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Rede von Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Lückert zum Neujahrsempfang am Mittwoch, dem 10. Januar 2018

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

ich möchte Sie alle ganz herzlich im Namen von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung zu unserem heutigen Empfang begrüßen und Ihnen allen ein gutes, erfolgreiches und vor allem gesundes neues Jahr Zweitausendachtzehn wünschen.

Ich möchte Ihnen an dieser Stelle auch die besten Grüße von Oberbürgermeister Melf Grantz ausrichten, der mitteilen lässt, dass er kommende Woche seine Amtsgeschäfte wieder aufnehmen wird.

Der filmische Rückblick auf das vergangene Jahr hat sicher für manche die eine oder andere Überraschung gezeigt. Am Überraschendsten dürfte gewesen sein, dass das Wetter doch besser gewesen sein muss, als wir es in Erinnerung haben. Strahlend blauer Himmel beim Seestadtfest und bei der Fischparty oder auch beim ersten Blaulichttag. Daran kann man einmal mehr sehen, wie Erinnerung trügen kann.

Wettermäßig war das vergangene Jahr also besser, als manche es in Erinnerung haben. Doch auch auf anderen Gebieten wurde sichtbar, wie sich Bremerhaven positiv verändert hat. Der Strukturwandel, der mit Beginn der Zweitausender Jahre in einem im Grunde von ganz Vielen in unserer Stadt getragenen Allemann-Manöver eingeleitet wurde, ist auf einem guten Weg.

Das zeigt sich eindrucksvoll daran, dass Bremerhaven heute wirklich auch eine Stadt der Wissenschaft geworden ist. Der Titel, den Bremerhaven gemeinsam mit Bremen als erste „Stadt der Wissenschaft 2005“ errungen hatte, hat sich ausgezahlt. Heute sind in Bremerhaven mehr Menschen in Wissenschaft und Forschung beschäftigt als auf den Werften. Ich bin zuversichtlich, dass diese Entwicklung mit Ihrer aller Unterstützung weitergehen wird. Wenn es darüber hinaus gelingt, junge Erwachsene für Bremerhaven als Wissenschaftsstandort zu gewinnen, verstärken wir die Dynamik der Entwicklung unserer Gesellschaft. In Bremerhaven gibt es hervorragende Möglichkeiten der Zusammenarbeit mit Unternehmen, so dass dabei Wirtschaft und Wissenschaft miteinander verbunden werden können. Das führt zweifellos zu einer Win-win-Situation für alle Beteiligten. Junge Menschen sind wichtig für die Entwicklung einer Stadt – junge Familien braucht unsere Stadt, sie sind unsere Zukunft, dafür bedarf es aber auch bezahlbaren Wohnraum, um die Stadt attraktiver zu machen, daran müssen wir arbeiten.

Hinzu kommt ein wichtiges Plus von Bremerhaven, das sind die durch den Hafen nahezu selbstverständlichen internationalen Kontakte, die unser Wirtschaftsleben, aber nicht nur das, prägen und positiv befruchten.

Für die positive Entwicklung der Wissenschaftsstadt spricht die Eröffnung der Thünen-Institute für Fischereiökologie und Seefischerei im Fischereihafen im Laufe dieses Jahres oder die Ansiedlung des DLR Instituts zur Sicherung maritimer Infrastrukturen im Biotechnologiezentrum Bio Nord. Diese Institute passen hervorragend nach Bremerhaven. Bereits jetzt wird das Gebäude der Thünen-Institute Am Fischereihafen I von den ersten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bezogen. Nach anfänglicher Skepsis konnten schon viele dieser Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vom Standort Bremerhaven und von einem Umzug hierher überzeugt werden, wie in etlichen Rückmeldungen zu hören ist. Mancher ist geradezu überrascht, wie schön, maritim und urban es in Bremerhaven ist – und das bei bezahlbarem Wohnraum. Ich bin davon überzeugt, dass sich auch die Familien hier wohlfühlen und lade sie ein, die Stadt für sich in ihrer beeindruckenden Vielfalt zu entdecken.

Seit seiner Gründung ist das Alfred Wegener Institut, das AWI, die größte Forschungs- und Entwicklungseinrichtung in Bremerhaven mit mittlerweile knapp 1.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Darauf sind wir stolz, und die Stadt wird das sich abzeichnende Wachstum des AWI durch verschiedene Maßnahmen ermöglichen und begleiten.

In meiner kurzen Betrachtung der Wissenschaftslandschaft darf die Hochschule Bremerhaven natürlich nicht fehlen. Sie ist einer der wichtigsten Standortfaktoren Bremerhavens, die unter Beibehaltung des standortbezogenen Profils mit sinnvollen Ergänzungen etwa im Bereich umfassender, integrierter pädagogischer Ausbildung weiter wachsen könnte. Es wäre gut, wenn wir dafür unter Ihnen, auch unter unseren Gästen auf Landesebene, Mitstreiterinnen und Mitstreiter finden.

Die Bilder vom Seestadtfest oder von der Fischparty aus dem vergangenen Jahr sind übrigens nicht nur schöne Eindrücke, sondern sie zeigen eines ganz deutlich: Bremerhaven ist als Destination im Tourismus angekommen. Dass dies nicht nur ein Schönsprech der professionellen Touristiker ist, lässt sich auf hervorragende Weise an den Investitionen und Aktivitäten unserer Gastronomen und Hoteliers ablesen. Hier gibt es eine Zuversicht, die ansteckend wirken darf. Und die gute Gründe hat.

Bremerhaven hat in den letzten 15 Jahren im Bereich des Tourismus tatsächlich eine enorm positive Entwicklung genommen. Die Besuchs- und Übernachtungszahlen sind überproportional gegenüber dem Bundesdurchschnitt gestiegen. Es kommt allerdings weiterhin darauf an, die Qualität des touristischen Angebotes sowohl im Bereich der Museen und Einrichtungen als auch im Bereich der maritimen Sehenswürdigkeiten und Erlebniswelten auf dem heute bereits vorhandenen, hohen Niveau zu sichern und sich auch weiterhin den Ansprüchen sowohl von Wissenschaft als auch Besuchern anzupassen. Auch hier bedarf es einer engen Zusammenarbeit durch Kooperation und Vernetzung der Angebote.

Durch Qualität des Kreuzfahrtterminals und die Angebote für Kreuzfahrtgäste besteht die berechtigte Hoffnung, dass sich die Zahl der Kreuzfahrttouristen in den nächsten Jahren deutlich erhöhen wird. Bremerhaven ist jetzt nicht mehr nur eine Station, sondern ein Standort, an dem Kreuzfahrten beginnen und/oder enden. Das bietet für unsere Stadt die Chance, die Kreuzfahrtgäste noch ein oder zwei Nächte länger in Bremerhaven zu halten. Aber auch für die sogenannten Stop-Over-Gäste gibt es mit den Attraktionen in Bremerhaven eine Vielfalt von Angeboten, die immer besser bei den Reedereien und Veranstaltern ankommen. Dank der Signale aus dem Senat für den Ausbau des Kreuzfahrtterminals sind wir meiner Meinung nach auch hier auf einem guten Weg, der konsequent weitergeführt werden sollte.

Wie gut sich Bremerhaven insgesamt entwickelt hat und damit den Strukturwandel erfolgreich bewältigt, lässt sich auch statistisch belegen: Die Anzahl der sozial-versicherungspflichtig Beschäftigten wächst seit 2005, vor allem der Anteil der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit einer akademischen Ausbildung an der Gesamtzahl der Beschäftigten. Dieser Anteil steigt im Vergleich zum Bundesschnitt überproportional. Das hat Auswirkungen auf die Arbeitslosenquote, die sich im Vergleich beim Blick zurück auf die letzten zehn Jahre mehr als halbiert hat.

Das sind gute Nachrichten, die uns für das neue Jahr ermutigen. Doch so positiv die Entwicklung in unserer Stadt ist, so sollen die nach wie vor vorhandenen Probleme nicht unter den Teppich gekehrt werden. Im Gegenteil, mit dem Rückenwind der gerade skizzierten Erfolge müssen wir an die Lösung der Problembereiche gehen. Dazu gehören vor allem die Kinderarmut, die Hilfen für Langzeitarbeitslose und die Integration von Flüchtlingen. Diese Gruppen bedürfen unser aller Aufmerksamkeit, um den Zusammenhalt unserer Gesellschaft nicht zu gefährden. Mir ist besonders wichtig, gerade die Menschen am Rand nicht zu übersehen, sondern sie wahrzunehmen und ihnen zu helfen! Sicher sind in erster Linie Politik und Verwaltung gefragt, dies zu leisten. Besonders möchte ich an dieser Stelle aber ehrenamtlich tätige Menschen hervorheben, die in den unter-schiedlichsten Bereichen Zeit, Wissen und Engagement für unser Gemeinwesen einbringen.

Ohne dieses Engagement in Politik und Soziales, in Bildung, Kultur und Sport wäre unsere Gesellschaft ärmer. Ein ganze Reihe von Ihnen sind heute hier stellvertretend für die vielen Ehrenamtlichen in unserer Stadt unsere Gäste. Bei Ihnen bedanke ich mich ganz herzlich.

Unser Augenmerk sollten wir allerdings auch auf das Zentrum unserer Gesellschaft richten: Die jüngste Untersuchung der Arbeitnehmerkammer Bremen zeigt zwar, dass es der deutschen Wirtschaft so gut geht wie lange nicht mehr, die Arbeitslosenquote hat einen Rekordtiefstand erreicht. Trotzdem schrumpft die Mittelschicht. Viele Menschen sind deshalb verunsichert. So das Fazit dieser Untersuchung.

Doch was ist die Konsequenz aus dieser Verunsicherung? Man hört an vielen Stellen ein Schimpfen über Politik, über die Politiker. Das geht immer häufiger so weit, dass nicht nur Politikerinnen und Politiker persönlich angegriffen werden, sondern auch die Institutionen der Demokratie in Frage gestellt und sogar verächtlich gemacht werden. Ein Ausdruck dieses mangelnden Respekts drückt sich auch in Angriffen auf Rettungskräfte und Polizisten aus. Ich möchte deshalb an dieser Stelle ganz deutlich sagen, dass ich für Verrohung und für Gewalt gegen die Repräsentanten des Staats, nichts anderes sind Polizeibeamte und Feuerwehrleute, keinerlei Verständnis habe. Diese Aggressivität beginnt ja oft verbal, auch in den sogenannten sozialen Netzwerken. Immer häufiger endet diese Aggressivität dann in physischer Gewalt. Mein besonderer Dank gilt deshalb den Polizistinnen und Polizisten sowie den Feuerwehrleuten und den im Rettungsdienst tätigen für ihren großartigen Dienst, den sie für unsere Gesellschaft leisten.

Deshalb halte ich es für besonders wichtig, dass wir alle gemeinsam Maßnahmen gegen Gewalt und für Deeskalation unterstützen. Ein Anfang soll eine Resolution gegen die Angriffe auf Rettungskräfte und Polizei sein, die wir in der Stadtverordnetenversammlung einbringen werden und für die wir um breite Unterstützung der Zivilgesellschaft werben wollen.

Ein wichtiges Element gegen die Verrohung, aber auch gegen die Abstiegsängste sind nachhaltige Investitionen in Bildung. Die Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung hat mit dem jetzt verabschiedeten Haushalt ein deutliches Zeichen in diese Richtung gesetzt. Ich hoffe sehr, dass er in Kürze vom Senat auch genehmigt wird, damit wir die beschlossenen Gelder schnellstmöglich in Gebäude, in Sachausstattung und in Personal einsetzen können. Das ist das erste richtige und wichtige Zeichen für bessere Bildungschancen in unserer Stadt. Es geht darum, den Kindern und Jugendlichen einen guten Start ins Leben zu ermöglichen. Dazu trägt natürlich auch der beschlossene Ausbau der Krippen- und Kitaplätze bei.

Gegen die Ängste der Mittelschicht, die ja eine wesentliche Trägerin unserer Gesellschaft ist, müssen wir ermutigen. Ermutigen zu Engagement für unsere Gesellschaft. Dazu müssen wir Wege aufzeigen, wie und wo man sich mit seinen Interessen und Fähigkeiten einbringen kann. Deshalb wollen wir die Bürgerbeteiligung mit unterschiedlichen Formaten voranbringen. Das kann auf einfache Weise in den Bürgerfragestunden der Ausschüsse der Stadtverordnetenversammlung sein, das kann im Engagement in den Stadtteilkonferenzen sein oder es kann die aktive Teilnahme in den Zukunftswerkstätten sein, die auch in diesem neuen Jahr zu verschiedenen Themen fortgeführt werden sollen. Die Erfahrung, gemeinsam mit anderen für eine gute und wichtige Sache zu arbeiten, ist ausgesprochen bereichernd. Diese Erfahrung wollen wir viel mehr Menschen ermöglichen.

Zu den Ängsten, die viele Menschen umtreibt, gehört auch die Digitalisierung, deren Auswirkungen auf die Arbeitswelt, aber auch auf den Einzelnen und auf das Zusammenleben in der Gesellschaft wir noch gar nicht wirklich absehen können.

Wir haben als Politik dieser Entwicklung in meinen Augen lange Zeit zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet und sind nun in vielen Fällen überrascht, was uns allen diese Entwicklung beschert. Nicht nur Smartphones und manche andere Bequemlichkeit, sondern auch scheinbare oder tatsächliche Formen der Bedrohung. Das müssen wir ernst nehmen und Hilfen bei der Bewältigung der digitalen Zukunft anbieten. Dabei ist natürlich in erster Linie die Schule gefordert, aber auch die Wirtschaft und die Unternehmen müssen durch Transparenz und Verständnis die digitale Zukunft mitgestalten und dürfen dabei Beharrungskräfte des Menschen nicht vergessen.

Zum Schluss meiner Rede möchte ich einige persönliche Wünsche formulieren:

Ich wünsche mir, dass die vielen Menschen, die sich für andere einsetzen, weiterhin den Mut und die Kraft haben, ihr Engagement fortsetzen und andere dafür begeistern können.

Und ich wünsche mir, dass auch in der Politik mehr Optimismus zutage tritt und gern auch das Lachen wieder zurückkommt. Politisches Engagement sollte mit Zuversicht und positiver Grundeinstellung angegangen werden, denn dies ist auch bei unterschiedlichen Meinungen die Basis für Kompromisse. Und darauf haben die Wählerinnen und Wähler Anspruch !.

Schließlich wünsche ich mir, dass wir unsere Stadt auch menschlich weiter entwickeln können und bei diesen Entwicklungen niemanden zurücklassen. Ich werde alles, was mir möglich ist, dazu beitragen

Für all diese Wünsche brauchen wir eine starke Wirtschaft, die den Menschen in Bremerhaven ermöglicht, ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen, um eine gute Zukunft zu haben. Das ist die Voraussetzung dafür, das Wir-Gefühl in unserer Stadt zu verstärken.

Bevor ich nun zum Ende komme, möchte ich auf die diesjährige Spendensammlung hinweisen. Verwaltungsauszubildende des Magistrats sammeln gleich für das Netzwerk Schule, Wirtschaft und Wissenschaft für die Region Unterweser e.V. Um die Fachkräfte von Morgen in der Region zu halten, arbeitet das Netzwerk mit insgesamt 70 Partnern aus Bremerhaven und dem Landkreis zusammen. Dabei werden bewusst Unternehmen aus dem Mittelstand ausgewählt, die gemeinsam mit verschiedenen Bildungseinrichtungen wie Schulen und der Hochschule Bremerhaven zusammenarbeiten. Insbesondere dort, wo nur wenige Schüler auf die gymnasiale Oberschule wechseln, muss für eine frühzeitige Berufsorientierung und Heranführung an die Arbeitswelt gesorgt werden.

Ich wäre Ihnen sehr dankbar, wenn Sie diese segensreiche Arbeit mit Ihrer Spende unterstützen würden.

Bedanken möchte ich mich auch bei den vielen Unterstützerinnen und Unterstützern dieses Neujahrsempfangs, die alle auf der Sponsorenwand aufgeführt sind. Vielen Dank.

Mein Dank geht an die Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe des Schulzentrums Geschwister Scholl unter der Leitung von Guido Solarek für das wunderschöne musikalische Rahmenprogramm.

Und nicht zuletzt möchte ich mich bei den über 40 Auszubildenden verschiedener Hotels und Restaurants aus Bremerhaven bedanken, die uns heute auf wunderbare Weise bewirten, auch Ihnen möchte ich meinen herzlichen Dank sagen.

Mir bleibt nun nur noch, mich bei Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit zu bedanken und allen noch einmal alles Gute für das neue Jahr wünschen.

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