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Volle Kaje am CCCB - logistische Herausforderungen in der ganzen Stadt

Wenn zeitgleich vier Kreuzfahrtschiffe am Columbus Cruise Center Bremerhaven (CCCB) liegen, dann ist das eine logistische Herausforderung für alle Beteiligten. Am Kreuzfahrtterminal werden 3200 Passagiere von und auch wieder an Bord gehen. Das bedeutet unzählige Gepäckstücke und große Mengen Lebensmittel müssen verladen werden. Gäste-Transfers zwischen Bahnhof, Schiff und Hotels organisiert und Autos der Kreuzfahrtgäste sicher geparkt werden.

Bei Christin Reisenauer im CCCB stehen im Moment alle Zeichen auf Phoenix. Die 32-jährige Terminalleiterin am Bremerhavener Columbusbahnhof hat gerade alle Hände voll damit zu tun, vier Kreuzfahrtschiffe des Reiseveranstalters Phoenix-Reisen an einem Tag am Terminal zu versorgen. Das Reiseunternehmen mit dem charakteristischen Vogelemblem am türkisen Schornstein lässt am 31.07.2016 nämlich seine komplette Hochseeflotte in Bremerhaven einlaufen. 3200 Gäste samt Gepäck runter. 3200 Gäste samt Gepäck wieder rauf. Dazu kommen 1100 Gäste, die zwischendurch noch eben eine Schiffsbesichtigung machen möchten und die Koordination von ungefähr 100 Mitarbeitern, die natürlich immer zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle sein müssen.

„Wir bringen das komplette Gepäck von Bord und ordnen es so, dass die Passagiere es auch wiederfinden. Dafür haben wir pro Schiff knapp eine Stunde Zeit, denn mit der „Amadea“ legt um 6.30 Uhr das erste Schiff an und mit der „Deutschland“ um 9 Uhr das Letzte. Dazwischen kommen noch die „Albatros“ und die „Artania“. "Das ist sportlich“, erklärt Christin Reisenauer die Situation mit einem Lächeln. „Insbesondere dann, wenn man dabei bedenkt, dass es mehr als zwanzig Reisebusse gibt, in denen Gäste von allen vier Schiffen bunt durcheinander gewürfelt sitzen werden, und die natürlich erst dann losfahren können, wenn die passenden Koffer auch im Bus sind“, beschreibt sie das geordnete Chaos weiter. Wenn diese Aufgabe bewältigt ist, werden rund 1100 Gäste an Bord der Schiffe gebracht, die eine Schiffsbesichtigung gebucht haben. Auf der anderen Seite des Terminals läuft zeitgleich schon die Gepäckannahme für die neuen Gäste. „Wir müssen Gepäck für 3.200 Passagiere aufnehmen und an Bord von vier Schiffen verteilen. Dabei darf man nicht außeracht lassen, dass jedes einzelne Gepäckstück aus Sicherheitsgründen zuvor geröntgt werden muss. Langeweile wird es für uns an dem Tag sicher nicht geben“, fasst Reisenauer lächelnd zusammen.

Für Schiffsmakler Patrick Eilers ist der Job eigentlich Routine. Beim zeitgleichen Abwickeln von vier Kreuzfahrtschiffen seien die Dimensionen allerdings schon eine Herausforderung, gibt er zu. „Wir müssen zusammengenommen fast 100 Tonnen Lebensmittel, Getränke und Sanitärartikel an Bord der vier Schiffe bringen und zeitgleich etwa 150 Kubikmeter Müll entsorgen“, erklärt der 34-Jährige. „Hinzu kommt noch ein Crewwechsel von etwa 250 Personen, den wir koordinieren. Wir kümmern uns dabei um die Behördenkorrespondenz, Personentransfer und gegebenen Falls auch um die Visa für die Nicht-EU-Bürger in der Schiffsbesatzung“, so Eilers weiter. Zum Job gehört auch die Koordinierung mit dem Terminal, damit die Kräne und Gangways zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle stehen und die mit den Festmachern, damit die Schiffe sicher vertäut werden. „Vier Schiffe bedeutet in etwa viermal so viel von allem, wie bei einem Schiff“, bringt es der Schiffsmakler auf den Punkt.

Schiene, Bus und Pkw: Personentransport auf allen möglichen Wegen

Eine echte Mammutaufgabe hingegen ist die koordinierte Ab- und Anreise von insgesamt 6400 Passagieren. Der Reiseveranstalter Phoenix setzt zwar generell auf Gruppenanreisen mittels Reisebussen (gut zwei Dutzend davon werden erwartet), dennoch gibt es auch eine Reihe von Individualisten, die mit der Bahn oder mit dem eigenen PKW anreisen.

Bei Bremerhaven-Bus sieht man der Situation relativ entspannt entgegen. „Zwischen 8 Uhr morgens und 16 Uhr nachmittags haben wir sechs Busse im ständigen Pendelverkehr zwischen Hauptbahnhof und Kreuzfahrtterminal. Dazu kommen zwei Busse, die auf der Kaje selber pendeln, weil eines der Schiffe außerhalb des direkten Zugangs zum Terminal liegt“, berichtet Vertriebsleiter Hans-Jürgen Jahnke. „Die einzige wirkliche Herausforderung für uns ist, dass wir die Koffer aus Sicherheitsgründen nicht im Fahrgastraum mitbefördern dürfen, sondern sie extra in Anhängern transportieren müssen. Da wir uns jedoch in einen Freihafen mit Zollgrenze hinein- oder hinausbewegen, müssen wir darauf achten, dass jeder Gast auch im passenden Bus zu seinem Gepäck im Anhänger sitzt – falls der Zoll mal etwas kontrollieren möchte“, erklärt Jahnke weiter

Etwas arbeitsintensiver wird es für den Logistikdienstleister Kühne & Nagel, der auf Wunsch PKWs von Kreuzfahrern einlagert. Am Morgen müssen 230 Autos zum CCCB gebracht und an ihre Eigentümer übergeben werden. Ab Mittag werden 300 Fahrzeuge angenommen und eingelagert. „Besonders letzteres ist ziemlich aufwendig, da jeder Wagen von einem Sachverständigen auf Altschäden gecheckt werden muss, bevor er in die Garage gefahren wird“, berichtet Niederlassungsleiter Henri Tietjen. „Wir müssen da alle unsere Kräfte mobilisieren. Normalerweise haben wir bei den Phoenix-Schiffen einen Wagendurchsatz von 60 bis 70 Fahrzeugen. Das ist schon eine extreme Steigerung“, so Tietjen.

Mehr als 300 Vorabübernachtungen in Bremerhavener Hotels

Im Atlantic Hotel Sail City haben sich für die Nacht von Samstag auf Sonntag 150 Kreuzfahrtgäste eingebucht. Diese werden auch alle mit Bus-Shuttle-Diensten zum Terminal gebracht. „Wir rechnen pro Gast etwa mit 1,5 Gepäckstücken – haben es also mit mindestens 225 Koffern zu tun, das ist auch für uns eine Herausforderung“, verrät Marketing-Assistentin Sandra Tscharntke. In Relation zu den insgesamt 120 Zimmern im Hotel dreht sich zu diesem Termin fast alles um die Passagiere der vier Phoenix-Schiffe. Auch Empfangssekretärin Christin Rachow vom Comfort Hotel im Fischereihafen freut sich über den „Viereranlauf“ von Phoenix. Mindestens 133 Gäste haben dort das „Kreuzfahrer-Special“ gebucht. Das Arrangement umfasst eine Vorabübernachtung im Hotel, einen PKW-Stellplatz für den Zeitraum der Reise und den Transfer zum Kreuzfahrtterminal. „Das sind in etwa dreimal so viele Buchungen, wie wir beim Anlauf eines einzelnen Kreuzfahrtschiffes haben, berichtet die Hotelmitarbeiterin. Marco Butzkus