Aussenansicht Alfred-Wegener-Institut

Pause im Studio von Radio Weser.TV. Ein Mädchen improvisiert gekonnt am E-Piano, andere Schülerinnen und Schüler albern herum und schneiden Grimassen für die Kamera. „I can see you!“, unterhalten wird sich ganz zwanglos auf Deutsch und Englisch. Entspannte Atmosphäre, dann wieder Konzentration: Eine Delegation aus Israel arbeitet zusammen mit der Oberschule Geestemünde an einer szenischen Lesung mit Briefen von Jeanette Schocken.

Jugendaustausch und Briefe von Jeanette Schocken

Es ist mittlerweile der dreizehnte Jugendaustausch mit Israel, und diesmal begann er auf Einladung des Bremerhavener Abgeordneten Uwe Schmidt mit einem Besuch des Deutschen Bundestages und einer Stadtrundfahrt durch Berlin. In Bremerhaven begrüßte dann Schuldezernent Michel Frost die Gäste vom Conservatorium Rosh HaAyin, das 20 Kilometer östlich von Tel Aviv gelegen ist. Auf dem eng getakteten Programm stehen neben zwei Partys und einem Stopp in Bremen auch Besuche im Stadttheater und Klimahaus, aber eigentlich sind die 14- und 15jährigen Schülerinnen und Schüler vor allem zum Arbeiten in die Seestadt gereist. Das Ziel des neuntägigen Aufenthalts ist eine szenische Lesung mit Briefen von Jeanette Schocken, die 1941 von Bremerhaven nach Minsk deportiert wurde und dort im Konzentrationslager starb.

„Dass wir bei einem unserer letzten Aufenthalte in Israel eine Kopie dieses Briefverkehrs aus dem Nachlass der Familie in Jerusalem bekommen haben, ist für uns ein unglaubliches Glück und eine große Ehre“, unterstreicht Jens Carstensen, Lehrer der Oberschule Geestemünde, der den Austausch seit 2012 organisiert. Auch diesmal laufen alle Fäden bei ihm zusammen, kooperiert wird mit der Oberschule am SZ Carl von Ossietzky, Radio Weser.TV sowie der Kulturkirche und Chorleiterin Vivian Glade, die den Bezug zum Ortsteil Lehe herstellen. Fest eingebunden ist außerdem die junge Bremer Schauspielerin Lena Kluger, die mit Unterstützung von Filmemacher und Schauspieler Martin Kemner aus den 170 Briefseiten eine lesbare und verständliche Fassung macht.

Alles muss ineinandergreifen

Bei der Entwicklung der szenischen Lesung greift vieles ineinander: Während im Studio von Radio Weser.TV an professionellen Fernsehkameras gearbeitet wird, ist eine andere Gruppe mit dem Schnitt und anderen Grundlagen der Produktion beschäftigt. Vivian Glade leitet den Musik-Workshop, Martin Kemner sitzt mit deutschen und israelischen Schülerinnen und Schülern an der Inszenierung der Briefe, ein weiteres Team denkt über die Übersetzung der Dokumente ins Hebräische nach. Bis die Lesung am Freitag erstmals aufgezeichnet wird, muss alles sitzen – und dazu gibt es auch noch gemeinsame Auftritte auf dem Ortsteilfest Grünhöfe und in der Kulturkirche. Also wieder ran, die Pause ist vorbei. Aber für die Jugendlichen mit islamischem, jüdischem oder christlichem Hintergrund ist die enge Zusammenarbeit ja zum Glück kein Problem: Auf geht’s!