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Vieles ist gut, einiges muss besser werden: Bürgerforum zur Zukunftswerkstatt 2027

Wo liegen die Stärken und Schwächen der Bremerhavener Kulturszene, und wie wird sie sich bis ins Jahr 2027 verändern und entwickeln. Diesen spannenden Fragen gingen rund 160 Teilnehmer nach, die am ersten Bürgerforum zur Kulturwerkstatt 2027 teilnahmen. Die Antworten darauf wurden zunächst gesammelt und ausgewertet. Sie sollen später als Arbeitsgrundlagen dienen. Klar ist allerdings jetzt schon: Vieles ist gut, aber einiges muss jedoch besser werden.

„Wir wussten nicht, was hier heute rauskommt, aber wir hatten natürlich eine Erwartung. Die, das kann ich hier so sagen, wurde aber ganz klar übertroffen“, sagte Stadtrat Michael Frost angesichts der großen Beteiligung am Bürgerforum. Auch Kulturamtsleiterin Dorothee Starke freute sich über den großen Zuspruch des Forums: „Es ist vor allem toll anzusehen, wie freundlich und aufgeschlossen hier miteinander diskutiert wird“, so Starke. Die Veranstaltung fand im Rahmen der Zukunftswerkstatt 2027 statt. Rund 160 Menschen waren in den voll besetzten Ella-Kappenberg-Saal gekommen, um sich an der Bürgerbeteiligung zur Kulturdiskussion einzubringen. In 15 Arbeitsgruppen mit wechselnden Besetzungen diskutierten die Teilnehmer über den aktuellen Ist- und den Sollzustand der Kulturlandschaft der Seestadt.

Dabei ging es im Wesentlichen um die Fragen: „Was sind die Stärken der Bremerhavener Kulturszene, und was sind ihre Schwächen“, sowie „Welche Chancen oder Risiken entwickeln sich daraus, wie die Stadt sich zukünftig kulturell aufstellt“. Große Einigkeit herrschte darüber, dass die Bremerhavener Kulturszene sehr vielfältig sei und über eine tolle Vernetzung verfüge. Auch das große ehrenamtliche Engagement wurde hervorgehoben und Veranstaltungen, wie die Lange Nacht der Kultur, der Musiksommer oder Kino im Hafen, gelobt. Die Schwächen der Szene lagen nach beteiligten Meinungen vor allem an der dünnen Finanzdecke und einem Unterangebot in Richtung junger Menschen. Letzteres führe auch dazu, dass es der Szene an Nachwuchs fehle. Mangelnde Wertschätzung, fehlende breitenkulturelle Angebote (Clubs und Bars) und bürokratische Hürden wurden ebenfalls bemängelt.

In der Zukunft der Kulturszene wünschten sich viele der Beteiligten ein einerseits sehr individuelles und dezentrales Angebot. Anderseits möchte man aber auch einen zentralen Anlaufpunkt haben, der die Grenzen der Bürokratie niederschwellig hält und ein an alle gerichtetes kulturelles Angebot ermöglicht. Der Vorschlag, Bremerhaven als Kultur- und Wissenschaftsstadt 2027 aufzustellen, klingt zunächst vielleicht etwas hochgestochen. Er bietet der Seestadt aber durchaus die Chance, mittels eines attraktiven Kulturangebotes, einen Imagewandel herbeizuführen. Umgekehrt sahen die meisten der Teilnehmer, in einer schwindenden Kulturszene, den Verlust von Lebensqualität. Der Wegfall von Kultur hätte somit auch eine negative Wirkung auf die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt.

Das Bürgerforum wurde in einer Reihe von Veranstaltungen ausgerichtet, die im Rahmen der „Zukunftswerkstatt Bremerhaven Kultur 2027“ stattfinden. Dafür wurden 1500 Bürger zufällig ausgewählt, und gebeten sich am Bürgerforum zu beteiligen. Viele Weitere hatten sich aus eigener Initiative heraus eingebracht. Neben den Bürgerinnen und Bürgern waren auch die Bremerhavener Kulturszene und Mitglieder der Stadtverordnetenversammlung vertreten. Die Ergebnisse des Bürgerforums werden aufgearbeitet und dienen weiteren Arbeitsgruppen als Aktionsgrundlage. Am Ende des damit angestoßenen Prozesses sollen gemeinsame Leitlinien für das zukünftige Kulturangebot in Bremerhaven verfasst werden. Kernpunkt dabei ist, dass man zunächst darüber spricht, was die Bürger von der Kultur ihrer Stadt erwarten, bevor man die Frage nach der entsprechenden Finanzierungsmöglichkeit stellt.   Marco Butzkus