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Filmvortrag über den Generalumbau der „Queen Elisabeth 2“ auf der Lloyd Werft in Bremerhaven

Ex-Werft-Chef Eckart Knoth berichtet über den größten Schiffsumbauauftrag der Schifffahrtsgeschichte.

Mit dem Generalumbau des Ozeanliners „Queen Elisabeth 2“ schrieb die Lloyd Werft 1987 Schiffbaugeschichte. In nur 179 Tagen hatten die Bremerhavener Schiffbauer das in die Jahre gekommene maritime National-Symbol der Briten komplett modernisiert – inklusive neuer Maschinen. Das 330 Millionen D-Mark teure Unterfangen, das man außer den Schiffbauern in der Seestadt niemandem in der Welt fristgerecht zutraute, ist wohl bis heute eine der großen Umbau-Order der Schifffahrtsgeschichte. Am Dienstag, 7. November hält der damalige Chef der Lloyd Werft Eckart Knoth im Deutschen Schiffahrtsmuseum einen Filmvortrag zu dem maßstabgebenden Rekordumbau der „QE2“.

Der Komplettumbau einer der legendärsten Ozeanliner der Welt galt Mitte der 1980er Jahre als echtes Husarenstück der Schiffbaugeschichte. Zwei Jahre lang hatte die Geschäftsführung der Lloyd Werft mit der Cunard-Reederei verhandelt. Dabei stand immer der fest definierte Zeitrahmen des Projektes im Mittelpunkt. 179 Tage für einen Umbau, der fast einem Neubau gleichkam – jeder Tag Verzögerung würde mit 1,5 Millionen D-Mark Vertragsstrafe belegt. Das traute man in England seiner Zeit nur den Schiffbauern in Bremerhaven zu. Schließlich hatten diese 1979/80 bereits unter Beweis gestellt, wozu sie in der Lage waren, als sie den Umbau des größten Kreuzfahrtschiffes der Welt - der SS „France“ zur SS „Norway“ – sogar sechs Wochen unter der Zeit vollbrachten.

Die Lloyd Werft bekam den Zuschlag und ganz Bremerhaven fieberte mit. Die Werftarbeiter schafften 56 Stunden in der Woche und wurden in der ganzen Stadt wie Helden gefeiert. Die wohl größte Herausforderung in dem gigantischen Umbauauftrag war der komplette Tausch der Antriebsmaschinen. Die alten Dampfturbinen mussten raus und moderne Dieselmaschinen rein. Dafür wurde der Schornstein abgenommen und das Schiff über alle Decks komplett nach oben hin geöffnet. Ein riesiger Schwimmkran hob die alte Maschine aus dem Schiff hinaus und die Neuen anschließend in Millimeterarbeit wieder hinein.

Ein Wechsel, der es in sich hatte. Mit den neuen Dieselaggregaten brachte es die „QE2“ anschließend auf 130.000 PS und satte 33 Knoten (mehr als 61 km/h) Höchstgeschwindigkeit. Damit war sie umgehend das schnellste aktive Handelsschiff der Welt. Nur die bereits 1969 außer Dienst gestellte SS „United States“ war zu ihrer aktiven Zeit schneller. Doch der Umbau der „QE2“ war an Dramatik kaum zu übertreffen. Versteckte Risse an den Decksaufbauten, heiß gelaufene Generatorenlager und brüchige Grim’sche Leiträder. Dennoch gelang den Lloydwerkern eine punktgenaue Landung. Als das Schiff schließlich in Southampton (UK) abgeliefert wurde, hatte die Lloyd Werft ein weiteres Mal Schiffbaugeschichte geschrieben.

Der Filmvortrag, den das DSM in Kooperation mit dem Stadtarchiv, dem Heimatbund der Männer vom Morgenstern, dem VDI Unterweser und dem Nautischen Verein zu Bremerhaven ausrichtet, verspricht einiges an Spannung. Eckart Knoth wird die Filmaufnahmen über den Umbau und die Probefahrt fachkundig kommentieren.

Filmvortrag über den Generalumbau der „Queen Elisabeth 2“ auf der Lloyd Werft

Dienstag, 7. November, 18 Uhr
Vortragssaal des Deutschen Schiffahrtsmuseum

Übrigens:

Seit 2008 liegt die „QE2“ in Port Rashid in Dubai. Es gibt immer mal wieder Meldungen darüber, dass das Schiff zu einem Museum oder einem schwimmenden Hotel, oder einer Kombination aus beidem, umgebaut werden soll. Bisher wurde allerdings noch keiner dieser Pläne konkret in Angriff genommen.    Marco Butzkus

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