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Rede von Oberbürgermeister Jörg Schulz beim Festakt zum 150-jährigen Jubiläum der Sparkasse Bremerhaven

Anrede,


in einer Stadt, die erst 181 Jahre alt ist, gehört ein 150-jähriges Jubiläum zu den ausgesprochen seltenen Ereignissen. Deshalb freue ich mich sehr, dass ich Sie als Vorsitzender des Verwaltungsrates zum Geburtstag einer so bedeutenden und traditionsreichen Institution wie der Sparkasse Bremerhaven begrüßen kann. Sie alle sind zu diesem Festakt gekommen, um die Verbundenheit mit einem Unternehmen auszudrücken, das wie kaum ein anderes die wechselvolle Geschichte unserer Stadt geprägt und dabei eine eindrucksvolle Erfolgsgeschichte geschrieben hat. Aus kleinsten Anfängen wurde das größte Kreditinstitut unserer Seestadt, das im Jubiläumsjahr mit einer Bilanzsumme von zwei Milliarden Euro aufwarten kann. Als einer der größten Arbeitgeber Bremerhavens beschäftigt die Sparkasse über 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, und mit einem flächendeckenden Netz von 15 Geschäftsstellen ist ihre Nähe zum Kunden in allen Stadtteilen sichtbar.

Eine solche Entwicklung hatten 1858 die Initiatoren der "Geestemünde-Geestendorfer Sparcasse" natürlich nicht im Sinn, als sie in einem einzigen Zimmer der Gemeindeverwaltung Geestendorf mit der noch recht bescheidenen Geschäftstätigkeit begannen. Sie wollten in erster Linie den Menschen die Möglichkeit bieten, "ihre Ersparnisse sicher und zinsbringend anzulegen", wie sie damals ankündigten. Auf die Gründung dieses Vorläuferinstituts und dem späteren Zusammenschluss mit den Sparkassen in Lehe und Bremerhaven folgten bewegte Zeiten mit Höhen und Tiefen. Sie waren gekennzeichnet von Kriegen, Not und Entbehrungen, von Inflationen und dem tiefen Einschnitt der Währungsreform 1948, vom Wirtschaftswunder und dem stürmischen Aufschwung bis zur Einführung des Euro, der großen Herausforderung zu Beginn des neuen Jahrtausends. Wie wichtig diese 150 Jahre für unsere Stadt sind, hat die Sparkasse mit ihrem aktuellen Werbeslogan selbstbewusst auf den Punkt gebracht: "Sparkasse. Gut für Bremerhaven."

In der Tat: Die Sparkasse war seit ihrer Gründung gut für Bremerhaven, und sie wird es weiterhin sein. Als innovatives und leistungsfähiges Unternehmen hat sie sich stets auf die Veränderungen eingestellt, die den Finanzmarkt und den Kundenservice durcheinandergewirbelt haben - vor allem seit dem letzten Jubiläum im Jahre 1983. Doch die Sparkasse ist weit mehr als ein Geldinstitut. Sie ist eine Institution, die sich im wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Leben, für Sport, Umwelt und Wissenschaft, einsetzt. Kreditwirtschaftliche Kompetenz und Verantwortung für das Gemeinwohl gehören bei der Sparkasse seit 150 Jahren untrennbar zusammen; es sind zwei Seiten derselben Medaille.

Im öffentlichen Leben Bremerhavens gibt es wohl keinen Bereich, in denen die Sparkasse nicht zum Wohle der Stadt und ihrer Menschen tätig geworden ist. Ohne sie wäre Bremerhaven ein Stück ärmer. Projekte, die sie mit Fördermitteln begleitet oder sogar selbst angeschoben und umgesetzt hat, sind im Stadtbild nicht zu übersehen. Die Sparkasse war es, die mit der Finanzierung des Wiederaufbaus großen Anteil daran hatte, dass in Bremerhaven bis 1958 fast 18.000 neue Wohnungen entstanden. Damit konnte die schlimmste Wohnungsnot innerhalb weniger Nachkriegsjahre gelindert werden - eine historische Leistung, deren Bedeutung für die zerstörte Stadt nicht hoch genug einzuschätzen ist.

Seither ist die Sparkasse besonders eng mit der wirtschaftlichen und städtebaulichen Entwicklung Bremerhavens verbunden. Ohne ihre finanzielle Unterstützung wären die Sanierung des Stadttheaters und der Neubau des Historischen Museums kaum möglich gewesen, und mit der Bebauung des Bahnhofsvorplatzes und der Neugestaltung ihrer Hauptstelle in der "Bürger" - einer Großinvestition von 65 Millionen Mark - setzte die Sparkasse Akzente bei der Neugestaltung von Stadtzentren. Über ihre Immobilientochter engagierte sie sich bei der Erschließung von Bauland für Eigenheimgrundstücke, um der Abwanderung ins Umland zu begegnen. Mit der Ausweisung von bisher zehn Wohngebieten trug sie dazu bei, dass bauwillige Familien ihren Traum vom eigenen Haus am Standort Bremerhaven verwirklichen konnten. Wie aktiv sich die Sparkasse am Baugeschehen beteiligt, zeigt das Havenhaus zwischen Hochschule und Stadttheater. Dieser Neubau ergänzt das kulturelle Angebot der südlichen Innenstadt um Kinocenter und Kunstmuseum und hat sich seit seiner Eröffnung als Attraktion erwiesen.

Verantwortung für das Gemeinwohl - das bedeutet für die Sparkasse nicht zuletzt, den notwendigen Veränderungsprozess in unserer Stadt positiv und gestaltend zu begleiten. Für die Stadt Bremerhaven und auch für mich persönlich als Oberbürgermeister ist das Kreditinstitut einer der wichtigsten Partner beim Strukturwandel, der in diesem Jahr mit den Havenwelten sichtbare Formen angenommen hat. An diesen Veränderungen ist die Sparkasse nicht nur als Kreditgeber beteiligt, sondern über ihre Immobiliengesellschaft auch als Investor der Lloyd-Marina am Neuen Hafen. Mit dem Bau dieser attraktiven und hochwertigen Wohnungen in allerbester Lage am Weserdeich hat Bremerhaven einen städtebaulichen Trumpf erhalten, wie ihn kaum eine andere Stadt an der Nordseeküste bieten kann.

Zum Strukturwandel gehört es auch, ein positives Klima für Unternehmensgründer zu schaffen, die neue Ideen verwirklichen und Innovationen auf den Markt bringen wollen. Wie wichtig ein solches wirtschaftliche Umfeld gerade für Bremerhaven ist, erkannten die Sparkasse und der Unternehmer Friedrich Dieckell bereits 1997, als sie gemeinsam die Initiative für den Bremerhavener Gründerpreis ergriffen. Seither wird diese hochkarätige und in ganz Deutschland angesehene Auszeichnung verliehen, seit 2002 mit der BIS als drittem Partner. Inzwischen haben die Preisträger bereits mehr als 160 Arbeitsplätze geschaffen, wobei gerade diejenigen Branchen überdurchschnittlich stark vertreten sind, die Bremerhavens wirtschaftliche Zukunft maßgeblich mitbestimmen und den Strukturwandel voranbringen werden: Biotechnologie, Windenergie oder auch der wachsende Dienstleistungsbereich.

Ein anderer Preis, den die Sparkasse verleiht, ist aus dem kulturellen Leben unserer Stadt nicht mehr wegzudenken. 1988 setzte die Sparkassen-Stiftung, die zum 125-jährigen Jubiläum des Kreditinstituts gegründet wurde, zum ersten Mal den Förderpreis für junge Bremerhavener Künstler aus. Und es spricht für die Qualität dieser Auszeichnung, dass schon im ersten Jahr zu den Preisträgern der Filmtrickspezialist Volker Engel gehörte, der dann 1997 den Oscar - die begehrteste Filmtrophäe der Welt - gewann.

Dies sind nur wenige Beispiele, an denen deutlich wird, auf welch unterschiedlichen Gebieten die Sparkasse ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht wird - sogar übrigens bei der Pflege der städtischen Grünanlagen. Denn in jedem Jahr stellt sie Mittel für das Pflanzen von Blumenbeeten bereit, deren blühende Pracht dann die Bremerhavener Bevölkerung erfreut. Alles in allem ist die Liste der geförderten Projekte so lang, dass sie mehrere Seiten umfassen würde.

Lassen Sie mich daher nur erwähnen, dass die Mittel der Sparkasse ebenso dem Spitzensport, etwa Eishockey und Basketball, wie dem Breitensport zugute kommt. Viele kleinere Vereine und Initiativen aus dem kulturellen und sozialen Bereich können auf die Sparkasse zählen, aber auch die kulturellen und touristischen Attraktionen, die das Oberzentrum Bremerhaven so attraktiv machen. Beispielsweise neben dem Stadttheater das Deutsche Schiffahrtsmuseum, das Deutsche Auswandererhaus, der Zoo am Meer, das Historische Museum oder das Theater im Fischereihafen. Viele Aktivitäten von Schulen, sozialen Einrichtungen und karitativen Verbänden wären ohne die Zuwendungen der Sparkasse nicht denkbar, und auch die Hochschule Bremerhaven verdankt ihr eine großzügige Unterstützung. So taten sich die Sparkasse und weitere Partner aus der Bremerhavener Wirtschaft zusammen, um bisher drei Stiftungsprofessuren an der Hochschule gemeinsam zu finanzieren.

Meine Damen und Herren, ohne ein solches vorbildliche Engagement, das weit über die Sponsorentätigkeit eines Kreditinstituts hinausreicht, würde unserer Stadt ein Stück Lebensqualität fehlen. Es trägt wesentlich dazu bei, dass Bremerhaven lebens- und liebenswert ist, und darauf kann die Sparkasse, die den Namen dieser Stadt trägt, stolz sein. Sie ist zwar keine "Städtische Sparkasse" mehr, doch auch in der neuen Konstruktion - darauf werden die weiteren Redner noch eingehen - bleibt sie der Stadt Bremerhaven eng verbunden.

Deshalb nutze ich nicht nur als Vorsitzender des Verwaltungsrates, sondern auch als Oberbürgermeister gern die Gelegenheit, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern unserer Sparkasse mit Herrrn Brüggemann und Herrn Perl an der Spitze recht herzlich für die erfolgreiche Arbeit zu danken. Ich bin sicher, lieber Herr Brüggemann, dass Sie mit Ihrem hervorragenden Team auch zukünftig die Herausforderungen der Zukunft meistern werden. Nochmals herzlichen Glückwunsch zum 150-jährigen Jubiläum und weiterhin viel Erfolg. Denn was gut für die Sparkasse ist, das ist auch "gut für Bremerhaven"!

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