Aussenansicht Alfred-Wegener-Institut

Ein Radio Festival im Deutschen Schifffahrtsmuseum, die Oberschule Geestemünde lud vom 20. bis 22. September zu Live-Hörspiel, Konzert, Ausstellung und Mitmachaktionen. In Kooperation mit dem Unerhört-Verein für Neue Musik und dem Deutschen Amateur Radio Club drehte sich das vielfältige Programm, bei dem alle ihren Spaß hatten, um die verblüffenden Möglichkeiten der elektronischen Klangerzeugung.

Abschlusskonzert der Medienwerkstatt

Der Aufbau für das Abschlusskonzert der Medienwerkstatt der Oberschule Geestemünde ist abgeschlossen, im Bangert-Bau des Deutschen Schifffahrtsmuseums steht ein filigranes Gebilde aus Latten, Drähten, Kabeln und Monitor-Boxen. Auf geht’s, leise Morsesignale eröffnen den musikalischen Dialog. Die in ihre Fassungen ein- und ausgedrehten Glühbirnen antworten mit einem Knistern, weitere Geräusche werden nach und nach zugeschaltet. Kiesel klackern in einer langsam rotierenden Plastikflasche, Stanniolpapier knistert, ein Klöppel schlägt auf eine Platte. Über den Soundteppich legt sich das Quäken und Britzeln der Crackle-Boxen, bevor die Klänge wieder verebben und nur das einsame Geräusch der Morsetaste übrigbleibt: Applaus!

„Alles Improvisation“, strahlt Jens Carstensen, der das ungewöhnliche Instrumentarium mit seinen Schülerinnen und Schülern entwickelt hat. „Im Zeitalter von Digitalität und Datenströmen über Netzwerke ist das Projekt Radio eine Zeitreise in die Geburtsphase des elektronischen Musikzeitalters“, so der Lehrer. „Wie die Pioniere der damaligen Zeit, haben wir mit Sprache und Geräuschen experimentiert und an der Schnittstelle zwischen gesprochener und geschriebener Sprache gearbeitet.“ Die Hörspielproduktion als unterhaltsamer Mix aus Informationen, Desformationen und unglaublichen Geschichten rund um die Erfindung des Radios war dabei nur eines der Ergebnisse, es wurde nicht nur recherchiert, sondern Radio-Technologie mit Sendern und Empfängern selbst gebaut und live eingesetzt.

Unterstützung durch Profis

Unterstützt wurden die Schülerinnen und Schüler durch Profis, die Workshops leiteten und sich im Rahmen des Radio Festivals auch selbst mit Performances vorstellten. Der Berliner Komponist Jan-Peter E.R. Sonntag eröffnet im Museum mit seiner Komposition Rundfunk Aetena, einer Auftragsarbeit für die Documenta 14, ein begehbares Klangfeld. Der Kölner Künstler Ralf Schreiber bewegte sich zwischen Klang und Farben, der Berliner Michael Vorfeld präsentierte ein audio-visuelles Erlebnis, bei dem die Klänge durch die Verwendung verschiedener Glühlampen und elektrischer Schaltelemente entstanden.

Beim Radio Festival der Oberschule Geestemünde trafen die zeitgeschichtliche Einordnung und das technische Verständnis auf eine praxisorientierte Annäherung an elektronische Musik und Hörspielproduktion, sorgte der Umgang mit historischen Quellen und Medien für viel Spaß und ebenso viele neue Erkenntnisse.