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Auf dem Gelände der Karlsburg: Das ehemalige Auswandererhaus und die heutige Hochschule Bremerhaven

Die Hochschule Bremerhaven (gegründet am 1.September 1975) bietet vor allem stark praxisorientierte Lehrgänge an wie etwa Betriebs- und Versorgungstechnik, Lebensmitteltechnologie und Verfahrenstechnik, Fertigungstechnik, Transporttechnik/Logistik und Informatik. Ihr Zentralbereich befindet auf geschichtsträchtigem Grund.

Nachdem der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) im Ergebnis eine schwedische Präsenz in Norddeutschland herbeigeführt hatte, begann das nordische Königreich 1672 mit dem Bau einer Festung an der Geestemündung. Eine „Karlsstadt“ (benannt nach dem schwedischen König Karl XI.(1660-1697) zu Füßen der Festung war zwar geplant, wurde aber nie realisiert, die Festung Karlsburg wurde alsbald aufgegeben. Zwei Straßennamen: „An der Karlsstadt“ und „Karlsburg“ nahe der Alten Geestedrehbrücke erinnern heute noch an diese flüchtige Episode.
In unmittelbarer Nähe entstand im Auftrag des Bremerhavener Spediteurs Johann Georg Claussen (1808-1885) ab April 1849 binnen Jahresfrist das Auswandererhaus, einen Backsteinbau im zeitüblichen Rundbogenstil und markanten, neugotischen Treppengiebeln. Der renommierte Bremer Architekt Heinrich Müller (1819-1890) hatte den Entwurf hierzu geliefert. Berechtigte Klagen der Auswanderer, die in der ihnen fremden Stadt bis dahin Beutelschneidern, Betrügern und Kriminellen ausgeliefert waren, hatten zur Schaffung dieser Einrichtung geführt. Sie konnte in neun großen Schlafsälen, aber in Einzelzimmern bis zu 2000 Auswanderer, die mühsam zu Land oder mit dem Schiff flussabwärts gekommen waren, beherbergen. Bis zur Einschiffung konnte so eine Wartezeit überbrückt werden. Täglich waren bis zu 3500 Auswanderer zu beköstigen. Auch Matrosen und Hafenarbeiter wurden im Auswandererhaus verpflegt, denn auf den Schiffen war während der Hafenliegezeiten das Kochen aus Feuerschutzgründen verboten. Die Hygiene im Gebäude wurde behördlich kontrolliert.

Als 1862 mit der „Geestebahn“ die Eisenbahnverbindung zwischen Bremen und Bremerhaven eröffnet wurde, entfielen die längeren Wartezeiten, denn nun konnten die Auswanderer zeitnah zu den Schiffsabfahrten und damit auf rationellere Art und Weise nach Bremerhaven transportiert werden. Das Auswandererhaus verlor bereits 1865 seine Funktion und diente ab 1871 als Kaserne. 1890 erwarb ein Brauereibesitzer das Gebäude und baute es 1890 bis 1898 und 1913 gründlich um, worunter die ursprüngliche Bausubstanz erheblich litt. Als die in historischer Reminiszenz so bezeichnete Karlsburg-Brauerei stillgelegt worden war, erwarb 1979 der bremische Staat das gesamt Anwesen für den Erweiterungsbau der Hochschule Bremerhaven.

Der prominente Aachener Architekt Professor Gottfried Böhm (geb. 1920) erhielt, zusammen mit seinem Kölner Kollegen G.F. Adolphi, den Auftrag zum Entwurf des Erweiterungsbaues, wobei es ihm gelungen ist, ein Ensemble aus ansprechendem rotem Backstein und modernen, blau eingerahmten Glasfassaden in einer Kombination aus Altem und Neuem zu schaffen, und zwar mit dem Ziel, „eine offene, in ihren Einzelheiten innen und außen deutlich erlebbare Hochschule“, wie Böhm sich ausdrückte. Nach Abschluss der 1982 bis 1985 durchgeführten Bauarbeiten hat die Hochschule in diesem architektonisch gelungenen Ensemble ihr Domizil gefunden. 1998 wurde ein mit Privatmitteln finanzierter Erweiterungsbau bezogen. Die historische Bezeichnung des einstigen Auswanderhauses ist inzwischen auf die 2005 am Neuen Hafen eröffnete Kultureinrichtung übergegangen.

Stadtplanausschnitt

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