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Schulz weist Vorwürfe zurück: CDU-Chef schuld am Scheitern der Goes-Nachfolge

Mit Befremden und Unverständnis reagiert Oberbürgermeister Jörg Schulz als Aufsichtsratsvorsitzender der Wirtschaftsförderungsgesellschaft BIS auf die Entscheidung, die Suche nach einem Nachfolger für den früheren BIS-Geschäftsführer Hennig Goes zu beenden. Mit Nachdruck wehrt sich Schulz gegen den Vorwurf, er habe das Auswahlverfahren torpediert. Die Verantwortung für das Scheitern der Wiederbesetzung trage vielmehr CDU-Kreisvorsitzender und Bürgermeister Michael Teiser, der von Anfang an dagegen gewesen sei und das Verfahren "chaotisiert" habe.

„Die heutige Entscheidung, vorerst keine Wiederbesetzung der Stelle des Chef-Touristikers vorzunehmen, gefährdet die konsequente und erfolgreiche Aufbauarbeit der letzten Jahre, durch die Bremerhaven zu einem städtetouristischen Ziel geworden ist." Eine touristische Infrastruktur, in die mehr als 300 Millionen Euro öffentliche Mittel geflossen seien, erfordere einen zuständigen Geschäftsführer bei der BIS. Schulz: „Alles andere wäre unverantwortlich gegenüber der BIS und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, deren Vertreter sich im Aufsichtsrat - ebenso wie auch die Industrie- und Handelskammer - eindeutig für die Wiederbesetzung stark gemacht haben."

Der Oberbürgermeister erinnert daran, dass es von Anfang an sein Ziel als Aufsichtsratsvorsitzender gewesen sei, die Goes-Nachfolge frühzeitig zu regeln und damit einen reibungslosen Übergang vom alten zum neuen Geschäftsführer zu ermöglichen. Schon 2007 habe er daher in der koalitionspolitischen Abstimmung SPD und CDU darauf aufmerksam gemacht, dass Goes Ende 2008 in den Ruhestand treten werde.

Treibende Kraft bei den monatelangen Verzögerungen war nach Auffassung des Oberbürgermeisters vor allem CDU-Kreisvorsitzender und Bürgermeister Teiser, der eine Goes-Nachfolge von Anfang an für überflüssig gehalten habe. Schulz: „Entgegen allen Absprachen zwischen SPD und CDU verhindert er die Stellenbesetzung bis heute erfolgreich." Gleichzeitig habe sich Teiser für eine Ausgliederung des Tourismusbereichs aus der BIS eingesetzt, „doch davon will er heute nichts mehr wissen", wie Schulz betont.

Nachdem ein erster Durchgang der Geschäftsführer-Suche ergebnislos blieb, sei eine Personalberaterin eingeschaltet worden. Das „verheerende Auftreten" von Bürgermeister Teiser bei den zunächst internen Vorstellungsgesprächen der zweiten Runde hat laut Schulz dazu beigetragen, dass eine geeignete Bewerberin abgesprungen sei. Maßgeblich zum Scheitern habe auch beigetragen, dass die Kandidatenkür auf Druck des CDU-Fraktionschefs Paul Bödeker sowohl im ersten als auch im zweiten Anlauf neben dem Aufsichtsrat auch in den Verfassungs- und Geschäftsordnungsausschuss der Stadtverordnetenversammlung verlagert worden sei. Schulz: „Ein solches Verfahren ist rechtlich korrekt, doch das Schwergewicht sollte im Aufsichtsrat liegen, der schließlich vertrauensvoll mit der Geschäftsführung zusammenarbeiten und sie überwachen muss." In der Aufsichtsratssitzung am 11. November seien SPD und CDU jedoch der Bewerbervorstellung ferngeblieben, was dazu geführt habe, dass eine weitere Kandidatin absprang.

Energisch widerspricht der Oberbürgermeister der Behauptung, er habe auswärtige Interessenten verprellt. Schulz: „Das Gegenteil ist der Fall. Trotz guten Zuredens konnte ich die beiden Bewerberinnen nicht davon überzeugen, ihre Bewerbungen aufrechtzuerhalten." Ebenso falsch sei auch der Vorwurf, dass er einen Bremerhavener Kandidaten bevorzuge und sich einseitig für ihn einsetze. „Bisher", so der OB, „habe ich mich in dieser Frage öffentlich zurückgehalten und bemüht, im Interesse der Sache eine Neubesetzung zu organisieren. Das Scheitern dieses Versuchs ist nicht nur bedauerlich, sondern sehr ärgerlich und verantwortungslos gegenüber der Stadt."

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