Er galt als einer der berühmtesten Clowns der Welt. Sein Antlitz schmückte eine Briefmarke, unzählige Plakate und sogar eine Frühstücksflockenverpackung des Herstellers „Kelloggs“: Lou Jacobs. Was nur wenige Menschen wissen: Lou Jacobs kam aus Bremerhaven. Der Clown mit den auffällig aufgemalten, schwarzen Augenbrauenbogen, wurde am 1. Januar 1903 als Johann Ludwig Jakob in Geestemünde geboren. Zur Clown-Legende wurde er dann in den USA. Hier war er Teil „der größten Show der Erde“ und wurde einer der beliebtesten Showstars Amerikas.

Jacobs war das jüngste von insgesamt acht Kindern des Kesselschmieds Heinrich Jacobs. Bereits im Kindesalter hatte er eine stark ausgeprägte Lust am Zirkus. Zusammen mit seinem älteren Bruder Karl hatte er bereits als 7-jähriger Auftritte in einem Bremer Varieté. Nach einer Ausbildung zum Elektriker entschloss er sich, seinen eigentlichen Traum zu verwirklichen und Artist zu werden. 1923 besiegelte er dieses Vorhaben mit der Auswanderung nach Amerika.

Bereits ein gutes Jahr später bekam er eine Anstellung im bekanntesten Manege-Unternehmen Amerikas, dem „Ringling Brothers and Barnum & Bailey Circus“. Das Show-Programm hatte den bescheidenen Titel „Greatest Show on Earth“ (Größte Show der Erde) und Jacobs wurde hier als Clown zu einem der beliebtesten Showstars in ganz Amerika. Mehr als 60 Jahre blieb Lou dem Unternehmen treu. Erst 1986 – nach annähernd 30.000 Vorstellungen verabschiedete er sich von der Zirkusbühne.

In seiner langen Karriere entwickelte Jacobs immer wieder Gags und Sketche, die bis heute wegweisend in der Clownerie sind. Seine wohl berühmteste Nummer war der Clown im Miniaturauto, der bis heute unzählige Male kopiert wurde. Der technikversierte Jacobs brauchte mehr als vier Jahre dazu, um die Nummer zu perfektionieren. Er fuhr dabei hupend und trötend, mit einem knapp 60 Zentimeter großen und voll funktionstüchtigen Auto in die Mitte der Manege. Allein der Vorgang, wenn er sich mit seinen rund 1,85 Metern Körpergröße aus dem Auto herauspellte, erntete unzählige Lachsalven.

1952 hatte Lou Jacobs einen Gastauftritt in einem Hollywoodfilm. An der Seite von James Stewart und Charlton Heston spielte er sich in dem Film „Greatest Show on Earth“ selbst. Auf besondere Weise wurde er 1966 geehrt. Sein berühmtes Clownsgesicht kam auf eine 5 Cent Briefmarke. Damit war Lou Jacobs die erste Persönlichkeit in den USA, der diese große Ehre noch zu Lebzeiten zu Teil wurde. 1968 gründete Jacobs das „Ringling Bros. and Barnum & Bailey Clown College“, an dem er bis 1991 auch selber ausbildete. 1989 wurde der berühmte Clown in die „Circus Hall of Fame“ aufgenommen.

Im Jahre 1987 kehrte Lou Jacobs für die Dreharbeiten zu dem autobiographischen Film: „Finale – Ein alter Clown nimmt Abschied“ ein letztes Mal in seine Heimatstadt Bremerhaven zurück. Lou Jacobs verstarb am 13. September 1992 in Sarasota/ Florida an Herzversagen. Er hat zwei Töchter, die beide ebenfalls in der Zirkuswelt aktiv sind. Dolly wurde eine sehr berühmte Akrobatik und Trapezartistin, Lou-Ann eine Elefantentrainerin.

Übrigens: Lou Jacobs kam in die recht zweifelhafte Ehre, zu den ausgewählten Modellen für die Gemälde des US-amerikanischen Serienkillers John Wayne Gacy zu gehören. Gacy, der rechtsgültig für 33 Morde verurteilt wurde und sich gerne als Clown verkleidete, war unter dem Pseudonym „Pogo the Killer Clown“ bekannt. Im Gefängnis begann Gacy mit der Malerei. Seine Bilder erreichten nach seiner Exekution im Jahre 1994 eine erhöhte Nachfrage. Marco Butzkus

Quellennachweise:

Hartmut Bickelmann: Bremerhavener Persönlichkeiten aus vier Jahrzehnten
ISBN: 3-923851-25-1

Circopedia

Wikipedia

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