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Um Wissenschaftsstandort verdient gemacht: Ehemalige AWI-Direktoren werden Bremerhavener Ehrenbürger

Große Ehre für zwei ehemalige Direktoren des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung (AWI): Für ihre Verdienste um den Wissenschaftsstandort Bremerhaven zeichnet die Stadt am Freitag, 10. September, die Wissenschaftler Prof. em. Dr. Dr. h. c. Gotthilf Hempel (81) und Prof. Dr. Jörn Thiede (69) mit dem Ehrenbürgerrecht aus.

Bei einem Festakt im Hangar I des Regionalflughafens Bremerhaven würdigt Oberbürgermeister Jörg Schulz ihren Beitrag „zur erfolgreichen Entwicklung des Wissenschaftsstandorts Bremerhaven", so der einstimmige Ehrenbürger-Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 2. September. Grund für das ungewöhnliche Ambiente der feierlichen Zeremonie: die enge Verbindung zwischen dem Flughafen Luneort und der Arbeit des Instituts. Denn dort ist das AWI-Polarflugzeug „Polar 5" stationiert. Außerdem hat die Firma Helikopter Service International eine Vertretung auf Luneort. Das Unternehmen stellt den Hubschrauber bereit, der auf dem Forschungsschiff „Polarstern" eingesetzt wird.

Mit der höchsten Auszeichnung der Stadt Bremerhaven werden zwei Wissenschaftler geehrt, die das AWI seit seiner Gründung 1980 entscheidend geprägt haben. Professor Hempel, zuvor Direktor des Instituts für Meereskunde an der Universität Kiel, baute das Alfred-Wegener-Institut für Polarforschung von 1981 an auf. Zunächst in provisorischen Räumen im Columbus-Center, dann ab 1986 im vielgerühmten Neubau des Stararchitekten Oswald Matthias Ungers an der Columbusstraße.

Unter Leitung von Hempel (links, Foto: AWI) wurde Anfang 1986 das Bremerhavener Institut für Meeresforschung ins AWI eingegliedert, das sich seither als Institut für Polar- und Meeresforschung international einen Namen machte. Dazu trugen nicht zuletzt der Ende 1982 in Dienst gestellte, weltweit größte Forschungseisbrecher „Polarstern" und die Neumayer-Station in der Antarktis bei. Die Zahl der Beschäftigten beim AWI stieg in der Ära des Gründungsdirektors auf mehr als 300. Hempels Verdienst sei es gewesen, so die Begründung der Ehrenbürgerwürde, der Seestadt nach den Krisen der Hochseefischerei und des Schiffbaus zu einem neuen Standbein verholfen zu haben.

Professor Thiede (rechts, Foto: AWI) übernahm die Leitung des Instituts 1997. Auch er kam von der Universität Kiel, wo er das Geomar-Institut für Meereswissenschaften aufgebaut hatte. In seiner zehnjährigen Arbeit als Direktor trieb er die die Weiterentwicklung des AWI mit Nachdruck voran. Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stieg auf mehr als 800. Durch die Eingliederung der Biologischen Anstalt Helgoland wuchs nicht nur das wissenschaftliche Spektrum des Alfred-Wegener-Instituts, sondern auch dessen Forschungsflotte. In den letzten Jahren seiner Amtszeit bahnte Thiede dem Bau des künftigen europäischen Forschungseisbrechers „Aurora Borealis" den Weg.

Mit dem Namen des AWI-Chefs werden zwei große Projekte verbunden bleiben. Im Mai 2004 konnte das Institut, das im Ungers-Gebäude an der Columbusstraße schon längst unter Platznot litt, den Neubau an der Fischereihafen-Doppelschleuse einweihen - das letzte Werk des kurz zuvor verstorbenen großen Architekten Otto Steidle. Und Thiede war es auch, der Planung und Neubau der dritten Neumayer-Station in der Antarktis vorantrieb. Die Forschungsbasis wurde im Februar 2009 in Betrieb genommen. Zu den Verdiensten des langjährigen Direktors gehörte auch die erfolgreiche Bewerbung Bremerhavens gemeinsam mit Bremen als Stadt der Wissenschaft 2005.

Mit Hempel und Thiede zeichnet Bremerhaven zum 21. und 22. Mal verdiente Bürger mit dem Ehrenbürgerrecht aus. Ihnen folgt am 6. Oktober der langjährige Geschäftsführer der Lloyd Werft, Werner Lüken (70). Ihre Vorgänger nach dem Zweiten Weltkrieg: der aus Bremerhaven stammende Chemie-Nobelpreisträger Professor Adolf Butenandt (1960), der ehemalige Präsident des Bremer Senats, Wilhelm Kaisen (1965), der frühere Senator und Oberbürgermeister Gerhard van Heukelum (1968), Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt (1983), das Unternehmer-Ehepaar Ingrid und Karl Ehlerding (1998), die frühere Stadtverordnetenvorsteherin Mathilde Lehmann (2006) sowie der Kaufmann und Investor Friedrich Dieckell (2007). Die Ehrenbürgerwürde ist nicht dotiert und auch nicht mit anderen Vorteilen verbunden.

 


 

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