Aussenansicht Alfred-Wegener-Institut

Nachdenken über moderne Kunst

„Warum ist das eigentlich Kunst?“, fragt Carla Mantel, und vor dem Garagentor von Andreas Slominski fällt die Antwort gar nicht so leicht. Aber die 15 Schülerinnen und Schüler der 3b der Karl-Marx-Schule, die an diesem Morgen gemeinsam mit ihrer Klassenlehrerin Anika Fricke und Referendarin Ann-Katrin Brune zu Gast im Kunstmuseum sind, lassen sich nicht mehr provozieren. Wenn Dinge aus ihrem Zusammenhang genommen werden, gewinnen sie eben eine besondere Bedeutung – Ähnlichkeiten von Formen und Farben erschließen sich den jungen Experten im lockeren Gespräch. „Mir gefällt das Blau“, meint ein Mädchen, das sich für Adrian Schiess‘ „Flache Arbeit“ als „Lieblingsbild“ im Ausstellungsraum entschieden hat.

„Da haben sich schon welche Kugeln bewegt“, meldet sich kurz darauf ein Jungen vor Annika Kahrs‘ „Seapool“. Das Video der Künstlerin zeigt einen Billardtisch in ungewohnter Umgebung, auf dem sich ab und an wie von selbst die Kugeln bewegen. „Das macht der Wind“, ist eine Erklärung, „Geister“ werden dagegen von einem anderen Schüler vermutet. „Die gibt es doch gar nicht!“, heißt es sofort. „Doch, in anderen Ländern“, wird widersprochen. Die Lösung des Rätsels ist dann allerdings ebenso einfach wie verblüffend: Der Billardtisch steht auf der Weserfähre und die Kugeln folgen dem leichten Wellengang.

Theorie und Praxis gehen Hand in Hand

„Es macht Spaß und das Interesse ist wirklich groß“, bestätigt Carla Mantel, die ihren kompletten Kurs schon mit zwei Klassen der Karl-Marx und der Gaußschule abgeschlossen hat, in der Frühstückspause. Die 3b ist jetzt zum dritten Mal für jeweils zwei Stunden im Kunstmuseum, insgesamt sechs Besuche ergeben ein Modul. Individueller Zugang durch Dialog und Praxis, auf dem Programm stehen das Kennenlernen des Gebäudes und einzelner Künstlerinnen und Künstler. „Wir haben zuerst einen Rundgang gemacht und uns anschließend mit dem „Bremerhaven“-Raum beschäftigt“, erklärt die Künstlerin.

Natürlich darf dabei auch der praktische Teil nicht zu kurz kommen, heute sind hier Mischarbeiten das Thema. Tuschkästen, Becher mit Farbe und Pinsel stehen auf der Abdeckfolie bereit, als Vorlage dienen drei Bilder in Rot, Gelb und Blau. Die Kinder dürfen nun selbst mit zwei Grundfarben tupfen, ab und zu schleicht sich ein breiterer Pinselstrich ein. „Ist das schlimm, ich hab‘ mir auf den Finger gemalt?“, sorgt sich ein Schüler. Nicht schlimm, Finger geht. Schlechter wäre der Pullover, also Ärmel hochkrempeln. „Ich möchte auch Künstler werden“, seufzt ein Mädchen – Lernen außerhalb der Schule eröffnet ganz neue Perspektiven.