Aktuelle Tageszeitungen im Regal

Aktion gegen das Vergessen: Neue Stolpersteine erinnern an NS-Opfer

Die Opfer des Nationalsozialismus nicht der Anonymität preisgeben, sondern ihnen ihre Namen zurückverleihen - das ist das Ziel, das Gunter Demnig mit seinen "Stolpersteinen" verfolgt. Zum vierten Mal hat der Künstler für Bremerhaven mehrere Exemplare dieser besonderen Form von Denkmal geschaffen.

Am kommenden Montag, 27. September, wird die Aktion zur Verlegung der neuen Gedenksteine von Stadtrat Dr. Rainer Paulenz um 10 Uhr in der Yorckstraße 1 eröffnet. Am Abend hält Gunter Demnig um 19 Uhr in der Kunsthalle einen Vortrag über Konzeption und Verlauf des Projektes.

Seit 1992 erinnert der Kölner Künstler mit seinen „Stolpersteinen" in mehr als 300 deutschen Städten an die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Inzwischen hat das Projekt auch in Österreich, Ungarn, Italien und den Niederlanden Fuß gefasst und hält die Erinnerung an die Vertreibung und Vernichtung der Juden, der Zigeuner, der politisch Verfolgten, der Homosexuellen, der Zeugen Jehovas und der Euthanasieopfer im Nationalsozialismus lebendig. Gunter Demnig hat mittlerweile annähernd 20 000 dieser Gedenksteine in Deutschland verlegt.

Die schlichten, zehn mal zehn Zentimeter großen Betonquader mit Messingtafeln, in die mit Hammer und Schlagbuchstaben Name, Geburtsjahr, Todesjahr und Ort der Ermordung eingestanzt sind, werden in Bürgersteigen vor den Häusern verlegt, in denen Opfer des NS-Regimes einst lebten. Der Betonstein wird versenkt, nur die Tafel bleibt sichtbar. Stolpern kann man allein im übertragenen Sinn.

In der Seestadt werden in diesem Jahr an elf Orten „Stolpersteine" verlegt. Für jeden Stein gibt es einen Paten, der die Kosten trägt. Folgende Orte sind für die Verlegung der Steine vorgesehen:

in der Yorckstraße 1 für die Geschwister Lilly und Clara Blumenthal (Pate: Rainer Prieß);

An der Mühle/Ecke Georgstraße für Dr. Bernhard Goldmann und Karoline Goldmann (Paten: Lili Maffiotte und Thorsten Brockmann-Ugler);

in der Hafenstraße 36 für Ingeborg, Margot und Walter Goldberger (Paten: Eveline Koschel, Anke Kornmüller, Sönke Allers);

in der Rickmersstraße 13 für Hermann Sammtlebe (Patin: Stefanie Hallegger-Mahn);

in der „Alten Bürger" 174 und 202 für Irma und Isidor Kahn und für Moses Kirchheimer (Pate: Jens Rillke);

in der Hökerstraße 7 für Rosa und Regina Weinthrop (Pate: Peter Raap);

in der Langen Straße 32 für die Familie Liebenthal, für Regina und Alfred mit den Söhnen Hans und Kurt (Paten: Brigitte Lückert, Manfred Kandsorra, Uwe Traue, Dr. Beate Porombka);

in der Langen Straße 75 für Moritz und Karl Liebenthal (Paten: Ingrid Müller, Michael Figger);

in der Poststraße 6 für Dorothea Heumann (Patin: Christina Hegner);

in der Stresemannstraße 206 für Amalie Rosenberg (Patin: Marlis Hinze).

Das Projekt „Stolpersteine in Bremerhaven" wird vom Kulturamt in Kooperation mit dem Kunstverein, dem Synagogenförderverein, der Landeszentrale für politische Bildung, der Jüdischen Gemeinde Bremerhaven sowie mit dem Lehrer Manfred Kandsorra organisiert.

Informationsblatt

 

Für diesen Artikel wurden folgende Schlagworte vergeben