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April 2020 / Vom Reagieren zum Agieren

Corona-Krise in Bremerhaven – eine Momentaufnahme im Gespräch mit Schuldezernent Michael Frost

„Niemand, der jetzt Verantwortung trägt, hat so eine Situation schon mal erlebt“, unterstreicht Schuldezernent Michael Frost. „Es gibt keine Blaupausen zur Corona-Krise, und im Notfallordner für Schulen ist dazu auch nichts zu finden.“ Trotzdem muss schnell und möglichst effizient gehandelt werden: „Schritt für Schritt nähern wir uns einer Position, aus der heraus wir selbst die Prozesse regeln können.“

Die Situation erfordert Flexibilität

„Es ist eine ganz schwierige Situation, die ein hohes Maß an Flexibilität von allen Beteiligten erfordert“, sagt Michael Frost im Telefongespräch. „Es ist ja nicht damit getan, die Kindergärten und Schulen zu schließen“, betont der Stadtrat, der sich den Beginn der Osterferien sicher ganz anders vorgestellt hat. „Die Lage verändert sich ständig und erfordert einen immensen Organisationsaufwand, aber so langsam haben wir den Überblick gewonnen und können vom Reagieren zum Agieren übergehen.“

Im Krisenstab „Kindertageseinrichtungen & Schule“, der sich anfangs täglich traf und jetzt mehrmals in der Woche zusammenkommt, laufen nach wie vor alle Fragen zusammen. „Es war wichtig, so bald wie möglich verbindliche Standards zu setzen und sehr klare Anweisungen zu geben“, blickt der Schuldezernent auf die ersten Tage der Corona-Krise zurück. Mittlerweile haben sich die Fragen verändert, ein aktueller Schwerpunkt ist die Notbetreuung, die erstmals auf die Ferienzeit ausgeweitet wurde. „Das ist eine völlig neue Situation für die Schulen, die das supergut organisiert haben. Wenn Eltern in systemrelevanten Berufen die Betreuung brauchen, kann sie für die Kinder sogar an den Wochenenden und während der Osterfeiertage gewährleistet werden.“

Auf alle Szenarien vorbereiten

Eine Arbeitsgruppe zum digitalen Lernen, Pläne für die Abschlussprüfungen und Fragen zu den Bewerbungsverfahren: „Wir stellen unsere Planung darauf aus, dass der Unterrichtsbetrieb am 20. April wieder anläuft“, bestätigt Michael Frost. „Trotzdem müssen wir die Situation natürlich jeden Tag neu bewerten und versuchen, uns auf alle Möglichkeiten vorzubereiten.“ Eine große Rolle spielt dabei die webbasierte Lernplattform „itslearning“, die gerade auf einen leistungsstärkeren Server umgezogen ist. „Was bisher unterrichtsergänzend gedacht war, ist plötzlich unterrichtsersetzend.“

„Alles, was wir jetzt machen, ersetzt nicht den Kontakt im Unterricht“, weiß der Dezernent, der sich auch aus diesem Grund eine möglichst kurze Schließung der Schulen wünscht. „Die persönliche Beziehung zwischen Lernenden und Lehrenden ist das A und O für den Bildungserfolg, gerade auch für die Kinder, die zuhause nicht ausreichend mit Bildung versorgt werden. Wir kennen die soziale Situation in Bremerhaven, und es ist wichtig, dass die Lehrerinnen und Lehrer diese Kinder im Blick behalten. Das ist eine Aufgabe der Schulen, wir wollen uns auf jeden Fall weiter um das Kindeswohl kümmern.“

Großes Verständnis hat Schuldezernent Michael Frost für die Verunsicherung der Abiturientinnen und Abiturienten, die ihre Prüfungen in zwei Zeiträumen (ab 22. April oder ab 12. Mai) ablegen können. „Ich hätte mir gewünscht, dass mehr Rücksicht auf die besondere Lage genommen wird, aber die Senatorin hat das so entschieden. Das muss jetzt akzeptiert werden, und wir können ja auch nicht leichtfertig auf die Prüfungen verzichten. Das Abitur muss insgesamt anerkannt werden, und das ist nur der Fall, wenn es in allen Bundesländern unter gleichen Voraussetzungen abgelegt wird.“