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Rede von Oberbürgermeister Jörg Schulz bei der Busrundfahrt der BIS zu neu angesiedelten Unternehmen

Anrede,

das vergangene Jahr war mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung Bremerhavens ein sehr erfolgreiches. Dafür gibt es sicherlich mehrere Gründe, die z.B. auch etwas mit der guten Konjunktur des letzten Jahres zu tun haben. Wir stellen aber auch fest: Wirtschaftsstrukturelle Entwicklungen, die wir vor 5 bis 6 Jahren mit gezielter Wirtschaftsförderung und Infrastrukturmaßnahmen angestoßen haben, tragen zunehmend mehr Früchte.

Dies betrifft vor allem die Bereitschaft der Unternehmen, am Standort Bremerhaven zu investieren und - damit verbunden - die Zahl der neuen Arbeitsplätze, die bereits 2007 geschaffen werden konnten und die in den nächsten Monaten noch entstehen werden.
Gestatten Sie mir, Ihnen zwei Zahlen zu nennen: Im Jahr 2007 haben die in Bremerhaven ansässigen und neu ansiedelnden Unternehmen Investitionsvorhaben in Höhe von rund 238 Millionen Euro realisiert bzw. auf den Weg gebracht. Diese Zahl wurde von der BIS anhand der von ihr begleiteten Projekte erhoben. Nicht erfasst sind Investitionen, die die Unternehmen ohne Förderung und ohne den Kauf eines städtischen Grundstückes vorgenommen haben. Die tatsächliche Investitionssumme wird somit noch um einiges darüber liegen. Was aber für uns besonders wichtig ist: Mit diesen Vorhaben wurden bzw. werden in den nächsten Monaten über 1000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen.

Wenn wir auf der heutigen Fahrt durch Bremerhaven einige Vorhaben konkret sehen und dazu auch mehr hören werden, wissen wir, dass diese Erfolge das Ergebnis einer guten Zusammenarbeit von Politik, Verwaltung und Wirtschaftsförderung sind. In vielen Ansiedlungsgesprächen haben wir erfahren, dass die Unternehmen das Zusammenwirken von Politik, Verwaltung und Wirtschaftsförderung sehr genau wahrnehmen und in Bremerhaven sehr positiv beurteilen.

Als sehr positiv werden auch die kurzen Wege in Stadt und Land und die gute Zusammenarbeit bei der Lösung von Problemen gesehen. Es gehört zum guten Ton, dass die BIS auf Wunsch der Unternehmen schon sehr frühzeitig alle Beteiligten an einen "Runden Tisch" bittet, um das konkrete Vorhaben, aber auch mögliche Probleme etc. zu besprechen.

Besonders wird auch von den Unternehmen gelobt, dass wir eine Wirtschaftsförderung aus einer Hand anbieten. Von den Förderprogrammen bis zum Grundstückskauf sowie der Koordination der Ämter und Genehmigungsbehörden tritt die BIS als kompetenter Ansprechpartner auf, der schnelle Entscheidungen herbeiführt. Auch wenn andere Standorte mit der gleichen Parole "Wirtschaftsförderung aus einer Hand" werben, ist dieses Prinzip bislang einzigartig im Land Bremen umgesetzt worden.

Und auch bei der Verzahnung von Wirtschaftsförderung und Arbeitsmarktpolitik sind wir weiter als manche glauben. In Bremerhaven finden auf Initiative der BIS regelmäßige Abstimmungsrunden mit der Arbeitsagentur sowie der BRAG und dem Arge Jobcenter statt, um neue Ansiedlungsvorhaben und die daraus folgenden Bedarfe an den Arbeitsmarkt zu koordinieren.

Ich habe eingangs schon erwähnt, dass wir auch mit der Entwicklung unserer traditionellen wirtschaftlichen Standbeine wie den Häfen, der Lebensmittelwirtschaft, aber auch der Werftindustrie sehr zufrieden sein können. Die Globalisierung im Welthandel führt zu einem stark vermehrten Schiffs- und Containerverkehr, an dem die am Standort tätigen Unternehmen wie BLG, Eurogate, NTB und MSC, aber auch die Werftbetriebe Lloyd Werft, SSW, MWB, Bredo mit der Zuliefererwirtschaft durch Wachstum und mehr Beschäftigung partizipieren.

Besonders stolz können wir aber auch darauf sein, dass sich neue Branchen, um die wir gezielt geworben haben, sich mehr und mehr für den Standort Bremerhaven entscheiden. Allen voran möchte ich die Windenergiewirtschaft erwähnen. Vor einigen Jahren waren wir in Bezug auf diese Branche weitestgehend ein weißer Fleck auf der Landkarte - und wir wollten das Kompetenzzentrum für die Offshore-Windenergie werden. Heute werden wir als solches nicht nur bundesweit angesehen, sondern auch international, wie auf der European Offshore Wind Energy Conference in Berlin im letzten Monat festzustellen war.

Bei allen positiven Entwicklungen am Standort Bremerhaven können wir aber bei den derzeitigen Arbeitslosenzahlen noch lange nicht die Hände in den Schoß legen. Wir müssen mehr denn je am Ball bleiben, um die Entwicklungen zu festigen, aber auch um das sich verbessernde Image des Wirtschaftstandortes noch mehr nach außen zu tragen und weitere konkrete Ansiedlungserfolge zu erzielen.

Dabei befinden wir uns in einer nicht einfachen Situation. Zum einen müssten wir noch deutlich mehr im Bereich der Wirtschaftsförderung tun, zum anderen befinden wir uns in einer sehr kritischen Haushaltslage. Wir waren froh, dass es gelungen ist, die wichtigen Unternehmensneuansiedlungen, bei denen wir 2007 so kurz vor dem Ziel standen, auch durchs Ziel gebracht zu haben. Wir werden Ihnen heute noch zeigen, was uns das konkret bringen wird.

Ich bin mir aber auch sicher, dass wir in diesem Jahr und den folgenden Jahren bei der Politik um Unterstützung bitten müssen, um in bestimmten Bereichen Neuansiedlungen mit Förderungen begleiten zu können, weil sich so neue, wichtige Arbeitsplätze schaffen lassen. Dass wir uns dabei immer in einer Konkurrenzsituation mit anderen Standorten befinden, macht die Sache nicht leichter.

Wenn es erlaubt ist einen Wunsch für 2008 auszusprechen, so hoffe und wünsche ich mir, dass es uns 2008 in dem Maße wie in der Vergangenheit gelingen wird, gemeinsam die wirtschaftlichen Probleme Bremerhavens zu bewältigen und viele neue Unternehmen nach Bremerhaven kommen. Das ist uns bisher gemeinsam sehr gut gelungen, und viele andere Großstädte schauen bewundernd auf unsere Ansiedlungserfolge. Insbesondere der Windenergiesektor gilt überregional als Beispiel für erfolgreiche Clusterentwicklung, die zu spürbaren Ansiedlungen führt. Ich wünsche mir, dass wir gemeinsam diesen erfolgreichen Weg der Bewältigung des Strukturwandels weiter gehen werden.

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