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Rede zum Gedenken an die Corona-Verstorbenen zu Beginn der Stadtverordnetenversammlung

Stadtverordnetenvorsteher Torsten von Haaren wird am 22. April 2021 zu Beginn der Stadtverordnetenversammlung eine Rede für die Verstorbenen durch die Corona-Pandemie halten.

Im Anschluss der Rede findet eine Schweigeminute zum Gedenken an die Corona-Verstorbenen statt.

Sperrfrist der Rede: 22. April 2021, 15 Uhr

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrte Damen und Herren,

seit inzwischen mehr als einem Jahr beschäftigt uns alle die Corona-Pandemie auch in Bremerhaven. Zahlreiche Menschen haben sich mit dem Virus angesteckt, das immer noch in der Welt wütet, auch wenn wir mit den Impfungen, Testungen langsam vorankommen und mit schweren Einschränkungen leben müssen. Wir alle wünschen uns ein schnelles Ende, doch wir alle benötigen dazu noch einen langen Atem.

Doch auch wenn die Pandemie beherrschbar und letztlich, da bin ich mir sicher, das Corona-Virus in Schach gehalten werden wird – nicht alle Bremerhavenerinnen und Bremerhavener können die Normalität noch erleben. Mehr als 92* Menschen aus unserer Stadt haben inzwischen durch oder mit dem Corona-Virus ihr Leben verloren. Rund 80.600* waren es bundesweit und über 3* Millionen auf der gesamten Welt. Zunächst waren es meist Ältere, inzwischen erleiden mit den Mutationen auch Jüngere teils schwere Krankheitsverläufe. Sie liegen und leiden lange in unseren Krankenhäusern auf den Intensivstationen.

Dort werden sie von Menschen versorgt, denen unser Dank und unsere Anerkennung immer wieder gebührt und deren Dienste niemals geschmälert betrachtet werden dürfen: Die Ärztinnen und Ärzte, aber vor allem auch die Pflegekräfte arbeiten am Limit, und das seit März 2020. Täglich sterben Menschen auf den Corona-Stationen.

Das ist eine Situation, die das Personal belastet und an und über ihre Grenzen treibt. Wir zollen ihnen dafür unseren Respekt und wünschen insbesondere dem Personal in den Kliniken ein baldiges Ende der Belastung. Das gilt auch für die Menschen, die in den Heimen und im Rettungsdienst, sowie auch in weiteren Bereichen des Gesundheitswesens arbeiten. Sie alle sind mit ihren Kräften fast am Ende. Und dennoch gehen sie zur Arbeit, solange der Körper und der Geist dies mitmachen.

Danke

Doch so groß der Einsatz ist: Nicht jedes Leben können sie retten und verlieren Menschen an einen unsichtbaren Gegner, der sich nicht an Spielregeln, Pandemiepläne oder Diskussionen über diese oder jene Maßnahme hält. Die Toten mahnen uns, besonnen, aber konsequent vorzugehen und gemeinsam einen Weg aus dieser Lage zu bekommen. Denn sie ist nicht aussichtslos, sondern lediglich sehr anstrengend.

Doch diese Anstrengung, die uns allen abverlangt wird, ist eine, die sich lohnt. Und eine, die wir schulden. Wir schulden sie denen, die den Kampf gegen das Corona-Virus verloren haben.

Es gibt viele Familien, in die Corona wie ein Blitz eingeschlagen und mit Donnerhall kleine, private Welten zerstört hat. Glück, Liebe, Gemeinschaft, Familie, Freunde: Ein Lebensende trifft immer viele, häufig bis ins Mark.

Wenn dies durch eine tückische Krankheit ausgelöst wird und wenn man den geliebten Menschen auf seinem letzten Weg nicht einmal würdig begleiten kann, jedoch umso mehr.

Deshalb, meine sehr geehrten Damen und Herren, schulden wir Respekt und Anstrengung. Respekt vor der Lebensleistung der Menschen, die die Krankheit nicht überlebt haben. Respekt für das Leiden am Ende ihres Lebens und Respekt für die Familien, die einen geliebten Menschen verloren haben. Und wir schulden die Anstrengung, dass so wenige Menschen wie möglich, so wenige Familie und Freundeskreise dieses noch erleiden müssen.

Das können wir gemeinsam erreichen. Halten wir uns an die Regeln, lassen wir uns impfen, dämmen wir das Virus ein.

Damit ehren wir die Lebenden. Damit ehren wir die Toten dieser Pandemie. Die Toten weltweit, aus Deutschland und aus unserer Stadt.

Wir wollen uns in dieser Sitzung dem Bundespräsidenten anschließen, der am vergangenen Sonntag in Berlin den Opfern eindrucksvoll gedacht hat.

Daher bitte ich Sie jetzt, sich für eine Schweigeminute zu erheben.

Schweigeminute

Vielen Dank.

*Stand: 21. April 2021, 15 Uhr

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