Fotos liegen auf einer Karte

Bürgermeister-Smidt-Gedächtniskirche

Eigentlich war im ursprünglichen Stadtbebauungsplan keine Kirche vorgesehen, weshalb die ersten Bremerhavener Kirchgänger auf die St. Dionysuskirche (um 1200 entstanden) in Lehe angewiesen waren. Doch örtliche Initiative, unterstützt durch den bremischen Bürgermeister und Stadtgründer Bremerhavens, Johann Smidt (1773-1857), führte 1842 zu einem Beschluss, durch den bremischen Rat eine Kirche zu erbauen. 1846 wurde damit begonnen, doch der weiche Baugrund ließ das Vorhaben zunächst scheitern. 1853 begann der Architekt Simon Loschen (1818-1902) einen neuen Kirchenbau, der sich auf rund 400 in den Marschenboden eingerammten Pfählen gründete. Loschens Entwurf sah eine dreischiffige Hallenkirche mit Apsis und Westturm im zeitüblichen neugotischen Stil und der für die norddeutsche Kirchenarchitektur nicht seltenen Backsteinbauweise vor. Aber auch klassizistische Stilelemente sind in die Gestaltung mit aufgenommen worden. Der 86 Meter hohe Turm orientiert sich in der Gestaltung seines Turmhelms am berühmten Freiburger Münster. Neben dem renommierten hannoverschen Baumeister Carl Wilhelm Hase zählte Loschen zu den großen Protagonisten der Neugotik in Norddeutschland.

Aufgrund von Querelen wurde er, der trotz einiger beachtlicher Aufträge sich nicht gesellschaftlich etablieren konnte und schließlich verarmt starb, als Bauleiter abgelöst. Sein Nachfolger Louis Löschner (1825-1894) setzte aber die Originalpläne um und konnte schließlich den Bau 1870 endgültig fertig stellen. Die Kirche wird von Kunsthistorikern zu den beachtlichsten neugotischen Sakralbauwerken in Norddeutschland gezählt, wobei diesem Stil aus der Zeit des Historismus inzwischen, im Gegensatz zu früheren Zeiten, künstlerischer Eigenwert beigemessen wird.

Eine Besonderheit ist auch die Weihung der Kirche nach einer weltlichen Persönlichkeit. Derartige so genannte Denkmalkirchen sind zwar im 19. und 20. Jahrhundert in Deutschland gelegentlich errichtet worden (wie z.B. die berühmte Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin), sie sind aber eher selten.

Das im Bremerhavener Volksmund als „Große Kirche" bezeichnete und bereits 1855 eingeweihte Gotteshaus wurde auf Anregung von Bürgermeister Smidt als unierte Kirche geweiht, was bedeutet, dass alle evangelischen Glaubensrichtungen in die Gemeinde aufgenommen wurden. So befinden sich an der Westfront Sandsteinfiguren von Christus, Luther und Zwingli. Durch den Bombenkrieg brannte 1944 die Kirche völlig aus, auch das angrenzende Pfarrhaus wurde zerstört. 1960 war der Wiederaufbau, ermöglicht durch zahlreiche Spenden aus der Bremerhavener Bevölkerung, abgeschlossen. Dabei wurde der Innenraum völlig neu gestaltet.

Für diesen Artikel wurden folgende Schlagworte vergeben

Bleiben Sie auf dem Laufenden! Wir freuen uns, Sie monatlich über Neuigkeiten, Angebote und Veranstaltungen aus der Seestadt Bremerhaven zu informieren. Sie können sich durch Angabe Ihrer E-Mail Adresse als Abonnent des Newsletters registrieren.

Unsere Nutzungsbedingungen sowie die Datenschutzerklärung können Sie hier einsehen.

* Pflichtfeld

Für den Newsletter anmelden

Pflichtfeld, bitte geben Sie in diesem Eingabefeld Ihre E-Mail Addresse an
Neu laden
Ihre Eingabe stimmte nicht mit dem Captcha überein

Vom Newsletter abmelden

Pflichtfeld, bitte geben Sie in diesem Eingabefeld Ihre E-Mail Addresse an