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Rede von Stadtverordnetenvorsteher Artur Beneken beim Festakt "100 Jahre Katholische Schule Bremerhaven"

Seit 100 Jahren ist das katholische Schulwesen ein Teil Bremerhavens. In dieser Zeit haben die katholischen Schulen es verstanden, eine Form des Unterrichts zu schaffen, die allgemein hohes Ansehen genießt - selbst bei Eltern, die wenig Bezug zu Kirche und Glauben besitzen. In katholischen Schulen lässt man Kinder im besten Sinne lebenstüchtig werden, und nicht nur durch Halt im Glauben. Was diesen Unterricht ausmacht, erfolgt weitgehend unabhängig von Konfession. Denn nur ein Teil der Schülerschaft ist katholisch.

Ich freue mich, Ihnen zum 100-jährigen Bestehen der katholischen Schule in Bremerhaven die Glückwünsche von Magistrat und Stadtverordnetenversammlung überbringen zu können. Dabei muss ich bemerken, dass es sich bei diesem Jubiläum um die katholische Schule im alten Bremerhaven handelt, das heute hier so feierlich mit einem Festgottesdienst und nun mit dieser Veranstaltung begangen wird. Denn betrachtet man das heutige Bremerhaven, das natürlich Lehe und Geestemünde einschließt, gibt es katholische Schulen schon länger, seit 1878 in Geestemünde und seit 1879 in Lehe. In der katholischen Schule im alten Bremerhaven, damals in der Langen Straße 106, der heutigen Prager Straße, wurde nach einigen Querelen, das darf man durchaus sagen, der Unterricht am 10. Oktober 1910 mit 115 katholischen Schülerinnen und Schülern begonnen.

Damit war ein Wunsch der katholischen St.-Marien-Kirchengemeinde in Erfüllung gegangen, der nicht zuletzt auch finanzielle Gründe hatte. Denn nachdem die katholischen Schulen in Lehe und Geestemünde kommunalisiert worden und damit für die Kinder dieser Gemeinden schulgeldfrei geworden waren, mussten die Bremerhavener Schulkinder, die in diese preußischen Schulen gehen sollten, noch Schulgeld zahlen. Zwar übernahm der Kirchenvorstand vorerst die Zahlung des Schulgelds, damit nicht die katholischen Kinder in die - aus ihrer Sicht - protestantisch beeinflussten öffentlichen Volksschulen gehen mussten. Doch das wurde auf Dauer zu teuer. Deshalb wollte der Kirchenvorstand der Mission Bremerhaven selbst eine Schule in Bremerhaven errichten und betreiben. Das fand der „hochwohllöbliche Stadtrat" Bremerhavens nicht so gut. Kurz: Der Magistrat war dagegen. Deshalb stellte der Kirchenvorstand sein Gesuch an den Senat in Bremen. Und die dortige „Senatskommission für das Unterrichtswesen" befürwortete den Antrag.

Seit ihrer Gründung hat die katholische Schule in Bremerhaven eine wichtige Rolle gespielt und gehörte von Anfang an zur städtischen Gesellschaft. Dass der Senat für die Einrichtung der Schule in Alt-Bremerhaven war, lag zum einen darin begründet, dass viele Auswanderer katholisch waren und der Senat dieses wichtige Geschäft nicht an andere Häfen verlieren wollte. So bestand eine der herausragenden Aufgaben dieser Schule darin, den Menschen katholischen Glaubens und ihren Kindern, die in diese Stadt kamen, eine Heimat zu geben. Das ist dieser Schule, so finde ich, gut gelungen. Es gelingt ihr bis heute, auch wenn der Anteil von Kindern aus so genannten Migrantenfamilien deutlich niedriger ist als an den städtischen Schulen. Viele Kinder aus Familien dagegen, die als Deutsche aus Staaten des ehemaligen Ostblocks nach Bremerhaven gekommen sind, wurden in hohem Maße von der katholischen Schule aufgenommen und in unsere Gesellschaft integriert.

Das Neben- und Miteinander von Konfessionen ist heute in der katholischen Schule Alltag. Als katholische Bildungseinrichtung bietet die Schule allerdings Anlass, dass Kinder Glauben und unterschiedliche Glaubensformen kennen lernen, hinterfragen und begreifen wollen. Dadurch stehen die katholischen Schulen für eine stärkere Präsenz von Religiosität: Damit ist die Kirche deutlich sichtbar in Bremerhaven vertreten und lebendiger Teil des Alltags. Auf diese Weise hat die katholische Schule in 100 Jahren das Wesen Bremerhavens mitgeprägt.

Nun entsteht an der Stelle, an der die katholische Schule vor 100 Jahren bezogen wurde, eine neue Grundschule, die die Abteilungen der Alfred-Delp-Schule und der Johannesschule zusammenführt. Diese neue Grundschule wird den Namen „Stella Maris" tragen, „Stern des Meeres" also, ein Name, den Kinder, Eltern und Lehrkräfte in einem Wettbewerb selbst vorgeschlagen haben. Diese Bezeichnung ist einer der schmückenden Beinamen Marias, der Mutter Jesu, und unterstreicht damit den christlichen Aspekt der Bildungseinrichtung. „So wie die Sterne in der Nacht auf hoher See, so soll die neue Grundschule den Schülerinnen und Schülern Orientierung geben", heißt es dazu von Seiten des Schulträgers aus Hildesheim.

Ich wünsche dieser neuen Schule eine gute Zukunft und danke allen, die sich dafür so engagiert einsetzten und noch einsetzen.

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