Aktuelle Tageszeitungen im Regal

Baubeginn für das Kompetenzzentrum für Rotorblätter: Die Fraunhofer-Gesellschaft startet die Gründungsarbeiten für einen großen Baukomplex

Mit dem Setzen von Gründungspfählen am Kleinen Westring im Fischereihafen hat das Fraunhofer-Center für Windenergie und Meerestechnik (CWMT) seinen 1. Bauabschnitt gestartet. Noch in diesem Jahr werden die Fraunhofer-Forscher bis zu 70 m lange Rotorblätter auf Herz und Nieren prüfen. In einer 17 m breiten, 84 m langen und 20 m hohen Halle werden zukünftig Rotorblätter an ein riesiges Prüffundament aus 4000 Tonnen Stahlbeton geschraubt und anschließend über Monate zum Schwingen angeregt. Die Spitzen der Rotorblätter werden sich dabei bis zu 17 m hin und her bewegen. Die Forscher wollen herauszufinden, an welchen Stellen und bei welchen Kräften die Rotorblätter als erstes ermüden - also zum Beispiel Materialfehler sichtbar werden. Die Ermüdungsvorgänge werden mit hochmodernen Messverfahren untersucht und auch mit Computern simuliert. Ziel ist es, die Eignung der Rotorblätter für ihren 20-jährigen Einsatz auf Land und im Meer sicherzustellen. Für das Vorhaben wird das Fraunhofer-Center vom Land Bremen, dem BMU (Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit) und dem BMBF (Bundesministerium für Bildung und Forschung) mit einer Kofinanzierung aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung EFRE unterstützt.

Zusätzlich zu dem ersten Prüfstand wird in einem 2. Bauabschnitt Ende des Jahres eine weitere Prüfplattform errichtet. Dort werden die Rotorblätter nicht nur hin- und herbewegt, sondern es werden auch kompliziertere, zum Beispiel ellipsenförmige Bewegungen ausgeführt. Diese Bewegungen spiegeln die realen Kräfte, die auf ein Rotorblatt im Betrieb einwirken, wesentlich besser wider und erlauben deshalb noch bessere Rückschlüsse auf mögliche Weiterentwicklungen. Damit die Fraunhofer-Forscher auch den Einfluss von Meerwasser und -luft sowie intensiver Sonnenstrahlung auf die Alterung von Windenergieanlagen untersuchen können, werden die Hallen technisch entsprechend ausgerüstet. Das Ganze dient dazu, in enger Zusammenarbeit mit der Industrie und auch weiteren Forschungseinrichtungen die Windenergieanlagen stetig weiter zu verbessern und dadurch auch die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Firmen am Standort und in Deutschland zu erhalten.
Das Fraunhofer Center für Windenergie und Meerestechnik CWMT ist eine gemeinsame Einrichtung des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM in Bremen und des Fraunhofer-Instituts für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF in Darmstadt. Die Forscher bündeln ihre Kompetenzen für die Windenergienutzung und die Meerestechnik, in enger Kooperation mit der Wind- und Offshore-Industrie. Im CWMT werden Materialien, Oberflächen, Verbindungen, Fertigungstechniken sowie die Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit von Anlagen und Komponenten untersucht. Insgesamt stehen in Bremerhaven, Bremen und Darmstadt 360 Mitarbeiter sowie eine Infrastruktur mit Prüffeldern, Laboren und Analytik auf mehr als 20.000 qm Fläche zur Verfügung. Das Angebot reicht von der Grundlagenforschung bis zur Markteinführung von Produkten.

Für die Stadt Bremerhaven begrüßt Oberbürgermeister Jörg Schulz nachdrücklich die Entscheidung der Fraunhofer Gesellschaft, die Einrichtung in Bremerhaven anzusiedeln. Er bedankt sich bei den Fördermittelgebern des Landes Bremen, des Bundes und der EU. "Das Fraunhofer-Engagement gerade in Bremerhaven ist ein deutliches Signal an die Branche, wo die meisten Kompetenzen in der Offshore-Windenergie versammelt sind!", stellt der Oberbürgermeister fest, der am Freitag am Beginn der Gründungsarbeiten teilnimmt.

Für diesen Artikel wurden folgende Schlagworte vergeben