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Neueröffnung der Kogge-Halle im DSM: Das Herzstück glänzt wieder

Die Bremer Hanse-Kogge aus dem 14. Jahrhundert ist das Herzstück des Deutschen Schiffahrtsmuseums (DSM). Das Schiffswrack, das 1962 in der Weser gefunden wurde, ist das weltweit besterhaltene Handelsschiff des europäischen Mittelalters. Zugleich war es auch das erste unterwasserarchäologisch geborgene Großobjekt in Deutschland. Diese beiden Fakten bildeten den wissenschaftlichen Ausgangspunkt für die spätere Gründung des DSM. Die Konservierung des sehr gut erhaltenen Schiffswracks dauerte Jahrzehnte und stellte alle Beteiligten vor große Herausforderungen. Ab 14. März wird das maritime Schmuckstück in der neu eröffneten Kogge-Halle präsentiert.

Als der Bremer Historiker Siegfried Fliedner am 9. Oktober 1962 auf eine Sandbank am heutigen Bremer Europahafen gerufen wurde, wollte er zunächst seinen Augen nicht trauen. Vor ihm ragte der wohl bedeutendsten historischen Fund seines Lebens aus dem Wesersand – das Wrack einer echten Hanse-Kogge aus dem 14. Jahrhundert. Fliedner, der am Focke Museum arbeitete, kannte Koggen wohl - allerdings nur von Münzen oder Siegeln. Bis zu diesem Fund wusste niemand wirklich, wie das wichtigste nordeuropäische Handelsschiff des Mittelalters genau aussah. Sensationell. Ganz ähnlich soll es auch den Besucherinnen und Besuchern des DSM ergehen, die ab dem 14. März 2017 in die neue Dauerausstellung "Kogge, Mensch und Meer" kommen. Die Neuereröffnung der Kogge-Halle bildet den ersten gewichtigen Meilenstein im Rahmen der Neugestaltung des nationalen Forschungsmuseums DSM.

Mit der Wiedereröffnung der Halle startet das Museum zugleich in eine neue Zukunft. Das statische Ausstellungskonzept der bundesweit einzigartigen Einrichtung wird seit 2012 überholt. Es wird in mehreren Abschnitten in eine dynamische und forschungsbezogene Ausstellung umgewandelt. Im neuen DSM werden Besucherinnen und Besucher Teil einer Forschungswerft und entdecken faszinierendes Wissen an und auf dem Wasser. Im Gegensatz zum alten Ausstellungskonzept, das noch chronologisch ausgerichtet war, geht die neue Ausstellung vom Objekt selbst aus. Sie bietet eine enge Verknüpfung mit aktuellen Forschungsprojekten. Dabei spielen auch die veränderten Sehgewohnheiten und Kommunikationsformen eine Rolle, die Menschen heute nutzen. Diese verändern sich zunehmend durch Digitalisierung und virtuelle Medien. Außerdem sollen auch Barrieren abgebaut werden, sodass beispielsweise Menschen mit Sehbehinderung die gezeigten Objekte auch ertasten können.

Die Kogge wird zukünftig auf drei unterschiedlichen Ebenen umrundet. Man wird dabei teilweise sehr nah an das alte Schiff herankommen. Während dieser neuen Art der Entdeckung werden verschiedenen Fragen aufgenommen: Wie entstand das Schiff vor 600 Jahren? Wie stellten sich Menschen vor 100 Jahren Koggen vor? Oder wie wurde die Kogge vor 40 Jahren zum Museumsobjekt? Das Ganze fügt sich perfekt in das neue Forschungsprogramm des DSM "Mensch & Meer" ein, das sich damit auseinandersetzt, wie der Mensch das Meer in der Vergangenheit nutzte, wie er es heute nutzt und wie es in der Zukunft sein könnte.   Marco Butzkus

 

Übrigens:
Das Deutsche Schiffahrtsmuseum ist eines von acht Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft und das Einzige, das meeresspezifische und maritime Themen in besonderer Weise erforscht. Im DSM forscht und zeigt man die Beziehung zwischen "Mensch & Meer" und bietet damit auch der Meeres- und Küstenforschung thematische Anknüpfungspunkte. Diese bilden den Ansatz einer historischen Sichtweise auf die Erfindung, Nutzung, Erforschung und Reflexion maritimer Technologien. Außerdem wird die gegenwärtige und zukünftige Bedeutung der menschlichen Meeresnutzung betrachtet. Dabei geht es ebenso um den Gebrauch von Schiffen im Verhältnis der maritimen Wirtschaft, der Forschungsschifffahrt oder vor dem Hintergrund eines geänderten Umweltverhaltens. Die Neuausrichtung des Museums startete 2013 und soll 2020 abgeschlossen sein. Durch seine besondere Lage in den Havenwelten, zwischen Weser, Fischereihafen und Neuem Hafen, ist das DSM in die lebendige maritime, von Schifffahrt geprägte Alltagskultur Bremerhavens eingebettet.

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