DFB-Pokal in der Seestadt: Interview mit Projektleiter Detlef Hajman

Wenn am 12. August im Nordsee-Stadion der LTS Bremerhaven und der 1. FC Köln aufeinandertreffen geht für den Leher Traditionsverein ein Traum in Erfüllung.

Fünftligist gegen UEFA Europa-League-Teilnehmer – für die Fußballfans in der Stadt ist es bereits jetzt das Sportereignis des Jahres. Der große 1. FC Köln trifft in der ersten Runde des DFB-Pokals auf die Mannschaft der Leher Turnerschaft (LTS) - im Bremerhavener Nordsee-Stadion. Was sich für den einen nach einem Bremerhavener Sommermärchen anhört, klingt für den Anderen nach endlosen Sonderschichten im Namen der Ehre. Einer – wenn nicht sogar „Der“ Andere - ist LTS-Vizepräsident Detlef Hajman. Er ist Leiter der Projektgruppe „Pokal“ und derzeit sozusagen im Dauereinsatz.

Frage: Detlef, wieviel Zeit kostet Dich der der Pokal im Moment täglich?

Detlef Hajman: Jeden Tag ungefähr 4 Stunden, seit Anfang Juni.

 

Frage: Wie viele Menschen sind bei dem Projekt ehrenamtlich eingebunden?

Detlef Hajman: Zurzeit sind das 18 Personen aus dem Verein, die im Organisationsteam aktiv mitarbeiten.

 

Frage: Was war Dein erster Gedanke, als Du gehört hast, dass Euer Team im DFB-Pokal ist?

Detlef Hajman: Das kann ich gar nicht genau sagen. Wir haben uns einfach nur unglaublich gefreut und es ist die eine oder andere Träne geflossen. Das war immer ein persönlicher Traum von mir - schon seit ich Teammanager der 1. Herren war. Als das dann geklappt hat, war einfach nur Riesenfreude da. Es ist zwar theoretisch nirgendwo so einfach wie im Lande Bremen in den DFB-Pokal zu kommen – über den Gewinn des Lotto-Pokals. Allerdings muss man dafür am Bremer-SV vorbei und die waren bisher eigentlich immer unschlagbar. Wir hatten eine ganz winzige Chance und die haben Trainer und Mannschaft genutzt. Wir alle sind unglaublich stolz auf das Team.

 

Frage: Was bedeutet die DFB-Pokalteilnahme für den LTS und was für den Fußball in Bremerhaven generell?

Detlef Hajman: Für uns ist es das ganz klar DAS Spiel der Vereinsgeschichte, da beißt die Maus keinen Faden ab. Der größte Erfolg, den der Verein je hatte. Für mich persönlich geht da ein Traum in Erfüllung. Wir alle im Team sind wirklich unheimlich froh dabei sein zu können. Auch für die Stadt ist das eine tolle Sache. Der DFB-Pokal hat eine riesen Außenwirkung. Alleine schon das 11-Meter schießen gegen den Bremer-SV wurde von 1 Million Menschen in der TV-Konferenz live mitverfolgt und jetzt spielen wir am Samstagnachmittag zeitgleich mit dem FC-Bayern und Borussia Dortmund in einer TV-Konferenz - unvorstellbar. Das Nordsee-Stadion wird auf einen moderneren Stand gebracht und bekommt seit 1980 erstmals ein neues Sicherheitskonzept. Dort freut man sich natürlich auch sehr. Letztlich hoffe auch ein wenig darauf, dass unsere Mannschaft in diesem Jahr als Mannschaft des Jahres nominiert wird und vielleicht sogar gewinnt. Verdient hätte sie das. Der Medien-Hype , der jetzt um die Stadt und den Verein eingesetzt hat, ist auf jeden Fall riesig und damit gewinnen alle, das ist toll.

 

Frage: Was hast Du als Erstes gedacht, als das Los auf den 1. FC Köln fiel?

Detlef Hajman: Natürlich haben wir alle sofort auf einen Erstligisten gehofft - natürlich auf den FC-Bayern, so wie die meisten anderen Vereine auch. Köln hatte ich selber eigentlich überhaupt nicht auf den Zettel. Als das Los dann auf die Kölner gefallen ist, waren wir erst total baff und dann sehr glücklich. Köln ist schließlich eine der fünf besten Mannschaften in der Bundesliga und äußerst beliebt und attraktiv. Das haben wir auch sofort am Kartenverkauf gemerkt. Die 1600 Auswärtskarten waren innerhalb von drei Minuten komplett ausverkauft! Die insgesamt 8000 Karten waren an einem Wochenende vergriffen. Es gab sogar Kartenanfragen aus Großbritannien. Wir glauben, dass es ein spannendes Spiel wird, und freuen uns schon sehr darauf.

 

Frage: Was war oder ist Deine größte Sorge?

Detlef Hajman: Die ist weg. Es war die Sorge, dass wir keine Genehmigung für die Durchführung im Nordsee-Stadion bekommen. Es war klar, dass wir nicht bei uns auf der Anlage spielen konnten. Wir hatten keinen Plan B. Jetzt hoffen wir nur noch das alles friedlich bleibt und die Fans und Gäste ein schönes Fußballspiel sehen werden.

 

Frage: Was hast Du gedacht, als Du die Anforderungsliste des DFB zum ersten Mal gesehen hast?

Detlef Hajman: Ich habe gedacht, dass mir das Ganze über den Kopf wächst (lacht). Da lagen plötzlich 80 Seiten Durchführungsbestimmung auf meinem Tisch. Dazu kamen noch mal 70 Seiten Sicherheitskonzept und eine Tageslektüre zu Anti-Doping-Vorgaben. Hinzu kamen Auflagen zur Pressearbeit und natürlich die Anforderung des DFB, für die TV-Produktion. Das alles ist unglaublich und für einen kleinen Verein eigentlich gar nicht zu stemmen. Schließlich müssen wir das alles auch bezahlen.

 

Frage: Was ist die skurrilste Anforderung vom DFB?

Detlef Hajman: Wir brauchten für die TV-Übertragung einen speziellen Stromerzeuger. Das musste ein unabhängiges, unterbrechungsfreies Twin-Stromaggregat sein, das nicht mal die Bundeswehr oder der THW in der geforderten Größenordnung vorhält. Wir haben so ein Gerät aus Hamburg bekommen. Das ist allerdings ziemlich kostenintensiv. Das sind weitere Kosten, die Du vorher nicht auf dem Zettel hast. Man darf ja nicht vergessen, dass der LTS die Einnahmen aus dem Kartenverkauf auch noch mit dem FC Köln teilen muss. Das ist schon krass. Ich meine die hatten in 2016 mehr als 100 Millionen Euro Umsatz und über 10 Millionen Gewinn.

 

Frage: Ab wann fängt für Dich als Fußballfan der Spaß an?

Detlef Hajman: Wenn ich merke, dass alle mitziehen und das alles seinen richtigen Weg geht. Ich freue mich eigentlich die ganze Zeit darüber, dass ich mit dabei sein kann. Ich freue mich über die große Anerkennung für das Team, den Verein und natürlich für die Mannschaft und den Trainer. Je größer das Licht am Ende des Tunnels wird, umso mehr Spaß hat man natürlich auch.

 

Übrigens:
Für das Heimspiel des LTS gegen den 1. FC Köln wurden 8000 Karten ausgegeben. Eigentlich wäre dort zwar Platz für 10000 Zuschauer gewesen, um die Fan-Bereiche vernünftig und sicher voneinander zu trennen, hat man jedoch auf 2000 Karten verzichtet. Der FC Köln wird wahrscheinlich schon einen Tag vorher in der Stadt ankommen und wohl auch noch mal im Nordsee-Stadion trainieren.   Marco Butzkus

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