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Redemanuskript der Ansprache von Oberbürgermeister Melf Grantz anlässlich des Neujahrsempfangs im Fischereihafen am 29.01.2018

- Es gilt das gesprochene Wort -

Auch wenn der Januar schon fast vorbei ist, möchte ich doch die Gelegenheit nutzen, Ihnen allen ein gutes neues Jahr 2018 zu wünschen. Mögen alle Ihre Wünsche umstandslos in Erfüllung gehen.

Dass manche Wünsche noch nicht gleich, sondern nur in stetiger Abarbeitung umgesetzt werden können, zeigt nichts deutlicher als die Entwicklung unserer Stadt, die ich unter dem Schlagwort „die Stadt näher ans Wasser rücken“ bezeichnen möchte. Dazu gibt es zur Zeit mehrere große Projekte, die unter möglichst breiter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger Bremerhavens umgesetzt werden sollen. Ich hoffe, dass wir bei dieser Entwicklung in diesem Jahr ein gutes Stück vorankommen werden.

Mit der Entwicklung im Bereich der Havenwelten wurde der Grundstein gelegt für Bremerhavens Attraktivität als touristisches Ziel. Neben dem Entwicklungsgebiet Rudloffstraße und neuen Perspektiven im Bereich Keilstraße/Geestbankhaus/Finanzamt/Eulenhofgrundstück – diesen Bereich würde ich als Arbeitstitel gerne Stadttor nennen – wird das Augenmerk auf der Entwicklung im Bereich Geestemünde/Fischereihafen liegen. In Geestemünde und im nördlichen Fischereihafen, dem neu zu entwickelnden Werftquartier, wie wir dieses Gebiet bisher intern bezeichnen, bietet sich die Chance, auf den hier vor unserer Tür gelegenen Industriebrachen und rund um den Handelshafen und Handels- und Werfthafen neue urbane Gebiete zu entwickeln, in denen Wohnen und Arbeiten einander befruchten können und damit die Stadt auch hier näher ans Wasser zu rücken. Hierzu habe ich eine Lenkungsgruppe unter meiner Leitung ins Leben gerufen, der Verantwortliche aus der Stadt Bremerhaven und dem Land Bremen angehören, um diesen Bereich planvoll und attraktiv zu entwickeln.

Dazu möchte ich auch eine breite Bürgerbeteiligung anstoßen, um die Potentiale dieses großen Gebiets zu heben. Das ist mindestens ein Zehnjahresprogramm. Deshalb sollten wir die Entwicklung an dieser Stelle nicht übers Knie brechen, sondern behutsam und Schritt für Schritt die Entwicklung vorantreiben. Ganz nach dem in Malmö so erfolgreich praktizierte Motto: „Die Ziele legt die Stadtverwaltung fest. Doch wie sie erreicht werden, entscheiden alle gemeinsam.“ Allerdings setze ich mich dafür ein, dass parallel zur Entwicklung eines städtebaulichen Rahmenplans für das Werftquartier schon ein erster Leuchtturm entstehen kann. Das von Dieter Petram und weiteren Investoren und von Andreas Heller in ersten Skizzen entworfene Hochhaus an der Riedemannstraße mit einem Brückenschlag auf die sogenannte Kühlken-Halbinsel wird von mir als private Investition ausdrücklich befürwortet. Ich habe die daran zu beteiligenden Personen bereits an meinen Tisch geholt und gehe davon aus, dass für dieses Leuchtturmprojekt ein, so der Fachterminus, vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt wird, für den die politischen Gremien, Magistrat, Bau- und Umweltausschuss sowie Stadtverordnetenversammlung bereits im März den Aufstellungsbeschluss fassen werden. Ich bin zuversichtlich, dass uns dies gelingen wird.

Damit bietet sich auch hier im Stadtsüden die Möglichkeit, die Stadt näher ans Wasser zu rücken. Denn das Wasser ist das größte Potential Bremerhavens, es ist das Lebenselexier der Stadt, die vom Wasser lebt. Damit müssen wir wuchern.

Die Entwicklung des „Werftquartiers“ reiht sich damit ein in die weiteren Projekte Rudloffstraße und Stadttor an der Keilstraße, die auch an diesen Stellen die Stadt näher ans Wasser rücken.

In diesem Jahr wird hier in diesem Gebiet, fast in Sichtweite von hier, ein wichtiger Schlussstein gesetzt werden. Ich meine die Eröffnung der Thünen Institute für Seefischerei und Fischereiökologie. Es war ein langer Prozess von der Idee über die politische Beschlussfassung, über den Bau bis zur Vollendung. Ich freue mich schon sehr auf die offizielle Eröffnung, die wohl noch in diesem Frühjahr stattfinden wird. Und ich begrüße es außerordentlich, dass viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit ihren Familien Bremerhaven für manche offensichtlich überraschend als interessante Stadt kennengelernt haben. Wenn sie dann auch in unsere Stadt ziehen werden, um hier zu wohnen, würde ich das sehr begrüßen.

Das gleiche gilt natürlich auch für das in diesem Jahr ins Bio-Nord einziehendes „DLR - Institut für die Sicherung maritimer Infrastrukturen“. Ihnen allen sage ich von hier aus ein herzliches Willkommen!

Lassen Sie mich noch kurz auf einen Bereich kommen, der in der öffentlichen Wahrnehmung, vielleicht aus guten Gründen, noch gar nicht so angekommen ist. Das ist der Komplex der Green Economy. Für Bremerhaven als größte Industriestadt an der deutschen Nordseeküste mit der weltweit bedeutenden Klimaforschungseinrichtung Alfred-Wegener-Institut, mit dem Fraunhofer IWES, dem Klimahaus, dem Kurs Klimastadt und der Offshore-Windindustrie, aber auch mit der auf Nachhaltigkeit angewiesenen Lebensmittelwirtschaft und vielen anderen Unternehmen in diesem Bereich bestehen gute Startvoraussetzungen, sich als Standort der Green Economy zu positionieren.

Dafür wurden im vergangenen Jahr die Weichen für der Erschließung der Industrieflächen auf der Luneplate mit über 250 ha Industriefläche am Meer gestellt. Aus meiner Sicht empfiehlt es sich, für die Ansiedlung einen Schwerpunkt auf exportorientierte Unternehmen der Green Economy zu legen. Eine weitere denkbare Zukunft unseres Standorts der Green Economy könnte auch die Herstellung von Wasserstoff sein, ein Schlüsselprodukt für die Energiesicherheit des Industriestandorts Deutschland. Bremerhaven könnte mit seinen einzigartigen Voraussetzung als Kompetenzstandort für Windenergie die CO2 –freie Herstellung von Wasserstoff bieten. Zur Green Economy zählt außerdem der Bereich der Elektromobilität. Auch hier bietet Bremerhaven passende Standortargumente mit der Automobildrehscheibe und den großen Ansiedlungsmöglichkeiten auf der Luneplate. Sie sehen, es ist Vieles in Bremerhaven denkbar und auch machbar. Ich bin mir sicher, dass sich uns deshalb hier an der Küste spannende Entwicklungen bieten, die wir mutig anpacken sollten.

Weil wir hier im Bereich des Schaufensters Fischereihafen sind, möchte ich noch zwei Anmerkungen zur touristischen Entwicklung dieses Areals machen. Ich habe es immer als misslich empfunden, dass sich Bremerhaven touristisch nicht immer aus einem Guss präsentiert hat. Lange Zeit gab es geradezu eine Rivalität zwischen Havenwelten und Schaufenster Fischereihafen. Woran solch eine Rivalität im einzelnen gelegen haben mag, lässt sich hinterher oft gar nicht mehr genau sagen. Wie auch immer, ich freue mich, dass wir in Kürze eine Kooperation zwischen unserer Tourismusgesellschaft Erlebnis Bremerhaven und der Werbegemeinschaft Schaufenster Fischereihafen in trockene Tücher bringen können. Diese Entwicklung nützt allen Beteiligten und vor allem nützt es Bremerhaven. Ich bin allen Beteiligten dankbar, dass dies in Bälde realisiert werden kann.

Lassen Sie mich noch zum Schluss anmerken, dass der immer beliebtere Bremerhavener Musiksommer hier im Schaufenster Fischereihafen dieses Jahr vom Magistrat aus Mitteln der ja nicht überall beliebten Citytax mit einem Betrag von 11.250 EUR gefördert wird. Ich denke, das ist doch auch eine schöne Botschaft. Damit möchte ich mich für Ihre Aufmerksamkeit bedanken und Ihnen noch einen schönen Abend mit anregenden Gesprächen wünschen.

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