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„So far, so good” – Ein begehbares Gedicht

Sonderausstellung im Deutschen Auswandererhaus porträtiert Leben und Werk der Pulitzer-Preisträgerin Lisel Mueller

Der Carl Sandburg Prize, der Ruth Lilly Poetry Prize, der Lamont Award und der Pulitzer-Preis: Die Liste der Auszeichnungen, die Lisel Mueller in den USA erhalten hat, ist lang. In Deutschland dagegen kennt kaum jemand diese Dichterin, die 1924 in Hamburg geboren wurde und 1939 mit ihrer Familie in die USA auswanderte. Um ihr Leben und Werk geht es in der neuen Sonderausstellung „,So far, so good‘. Die vergessene Pulitzer-Preisträgerin Lisel Mueller“, die das Deutsche Auswandererhaus Bremerhaven vom 9. August 2019 bis zum 5. Januar 2020 zeigt. Ermöglicht wurde die Ausstellung durch die großzügige Unterstützung der Stiftung Deutsches Auswandererhaus.
 
Es war der Tod ihrer Mutter, den Lisel Mueller später als Ausgangspunkt ihres literarischen Schaffens nannte. Im Alter von 29 Jahren schrieb sie das erste von vielen Gedichten, die in den kommenden Jahrzehnten folgen sollten. „Nach diesem kleinen, furchtbaren Gedicht, das so schwer zu schreiben war, wusste ich, dass ich niemals würde aufhören wollen zu dichten“, schrieb sie 1990 in ihrem Essay „Learning to play by ear“. In den Werken, die sie im Laufe ihres Lebens verfasste, klingt immer wieder auch ihre eigene Biographie an. Muellers Vater Fritz C. Neumann, ein politisch engagierter Reformpädagoge, war bereits 1937 in die USA geflohen; 1939 folgte ihm seine Frau mit Lisel und ihrer Schwester.
 
„Die Verbindung von Migration und Literatur beschäftigt uns immer wieder“, erläutert Museumsdirektorin Dr. Simone Eick. „Mit ,So far, so good‘ stellen wir nun eine Dichterin vor, für die, anders als für viele deutsche Schriftsteller, die USA kein Exil blieben, sondern eine neue Heimat wurden. Im Unterschied zu den Exilschriftstellern schrieb Lisel Mueller ausschließlich auf Englisch und ein Großteil ihrer Werke wurde bisher nicht ins Deutsche übersetzt. Daher freuen wir uns, sie nun einem größeren deutschen Publikum vorstellen zu können.“
 
Immer wieder klingt Muellers persönliche Migrationsgeschichte in ihren Gedichten an, so auch in „Curriculum Vitae”, dem „Lebenslauf”-Gedicht, das die Besucher durch die Ausstellung führt. „Die Ausstellung als dreidimensionales, begehbares Gedicht stellt Werk und Leben auch mit bisher nicht gezeigten familiären Erinnerungsobjekten, wie zum Beispiel einer Brosche ihrer Großmutter oder dem Pulitzer-Preis, und Manuskripten vor“, sagt Lina Falivena, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Deutschen Auswandererhaus und eine der beiden Kuratoren der Ausstellung. Lesungen von Lisel Mueller und Vertonungen ihrer Gedichte zeugen vom starken Rhythmus ihrer Lyrik.  
 
„,So far, so good.‘ Die vergessene Pulitzer-Preisträgerin Lisel Mueller“ entstand in Zusammenarbeit mit Benno Schirrmeister, Redakteur der taz – Die Tageszeitung, der die Idee an das Deutsche Auswandererhaus herantrug und als Kurator gemeinsam mit Lina Falivena die Ausstellung konzipierte. Schirrmeister setzt sich für eine stärkere öffentliche Wahrnehmung der Dichterin ein. „Lisel Mueller schafft es auf einzigartige Weise, Bilder und Geschichten aus den unterschiedlichsten Bereichen miteinander in Beziehung zu setzen“, erläutert er. „So verbindet sie alltägliche Beobachtungen mit dem damaligen Zeitgeschehen, archaische Mythen mit Beobachtungen zu neuen technischen Entwicklungen. Ihre Themen sind unglaublich vielfältig, von Folter und Gewalt über Kunst- und Sprachreflexionen bis zur Raumfahrt. Und dabei schreibt sie in einer sehr verständlichen, zugänglichen Sprache“. Bei all dem ist „,So far, so good.‘ Die vergessene Pulitzer-Preisträgerin Lisel Mueller“ keine abgeschlossene Ausstellung und kann es auch nicht sein. Denn Lisel Muellers Leben endet nicht mit den letzten Zeilen von „Curriculum Vitae“: Die Dichterin lebt heute in Chicago.
 
Der Eintritt in die Sonderausstellung ist im Eintrittspreis für das Deutsche Auswandererhaus enthalten. Die Ausstellung kann nicht separat besucht werden. Sie wird durch ein Rahmenprogramm begleitet.
 

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