Naturnaher Ausbau des Gewässers Neue Aue

Allgemeines

Die Neue Aue ist ein Gewässer II. Ordnung mit einer Länge von ca. 6.000 m. Sie beginnt im Stadtteil Lehe an der Batteriestrasse, verläuft in nordwestlicher Richtung und mündet über ein Schöpfwerk in den Grauwallkanal. Der Grauwallkanal mündet schließlich in die Weser.

Die Neue Aue dient als Vorfluter und wird durch Niederschlagswasser aus den Stadtteilen Lehe und Speckenbüttel, dem Industriegebiet Grauwall sowie den landwirtschaftlichen Nutzflächen in Weddewarden gespeist. Sie hat einen mittleren Wasserstand von –0,20 m NN im Oberlauf bzw. –0,50 m NN im Unterlauf. Die unterschiedlichen Wasserstände resultieren aus dem vorhandenen Wehr am Auesee und werden bei Bedarf durch das Schöpfwerk am Grauwallkanal gesteuert. Aufgrund der Höhenlage des vorgeschalteten Kanalnetzes besitzt die Neue Aue den Charakter eines stehenden Gewässers.

Die Gewässerqualität im Oberlauf der Neuen Aue ist als stark verschmutzt einzustufen. Im mittleren Abschnitt sowie im Unterlauf erfährt die Neue Aue eine leichte Verbesserung der Wasserqualität. Ursache für die starke Verschmutzung im Oberlauf sind Schmutzwassereinleitungen aus dem vorgeschalteten Kanalnetz sowie unzulässige diffuse Einleitungen aus den Kleingartengebieten. Da im Oberlauf keine nennenswerte Fließbewegung des Gewässers vorherrscht, können sich organische Bestandteile leicht absetzen. Die im Gewässer lebenden Mikroorganismen, dessen Aufgabe es ist, diese organischen Bestandteile zu konsumieren, sind überfordert. Die Folge hiervon ist eine hohe Sauerstoffzehrung, das heißt, der Sauerstoffgehalt im Gewässer fällt rapide ab. Es entsteht eine höhere Algenbiomasse, dadurch bildet sich Faulschlamm, die Sauerstoffzehrung wird vorangetrieben und es bilden sich Faulgase (Schwefel). Im Extremfall kippt das Gewässer um, das heißt, es ist biologisch stark gestört.

Mit dem naturnahen Ausbau der Neuen Aue sollen wesentliche Verbesserungen für Flora und Fauna, dem Landschaftsbild sowie der Gewässerqualität erreicht werden. Die Maßnahmen fügen sich gleichzeitig in die Entwicklungsziele des von der unteren Naturschutzbehörde aufgestellten Landschaftsplanes "Wurster Marsch" ein.

Beschreibung der Baumaßnahmen

Die erste Maßnahme bestand darin, einen Sandfang in natürlicher Bauweise herzustellen. Das Bauwerk befindet sich unterhalb des Einlaufbauwerkes an der Batteriestrasse. Mit dem Bau des Sandfanges soll erreicht werden, dass sich absetzbare Stoffe am Beginn des Gewässers absetzen können. Weiterhin wurde im Bereich des Sandfanges eine schwimmende Tauchwand zur Abscheidung von Leichtflüssigkeiten installiert.

Danach wurde auf einer Länge von ca. 250,00 m ein Mäander (Gewässerwindung) angelegt. Der Querschnitt des Seitenarmes wurde dem der "Neuen Aue" angepasst, wobei die Ufer mit Böschungsneigungen von 1:3 bis 1:5 abgeflacht wurden. Das Abflachen der Böschungen bietet den Vorteil, dass Lebewesen, die zur Selbstreinigungskraft des Wassers wichtig sind, das Gewässer leichter erreichen können.

Im Bereich des Hafengebietes befindet sich ein Entwässerungsgraben, über den Niederschlagswasser aus der Oberflächenentwässerung in die Neue Aue eingeleitet wird. Um bei Starkregenereignissen die Einleitungsschübe abzupuffern, wurde der Zulaufgraben entsprechend aufgeweitet und eine Absetzzone geschaffen. Zur Abscheidung von Leichtflüssigkeiten wurde eine schwimmende Tauchwand vorgesehen.

Im weiterem Verlauf des Gewässers wurden auf einer Gesamtlänge von 190,00 m Uferabflachungen kombiniert mit Flachwasserzonen angeordnet. Der Zulaufgraben an der Abbestraße wurde auf einer Länge von ca. 48,00 m und auf einer Breite von max. 10,00 m aufgeweitet, um die Einleitungsschübe bei Starkregenereignissen abzupuffern. Weiterhin wurde eine Absetzzone geschaffen und zur Abscheidung von Leichtflüssigkeiten eine schwimmende Tauchwand installiert.

Als sechste Maßnahme wurde eine Gewässerverlegung vorgenommen. Im Bereich von Weg 6 nahm die Neue Aue einen nahezu rechtwinkligen Verlauf. Diese starke Abknickung wurde durch die Gewässerverlegung abgemindert.

Aufgrund der Stauanlage am Auesee ist die Fischfauna in ihren Wanderbewegungen eingeschränkt. Um es den Fischen zu ermöglichen, in den Oberlauf zu gelangen, war der Bau einer Fischaufstiegsanlage erforderlich. Aufgrund der örtlichen Gegebenheiten wurde der Fischaufstieg in natürlicher Bauweise ausgebildet. Die Rinne hat eine Gesamtlänge von ca. 28,00 m und überwindet einen Geländeversprung (Sohle) von 0,40 m.

Die Kosten der Baumaßnahmen beliefen sich auf ca. 500.000,00 DM. Finanziert wurde das Bauvorhaben aus Mitteln des Landes Bremen.

Ausblick

Die wasserwirtschaftlichen Anforderungen werden durch die Renaturierungsmaßnahmen am Gewässer Neue Aue nicht eingeschränkt.

Es sollen wesentliche Verbesserungen für die Flora und Fauna, das Landschaftsbild sowie für die Gewässerqualität erreicht werden.