Bundeswehr gehört in unsere Mitte, in unsere Schulen, Hochschulen und auf öffentliche Plätze. Aber: Ihre Freiwilligkeit darf nicht zur Gleichgültigkeit in der Gesellschaft führen. Auch nach der Aussetzung der Wehrpflicht bleibt unsere Bundeswehr die Bundeswehr, die wir schätzen gelernt haben und die zu einem hohen Ansehen in der Welt beiträgt.“

Diese Auffassung des Bundpräsidenten teile ich ausdrücklich.

Deutsche Soldaten tragen inzwischen weltweit zum Kampf gegen Terrorismus bei und sind ein fester und nötiger Bestandteil der internationalen Gefahrenabwehr. Sie tragen zur Friedenssicherung in Afghanistan ebenso, wie am Horn von Afrika bei, wo der Einsatz der deutschen Marine ganz besonders gefragt ist. Für diesen Einsatz zur Sicherung des Friedens gebührt allen Soldatinnen und Soldaten Anerkennung und Respekt. Ihre gefahrvollen Einsätze machen uns bewusst, dass ein Leben in Frieden und Freiheit nicht selbstverständlich ist.

Es ist gut, dass die Einsätze nur aufgrund von Beschlüssen des Deutschen Bundestages durchgeführt werden dürfen. Damit ist sichergestellt, dass die Einsätze nur auf den Willen des Deutschen Volkes und somit demokratisch legitimiert erfolgen.

Sehr geehrte Rekrutinnen und Rekruten der Marineoperationsschule, die Aufgabe, die Sie und alle anderen Soldaten erfüllen, ist eine wichtige Aufgabe im Dienst unserer Demokratie. Die Bundeswehr war und ist eine Friedensarmee! Dass dies so bleibt, ist stetiger Auftrag aller Verantwortlichen in unsere Gesellschaft. Die Streitkräfte sind seit mehr als einem halben Jahrhundert fest in der Gesellschaft verankert. Darauf kann Deutschland stolz sein! Wir in Bremerhaven sind darauf stolz, solch ein traditionsreicher Marinestandort zu sein.

Ich wünsche Ihnen allen, dass Sie in unserer schönen Stadt eine gute Ausbildungszeit verbringen, an die Sie später gern zurückdenken und stets wieder nach Bremerhaven kommen.

Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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