Echo-Verleihung 2018 – Es geht auch anders

Der Skandal um antisemitische Textzeilen bei der Echo-Verleihung 2018 schlägt weiter Wogen

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Aber das Schulzentrum Carl von Ossietzky (CvO) beweist seit Jahren, dass mit der Vergangenheit auch ganz anders umgegangen werden kann.

„Wir wurden in überfüllten Viehwagen auf den Weg geschickt. Wie lange wir fuhren, weiß ich nicht mehr“, las Esther Bejarano 2016 vor rund 500 Schülerinnen und Schülern in der Aula der CvO aus ihren „Erinnerungen“. Singen für ein extra Stück Brot, „Du hast Glück bei den Frau’n, Bel Ami“ am Akkordeon – wie durch ein Wunder überlebte die als junge Frau im Mädchenorchester das Konzentrationslager Auschwitz, wurde ins KZ Ravensbrück deportiert und leistete Zwangsarbeit für Siemens. Die Befreiung erlebte die Jüdin im mecklenburgischen Lübz, siedelte nach Palästina über und kehrte Anfang der 1960-er Jahre nach Deutschland zurück.

Nach Bremerhaven kam die 1924 geborene Friedensaktivistin, Zeitzeugin und Kämpferin gegen Rassismus auf Einladung der CvO, des Jugendforums und des Vereins KuBi Nord, für den sie am Abend noch einmal in Alberts Huus gastierte. Der niemanden kalt lassenden Lesung folgte gemeinsam mit Sohn Joram Bejarano am E-Bass und Kutlu Yurtseven von der Kölner Hip-Hop-Band Microphone Mafia ein ebenso beeindruckendes Konzert. Unter dem Spruchband „Nie wieder Krieg“ wurde die jüdische Widerstandshymne „Sag niemals, dass du den letzten Weg gehst“ angestimmt, schlug „Avanti Popolo“ den Bogen zu Gastarbeiter-Schicksalen und ließ die Band bei „Bella Ciao“ mitsingen.

Im November 2017 begrüßte die CvO-GyO dann die israelische Schriftstellerin Lizzie Doron als Gast. Die Trägerin des Bremerhavener Jeanette Schocken Literaturpreises stellte ihr Buch „Sweet Occupation“ vor, das aus Insidersicht neue Einblicke in den Konflikt zwischen Palästinensern und Israelis gibt. Nach einer Begegnung bei einer Veranstaltung in Rom revidiert die in Tel Aviv lebende Autorin ihre Einstellungen, näherte sich den „Feinden“ in persönlichen Gesprächen und überwand mit Blick auf die Gemeinsamkeiten anfängliche Ängste. Eine greifbare Lösung des Konflikts zwischen Palästina und Israel sieht Lizzie Daron nicht, trotzdem kämpft sie heute für Gleichheit und Menschenrechte in beiden Staaten.

„Denkt nach und hinterfragt, bevor ihr blind jemandem folgt“, lautete die Quintessenz der Lesung. Das Schulzentrum Carl von Ossietzky wird mit solchen Veranstaltungen seinem Namensgeber gerecht.

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