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Mit Maske, Degen und den Gipsy Kings: Zorro-Musical begeistert Bremerhaven

Geschichte vom maskierten Rächer sorgt mit fetzigem Flamenco-Sound für Spannung auf den Sitzen.

Die Geschichte an sich ist schnell erzählt: Zwei Brüder – einer gut, der andere böse – schöne Frauen, Dramatik, Witz, Charme, dazu Mantel, Degen, Happy End und Sonnenschein – e voila – fertig ist das Musical. Und dennoch bietet „Zorro“ fast 3 Stunden kurzweilige, mitunter sogar außergewöhnlich gute Unterhaltung. Musical-Fans sollten also Maske und Umhang anlegen und schleunigst Richtung Stadttheater reiten.

Die Geschichte vom maskierten Rächer „El Zorro“ (der Fuchs) wird im kommenden Jahr bereits 100 Jahre alt. Der Volksheld, der in Kalifornien der spanischen Kolonialherrschaft für Gerechtigkeit sorgte, wurde schon unzählige Male verfilmt. Die Riege der Schauspieler, die schon in die Rolle des Protagonisten geschlüpft sind, ist ebenso lang wie beeindruckend. Sie spannt einen Bogen von Tyrone Power über Alan Delon und Anthony Hopkins bis hin zu Antonio Banderas. Zorro war bereits alles: Roman, Film, Comic, Hörspiel, Computerspiel und Actionfigur. Seit fast 2 Jahrzehnten nun auch Musical. Nach London, Paris und Moskau nun endlich auch in Bremerhaven zu sehen. Stilecht mit „Caramba“, „Karacho“ und „Flamenco-Sound“.

Die Bremerhavener Umsetzung des Musicals ist äußerst gut gelungen. Das liegt zum einen an den wundervollen Darstellern, die nicht nur gewandt und gekonnt in ihren Rollen agieren, sondern darüber hinaus auch mit großartigen Stimmen gesegnet sind. Zum anderen fesselt das nicht überladen wirkende Bühnenbild. Es steigt nach hinten leicht an, was der Bühne eine besondere Tiefe verleiht. Trotz seiner Schlichtheit hält es die eine oder andere echte Überraschung bereit. So kommt beispielsweise die großartige Technik des Bremerhavener Stadttheaters zum Tragen, wenn ganz plötzlich eine zweite Etage in der Szenerie auftaucht. Die zugegebener Maßen nicht mit großen Überraschungen aufwartende Geschichte (Held, Antiheld, Kampf, Belohnung, Happy End) wird mit reichlich Fechtszenen und der fetzigen Musik der Gipsy Kings aufgewertet. Liebevolle Gimmicks, wie aus dem Bühnenhimmel auftauchende Barschilder und die für Wüstenlandschaften so charakteristischen „Tumbleweeds“ (Steppenläufer), die an Bändern über die Bühne „fegen“, tun den Rest und sorgen beim Publikum für spontanes Gelächter. Alles in allem ist Zorro ganz sicher einen Besuch wert – ob nun mit oder ohne Maske. Marco Butzkus