Einkaufspassage »Mediterraneo«, im Hintergrund das Sail City Hotel und das Klimahaus

I Auftaktveranstaltung

Integriertes Klimaschutzkonzept für die Unterweserregion:
Auftakt mit Erkenntnissen und Appellen im Klimahaus am 01. November 2012
 

„Wenn es so weiter geht, dann werden wir 2030 zwei Planeten brauchen, um unseren Bedarf an Ressourcen zu decken“, sagte die Bremerhavener Umweltstadträtin Anke Krein zu Beginn der Veranstaltung im Klimahaus. Um dieser Entwicklung entgegenzuwirken, müsse jeder Einzelne lokal Handeln und dabei global denken. Eingeladen hatte das Regionalforum Bremerhaven, an dem insgesamt 23 Kommunen und zwei Landkreise der Region Unterweser beteiligt sind. Sie wollen über Ländergrenzen hinweg handeln und ein gemeinsames integriertes Klimaschutzkonzept (IKS) ausarbeiten.

Oberbürgermeister Melf Grantz führte bei seiner Begrüßung ein schlagkräftiges Argument an: „Klimaschutz ist nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch sinnvoll“. Es sei aus seiner Sicht höchst bedauerlich, dass dies noch nicht bei allen im notwendigen Maße angekommen sei, die weltweit dafür Verantwortung trügen. Hier in der Region sei es ein gutes Vorbild, dass 23 Kommunen und zwei Landkreise ein Zeichen dafür setzten, wie wichtig aus ihrer Sicht der Schutz des Klimas sei.

Sein Kollege aus dem Landkreis, Landrat Kai-Uwe Bielefeld, sprach von einem guten Tag an einem beziehungsreichen Ort: „Wenn nicht hier im Klimahaus - wo dann können wir uns der Ernsthaftigkeit des Themas bewusst werden?“

Klimawandel macht vor Landesgrenzen keinen Halt. Das ist die erste unwidersprochene Wahrheit des Tages. Und der Klimawandel kommt nicht erst – er ist schon da. „Wenn Sie sich die Bilder von Sturmfluten am Weserdeich in Erinnerung rufen, malen Sie sich bitte aus, wie das aussehen wird, wenn der Meeresspiegel erst um zwei Meter angestiegen ist“, sagte der Koordinator des Projektes „Klimastadt Bremerhaven“, Prof. Dr. Meinhard Schulz-Baldes. Ein Bild des

überfluteten Bremerhavener Weserstrandbades untermalt seine Worte eindrucksvoll. Neben den Aktivitäten der Klimastadt Bremerhaven und den regionalen Vergleichszahlen zum Einsatz der Erneuerbaren Energien wies er in seinem Vortrag auch auf praktische Projekte (BremerhavenBus – Solardach; STAEWOG – Schöner Wohnen in der Schillerstraße sowie Seestadt Immobilien – zertifiziertes Passivhaus als Kinderkrippe) hin. Vortrag "Klimastadt" Prof. Dr. Schulz-Baldes(PDF 3,6 MB)ReadSpeaker

Frau Krein wies in Ihrem Vortrag auf die verschiedenen Verknüpfungen der unterschiedlichen Klimaschutzaktivitäten der Stadt Bremerhaven hin. Als besonderes Projekt stellte sie das Solarkataster der Stadt Bremerhaven heraus. Vortrag "Klimastadt Bremerhaven" Frau Krein(PDF 3,0 MB)ReadSpeaker

In einem historischen Rückblick erinnerte Baustadtrat Volker Holm an die Unterzeichnung der Resolution zum Masterplan Klimaschutz vom 11.08.2009, wo das Fundament für das Integrierte Klimaschutzkonzept gelegt wurde. Gleichzeitig erinnerte er an die gemeinsamen finanziellen Anstrengungen der kommunalen Ebene dieses Projekt auch ohne finanzielle Förderungen durchzuführen.

Eine Arbeitsgruppe der ARSU (Arbeitsgruppe für regionale Struktur- und Umweltforschung GmbH) und RaUm-Consult (Büro für Regionalanalyse und Umweltplanung GbR) soll zusammentragen, was alles zu einem aktiven Klimaschutz dazugehört. Neben dem Ausbau regenerativer Energieträger geht es dabei vor allem um den verantwortungsvollen Umgang mit der Ressource Energie - angefangen bei der Steigerung von Effizienz in der Industrie über die breite energetische Sanierung von Wohn- und Geschäftsgebäuden bis hin zur energiegerechten „Erziehung“ in der Bildungspolitik. Klimaschutz ist etwas, bei dem Eltern von ihren Kindern lernen können, so die Beteiligten. Nur wer den Zusammenhang von Ursache und Wirkung verstehe, begreife auch, wie das Verhalten jedes Einzelnen darauf einen Einfluss nehmen könne.

Hier soll mit dem IKS aus der Verzahnung von Wirtschaft, Kommune und Bürgern ein Leuchtturmprojekt mit Vorbildcharakter entstehen. Dafür ist ein aktiver Beteiligungsprozess von Verantwortlichen und Bürgern unerlässlich. Deswegen richteten die Mitarbeiter der Arbeitsgruppe, die sich aus zwei Oldenburger Büros zusammensetzt, den Appell an alle: Beteiligen und einbringen lohnt sich!

Derzeit wird eine Startbilanz (C02 -Bilanzierung) durch die Gutachter erstellt. Die Pflege der Daten wird von dort für ein Jahr sichergestellt. Aus diesen Daten und den weiteren Besonderheiten der Region (u.a. Stadt-Land-Gegensatz, Wachstum und Schrumpfung, Tourismus als bedeutender Wirtschaftszweig, demographischer Wandel) werden Maßnahmen abgeleitet.

Ziele des Gutachtens: nachhaltige Entwicklungsprozesse in der Region initiieren, Stärkung interkommunaler Kooperationen, Grundlagenschaffung für die Fortsetzung einer gemeinsamen Klimaschutzregion, Nutzung von Fördermöglichkeiten zur Umsetzung der Klimaschutzprojekte.

Der erklärte Fahrplan für das weitere Vorgehen beim Integrierten Klimaschutzkonzept sieht wie folgt aus: Aktuell werden Daten gesammelt. Dafür stehen drei Instrumente bereit:

1. Es wird Experteninterviews geben. Dabei werden ausgewählte und repräsentative Ansprechpartner in Wirtschaft, Forschung und Verwaltung Rede und Antwort stehen.

2. In einem moderierten Internetforum sollen Bürger lebhaft miteinander diskutieren und Ideen austauschen.

3. In den Landkreisen und Städten wird es regionale Arbeitskreissitzungen geben.

Diese Schritte sollen der Planung nach in drei Monaten abgeschlossen sein und werden dann als Grundlage in die weitere Konzepterstellung einfließen. Anschließend wird, basierend auf den Daten der Erhebung, das IKS entwickelt. Der zeitliche Umfang des Gesamtprojektes liegt bei ungefähr einem Jahr. Spätestens Ende 2013 soll das fertige Konzept der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Bis dahin gibt es aber noch sehr viel Arbeit. Der Startschuss ist nun gefallen und in einem sind sich alle Beteiligten einig: Klima geht alle etwas an, deswegen müssen bei diesem Thema auch Stadt und Land Hand in Hand arbeiten. Vortrag "Integriertes Klimaschutzkonzept"(PDF 1,3 MB)ReadSpeaker

In diesem moderierten Forum darf sich ab sofort jeder Interessierte registrieren um dann nach Herzenslust mitzudiskutieren.

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