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30 Jahre AIDS-Beratung am Gesundheitsamt Bremerhaven - Anonymität oberstes Gebot

Am 1. März 1986 öffnete die AIDS-Beratungsstelle erstmals ihre Türen im Gesundheitsamt. Dies geschah damals im Rahmen eines Bundesprojektes angesichts der tödlichen Bedrohung durch die neue Infektion HIV und AIDS. Bis heute ist die Beratung zu HIV ein Alleinstellungsmerkmal des Gesundheitsamtes, denn andere Institutionen wie beispielsweise Aidshilfen gibt es in Bremerhaven nicht.

So haben Holger Seba, Sozialpädagoge und Mann der ersten Stunde, und seine Kolleginnen seit 1986 mehrere Tausend Bremerhavener rund um das Thema HIV kompetent beraten. „Oftmals dauert es Wochen bis Monate, bis die Ratsuchenden sich zu dieser Beratung durchringen können“, sagt Dr. Corinna Becker, Leiterin der Beratungsstelle. „Die Wahrung der Anonymität ist dabei für sie ein wichtiger Aspekt, weshalb sie sich scheuen mit ihrem Hausarzt darüber zu sprechen.“ In der Beratungsstelle können Ängste und Befürchtungen frei besprochen werden, denn der moralische Zeigefinger wird nicht erhoben. So können die Ratsuchenden manchmal zum ersten Mal über ihre Sexpraktiken oder ihre sexuelle Orientierung sprechen.

„Sollte sich bei einem HIV-Test bestätigen, dass derjenige infiziert ist, lassen wir den Betroffenen nicht allein, sondern begleiten ihn“, erklärt die Ärztin. Viele Fragen stellen sich, wenn der erste Schock überwunden ist. Wo und wie kann ich behandelt werden? Wem erzähle ich von meiner HIV-Infektion? Fragen, für die in gemeinsamen Gesprächen mit dem Sozialarbeiter und der Ärztin Antworten gefunden werden.

Doch dies ist nur ein Teil der Arbeit in der Beratungsstelle. Viele Präventionsveranstaltungen und Projekte wurden seit 1986 durchgeführt. Neben der reinen Wissensvermittlung ist es den Mitarbeiterinnen wichtig, für das Thema HIV zu sensibilisieren und mit den jungen Menschen ins Gespräch zu kommen. Hier geht es auch um Unterstützung bei der Entwicklung der eigenen sexuellen Identität und eines Verantwortungsbewusstseins für sich und den Partner/ die Partnerin. Denn auch in Zeiten der zunehmenden Medialisierung besteht nach wie vor ein großes Bedürfnis nach persönlicher Beratung, was seit 2007 auch im moderierten Forum der AIDS-Beratungsstelle möglich ist (gesundheitsforum.bremerhaven.de)

Betrachtet man die Einträge im Forum, hat HIV nichts an Aktualität verloren. Zwar hat HIV seinen Schrecken als tödliche Krankheit durch die besseren Behandlungsmöglichkeiten verloren, ist aber bis heute unheilbar. Somit bleibt Prävention die einzig wirkungsvolle Waffe um eine Ansteckung mit dem HI-Virus zu verhindern. Hierzu gehört ebenso ein niedrigschwelliges Beratungs- und Testangebot, um frühzeitig Infektionen zu erkennen und eine Ausbreitung zu verhindern.

Seit dem 1. Februar 2016 ist Holger Seba im wohlverdienten Ruhestand. Bis zur Wiederbesetzung der Stelle werden deshalb in der AIDS-Beratungsstelle eingeschränkte Sprechstundenzeiten angeboten. Die Öffnungszeiten sind dienstags und donnerstags von
9 Uhr bis 12 Uhr.

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