Aussenansicht Alfred-Wegener-Institut

Der letzte Vorhang fiel im Theater im Fischereihafen erst nach der Zusatzvorstellung, das Theaterprojekt Geschwister Scholl feierte mit „Club 27“ einen großartigen Erfolg. Ellen Lindek (Text) und Guido Solarek (Musik) erzählen in ihrem Stück von jung gestorbenen Rock- und Popidolen, die insgesamt 19 Akteure setzten die Mischung aus Schauspiel und Songs mitreißend und anrührend um.

Lampenfieber war gestern – Der „Club 27“ räumt ab

„Dafür wäre ich sogar in den Ferien hergekommen“, sagt Trompeterin Philine Müller-Hansen. Theater im Fischereihafen, noch eine Stunde bis zur fünften und letzten Aufführung: Lampenfieber war gestern. „Und immer wieder diese tolle Atmosphäre“, strahlt die 15-jährige Schülerin, die zu den insgesamt 19 Akteuren gehört. Das Theaterprojekt Geschwister Scholl spielt noch einmal „Club 27“.

Erzählt wird in dem selbstgeschriebenen Stück mit viel Musik von Künstlern, die mit 27 Jahren und unter zumeist dubiosen Umständen starben. Eine Talkshow mit den Rock- und Popstars Jimi Hendrix, Janis Joplin, Jim Morrison, Kurt Cobain und Amy Winehouse, die deutsche Sängerin Alexandra und der österreichische Dichter Georg Trakl stoßen dazu. „Voll krass, oder?“, staunt nicht nur die Moderatorin. Die mitreißende Inszenierung war von der gefeierten Premiere an eine Erfolgsgeschichte, die nun mit einer zusätzlichen Vorstellung endet.

„Auch heute gibt‘s nach jedem Song Szenenapplaus“, ist sich Gitarrist Leeve Büntjen hinter der Bühne des Theaters sicher. Sein Abitur liegt zwar schon ein halbes Jahr zurück, aber bei diesem Projekt wollte der Geographiestudent unbedingt noch mitmachen. „Wenn Ellen und Guido so etwas anpacken, kann es ja nur gut werden“, meint der Musiker, der zusammen mit sechs Kollegen und drei Sängerinnen für den abwechslungsreichen Soundtrack zuständig ist. Hits von „Purple Haze“ bis „Mercedes Benz“, Rock, Grunge und Schlager, mit „Jumpin‘ Jack Flash“ als Opener ist sofort die halbe Miete eingespielt.

Mischung aus Schauspiel und Musik

Dazu kommen die Texte, spürt Ellen Lindek gebrochenen Künstlerbiografien nach. Ihre neun Darstellerinnen und Darsteller spielen dabei über sich hinaus, passen jeweils perfekt zur Rolle und leisten Großartiges. Die Übergänge sitzen passgenau, stimmige Choreografien wechseln mit Freeze-Momenten. „Ich bin die Bewegung im Stück“, lacht Tobias Bruns, der zum fünften Mal beim Theaterprojekt dabei ist und einen extrem quirligen Barkeeper auf die Bühne bringt. Im strengen Sinn ist er kein Scholl-Schüler mehr, aber wie die Moderatorin hoch motiviert: „Ich habe mich echt über das interessante Thema gefreut“, bestätigt die 17-jährige Lovisa Weist.

„Mal was ganz anderes“, stimmt Karim Amarouche seiner Mitschülerin zu, während die Band unter Leitung von Guido Solarek zum Soundcheck durchstartet. „Musiker wäre auch total cool!“, ruft der angehende Abiturient, der selbst Gitarre spielt und als egozentrischer Doors-Frontmann besetzt ist. „Den Morrison kannte ich vorher gar nicht, aber ich habe mir dann gleich alles von ihm angehört.“ Die Frage, warum er am Projekt beteiligt ist, beantwortet er so: „Das letzte Stück war schon so gut, dass ich im nächsten Jahr nicht nur zugucken wollte.“

Vorhang auf für „Club 27“und am Ende zum allerletzten Mal donnernder Applaus: Die dynamische Mischung ausMusik und Schauspiel, Glamour und Gänsehaut, aus Seelenstriptease, Wutanfällen und ständig neuen Whiskeyflaschen wird nicht so leicht zu toppen sein.