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SSW Fähr- und Spezialschiffbau GmbH

Aus Brake stammte der Kupferschmied Georg Dietrich Seebeck (1845-1928), der sich 1871 in Geestemünde niederließ. 1876 konnte er sich selbständig machen und eröffnete eine kleine Schmiedewerkstatt, die alsbald auch kleine eiserne Boote und Barkassen herstellte. 1886 erwarb Seebeck ein wasserseitiges Grundstück am Geestemünder Querkanal und konnte weiter expandieren. 1891 bis 1900 kaufte er in Geestemünde und Bremerhaven die Werften von Schau & Oltmanns, Lange, Ulrichs und Wencke auf und nutzte deren technische Anlagen teilweise weiter. 1895 wurde das Unternehmen infolge erhöhten Kapitalbedarfs in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Durch die Ankäufe der Werftbetriebe an der Geeste verfügte Seebeck über ein arg zersplittertes Areal, weshalb er 1906 bis 1910 eine moderne Anlage am Geestemünder Handelshafen anlegen ließ. Dorthin verlagerte sich nun der Schwerpunkt des Schiffbaugeschehens. Besonders fortschrittlich für die damalige Zeit war die Fertigung von Neubauten in Docks und nicht, wie damals noch fast durchgehend praktiziert, auf dem Helgen.
Zum Produktionsprogramm zählten zunächst vor allem kleinere Schiffstypen wie Barkassen und Schlepper. 1891 wurde der erste Fischdampfer abgeliefert. Dieser Schiffstyp, ebenfalls in Großserien gefertigt, avancierte alsbald zum zweiten geschäftlichen Standbein und damit zum Aushängeschild der Werft. Frachter, kleinere Fahrgastschiffe sowie Spezialschiffe traten schließlich hinzu und ergänzten das Produktionsprogramm der Werft, die bis 1914 über 1000 Beschäftigten Lohn und Brot gab.

Nachdem die Werft im Ersten Weltkrieg vor allem für die Kaiserliche Marine gefertigt hatte, setzte sie nach 1918 ihre Tätigkeit im angestammten Marktsegment fort, so dass Fischdampfer (in den dreißiger Jahren auch Walfangboote), Schlepper und Frachter das Produktionsprofil nach wie vor prägten. Unter den konjunkturellen Unsicherheiten der 1920er und 1930er Jahre litt auch diese Werft, die 1928 dem Schiffbaukonzern Deschimag zugeschlagen wurde.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, in dessen Rüstungsproduktion die Werft auch eingebunden wurde, blieb die Werft bis 1984 mit der "AG Weser" in Bremen verbunden. Der Betrieb erfuhr eine durchgreifende Modernisierung und baute auch größere Schiffe wie etwa Überseefrachter, Ro-Ro-Fähren, Forschungs- und Fahrgastschiffe. 1988 wurde das Unternehmen mit Schichau-Unterweser zur Schichau Seebeckwerft AG fusioniert . Hier spiegelte sich der unablässige, bis heute sich fortsetzende Fusions- und Konzentrationsprozess in der deutschen Werftindustrie wider, der durch die immer härtere Konkurrenz, vor allem aus Ostasien, erzwungen wird.

Die mit Seebeck fusionierte Schichau-Unterweser-Werft besaß ebenfalls weit zurück reichende historische Wurzeln. 1837 gründete der Ingenieur Ferdinand Schichau (1814-1896) im westpreußischen Elbing eine kleine Maschinenfabrik, die 1855 den Bau eiserner Schiffe aufnahm. Die Firma Schichau erlangte Weltruhm durch den Bau hochspezialisierter Schiffe, wie etwa die legendären Torpedoboote, aber auch Schwimmbagger, sowie eine große Typenpalette unterschiedlichster Kriegs- und Handelsschiffe wurden an Kunden im In- und Ausland geliefert. 1891 entstand in Danzig ein neuer Zweigbetrieb, der den Bau wesentlich größerer Schiffe (u.a. für den Norddeutschen Lloyd in Bremen) ermöglichte. Dass die polnische Nachfolgewerft 1980 durch die Gründung der unabhängigen Gewerkschaft Solidarnosc Weltgeschichte schrieb, sei dabei nur am Rande angemerkt.

Nach der Vertreibung 1945 siedelte sich die Schichauwerft im Neuen Hafen in Bremerhaven an und baute vor allem Schlepper. Bereits 1972 fusionierte das Unternehmen mit der Schiffbaugesellschaft Unterweser. Diese Werft ging auf eine Gründung 1903 zurück und ging und unterhielt einen Werftbetrieb an der Geeste. Entstanden war die Schichau-Unterweser AG (SUAG), die aber nur 16 Jahre später mit Seebeck zusammen gehen musste.

Das Schiffbaugeschehen verlagerte sich nunmehr auf das mittlerweile mehrfach modernisierte Seebeck-Gelände.
Seit dem 1. Mai 1998 heißt die Werft SSW Fähr- und Spezialschiffbau GmbH. Sie musste 2002 Insolvenz anmelden, konnte aber weiter betrieben werden. Die SSW Schichau Seebeck Shipyard GmbH ist seit 2003 die Nachfolgerin der SSW Fähr- und Spezialschiffbau GmbH. Wie ihre Vorgänger bietet SSW Shipyard das komplette schiffbauliche Spektrum vom Basic Design bis zur Endausrüstung.

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