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Rede von Oberbürgermeister Jörg Schulz zur Eröffnung der Konferenz "Windstärke 08"

Herzlichen Dank an die "indenergie-Agentur Bremerhaven für die erneute Ausrichtung der Konferenz "Windstärke 08" und die Möglichkeit, auf der heutigen Konferenz einige Begrüßungsworte zu Ihnen sprechen zu dürfen. Seit 2004 treffen sich Fach- und Führungskräfte der nationalen und internationalen Windenergiebranche in Bremerhaven, und wir freuen uns von Jahr zu Jahr mehr, Sie als unsere Gäste begrüßen zu können.

Das hat einerseits damit zu tun, dass sich hier sehr nette und freundliche Leute, alte und neue Bekannte wiedertreffen und die Veranstaltung zudem eine hohe fachliche Qualität aufzuweisen hat, und andererseits damit, dass die Offshore-Windenergiebranche in unserer Stadt zunehmend mehr ihren Heimathafen gefunden hat.

Diejenigen von Ihnen, die heute Nachmittag bereits die Exkursion mitgemacht haben, konnten sich davon überzeugen, welche sprunghafte Entwicklung seit der letzten Konferenz vonstatten gegangen ist. Die Multibrid GmbH hat die Montage der M5000 in der neuen Produktionshalle Am Lunedeich aufgenommen. Die neue REpower-Produktionsstätte am Labradorhafen steht vor der Fertigstellung ebenso wie in direkter Nachbarschaft die Fertigungshalle von PowerBlades für die riesigen Offshore-Rotorblätter neue Testanlagen, darunter zwei weitere Multibrid M5000 und die REpower 5M auf einem Jacket-Fundament.

Wie schon 2006 das Tripodfundament hat auch dieses Jacket-Fundament die WeserWind GmbH Offshore Construction Georgsmarienhütte in Bremerhaven gebaut. WeserWind ist z.Zt. kräftig dabei, eine Produktionsstätte für die Serienfertigung in Bremerhaven zu errichten.

Die Deutsche WindGuard hat im Frühjahr ihren Windkanal in Betrieb genommen, die Conergy Wind Power ihre Produktionshalle im Norden Bremerhavens fertig gestelllt, und die Hallen für den Test von Rotorblättern des Fraunhofer Center für Windenergie und Meerestechnik befinden sich im Bau.

Der Standort Bremerhaven und das Land Bremen überhaupt können mittlerweile in allen wichtigen Themenfeldern, die Windenergie-Unternehmen ihren Standortentscheidungen zugrunde legen, mit hervorragenden Eigenschaften aufwarten:

  • geeignete Industrieflächen am seeschifftiefen Wasser, eine exzellente Forschungs- und Entwicklungslandschaft,
  • ein gutes Potenzial an Arbeitskräften und eine funktionierende Struktur von Weiterbildungs- und Qualifizierungs-Einrichtungen für die vielseitig erforderlichen Arbeitskräfte,
  • eine aktive Wirtschaftsförderung, die die konkreten Erfordernisse der Unternehmen genau kennt,
  • und schließlich eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung für die Windenergie-Branche.
    Mit den bereits erfolgten oder noch zu erwartenden Investitionen der Windenergiewirtschaft werden rund 1.000 neue Arbeitsplätze in Bremerhaven entstehen.

Die Entwicklung der Windenergiebranche in Bremerhaven ging so schnell, dass innerhalb von nur wenigen Jahren so viele innovative Prototypen-Testanlagen in Bremerhaven aufgestellt wurden, dass mittlerweile rund 40 Megawatt (MW) Windleistung in Bremerhaven installiert sind, davon über 30 MW aus völlig neuwertigen und innovativen Prototypen-Anlagen mit einer Leistung von bis zu 6 MW. Und das heißt: Rein rechnerisch ist Bremerhaven damit in der Lage, den Strombedarf seiner sämtlichen Haushalte mit regenerativem, d.h. Wind-Strom, zu decken. Darauf können die hier aktiven Unternehmen und die Stadt Bremerhaven stolz sein. Eine bessere Standortwerbung kann ich mir nicht vorstellen.

Gestatten Sie mir abschließend ein paar Sätze zur allgemeinen Entwicklung in unserer Stadt zu sagen. Bremerhaven galt lange Zeit als eine Stadt, die den wirtschaftlichen Anschluss verpasst hat und in einer tiefen Strukturkrise steckt. Diese Bild wandelt sich mehr und mehr. Wir können heute mit Stolz darauf verweisen, dass wir der viertgrößte europäische Containerhafen sind mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten. Im Automobilumschlag sind wir schon seit geraumer Zeit die Nr. 1 in Europa. Hinter den Kajen entdecken zunehmend mehr Logistikdienstleister den Standort und bauen Distributionszentren, wie z.B. die Schnellecke Group, die maßgeblich für den Volkswagen Konzern Automobillogistik von Bremerhaven aus organisiert.

Traditionelle ökonomische Standbeine wie die maritime Wirtschaft haben sich weiterentwickelt, die Auftragsbücher der Werften und Zulieferer sind über die nächsten Jahre gefüllt. Daneben entstehen und wachsen aber auch neue, technologieorientierte Unternehmen der Meereswirtschaft, die z.B. für die reibungslose Datenübertragung vom Forschungsschiff "Polarstern" oder der Neumayer-Station in der Antarktis zur Home-Basis des Alfred-Wegener-Instituts für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven sorgen, die Messgeräte für die Überwachung der Meere vor Ölverschmutzungen entwickeln und Tauchbojen, die als Mess- und Warnsysteme zur Früherkennung von Tsunamis eingesetzt werden und die sog. ROV's (Remotely Operated Vehicle) zur Erforschung der Meere bauen. Rund um das AWI mit rund 800 Beschäftigten liegt ein großes Potenzial mit wirtschaftlicher Zukunftsperspektive.

Rund um die Fischwirtschaft mit ca. 6000 Beschäftigten in der Stadt hat sich ein vielfältiges Cluster entwickelt, das in den letzten Jahren durch Dienstleister aus den Bereichen Lebensmitteltechnologie, Analytik und der Blauen, Marinen Biotechnologie zukunftsorientiert ergänzt werden konnte.

Bremerhaven macht sich an vielen Stellen hübsch. Schauen Sie die Bereiche am Alten und Neuen Hafen an. Mit den Havenwelten entsteht dort ein herausragendes touristisches Gebiet mit vielen neuen Attraktionen:

  • Das Deutsche Auswandererhaus ist eine Erfolgsgeschichte: Mehr Besucher als erwartet, European Museum of the Year Award 2007
  • Das beeindruckende Hotel hat eröffnet
  • Im Klimahaus wird schon mit Hochdruck an der Inneneinrichtung gearbeitet; Eröffnung 1. März 2009
  • Die Marina und das Boardinghaus gedeihen prächtig, und man kann auch am Wasser wohnen.

Nebenbei bemerkt: Wir haben für die Windenergiebranche nicht nur Produktionsflächen, sondern in diesem tollen Areal der Havenwelten auch Büroimmobilien im Technologiepark t.i.m.e.Port, oder wenn Sie es noch größer brauchen und selber bauen möchten, auch Flächen für Büroimmobilien. Sprechen Sie mich oder Herrn Schnorrenberger von der BIS gerne direkt an.

Ich hoffe, ich konnte Ihnen einen kleinen Einblick vermitteln, wie die Stadt ihr Gesicht verändert. Es macht Spaß, ein Teil dieser Veränderung zu sein.
Ich lade Sie herzlich ein, als Gast oder besser noch als aktiver Mitgestalter dabei zu sein und wünsche Ihrer Konferenz viel Erfolg, viele neue Erkenntnisse und natürlich auch einen angenehmen Aufenthalt in Bremerhaven.

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