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Rede von OB Jörg Schulz bei der Eröffnung der Sonderausstellung "Nach Buenos Aires!" im Deutschen Auswandererhaus

es ist gerade einmal zweieinhalb Jahre her, seit das Deutsche Auswandererhaus Bremerhaven am 8. August 2005 eröffnet wurde. Doch wenn man auf diese Zeit zurückblickt, könnte man durchaus den Eindruck gewinnen, dass es das Auswandererhaus schon eine ganze Reihe von Jahren gibt - so sehr ist das Erlebnismuseum bereits im Leben Bremerhavens fest verankert. Und so schnell schaffte es das Auswandererhaus, sich als eines der touristischen Aushängeschilder unserer Stadt ebenso wie als kulturelle Institution von nationaler Bedeutung zu etablieren.

Vom ersten Tag an war diese neue Attraktion ein Glücksfall für Bremerhaven und hat eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen geschrieben. Weit mehr als eine halbe Million Besucher in den bisherigen zweieinhalb Jahren, davon 236.000 im Jahr 2006 und 227.000 im Jahr 2007 - mit solchen Zahlen konnte vor der Eröffnung niemand ernsthaft rechnen. Wer das DAH besucht hat, ist begeistert und empfiehlt es seinen Freunden weiter, denn hier kann man wirklich Geschichte authentisch, hautnah und sinnlich erleben. Der Besucher steht im Auswandererhaus an der Kaje und spürt, wie den Menschen zumute war, die einst von Bremerhaven aus den Weg in die Fremde antraten. An Bord eines Seglers aus dem Jahr 1854 kann er sich die strapaziöse Überfahrt vorstellen, und beim Einwanderungstest auf Ellis Island lässt sich nachvollziehen, wie schwer es war, in die USA einzureisen.

Das Deutsche Auswandererhaus ist aber nicht nur zu einem Publikumsmagneten ersten Ranges geworden, sondern hat sich auch in Fachkreisen mit seinem überzeugenden Museumskonzept, seiner modernen Präsentation und seiner hohen Kompetenz großes Ansehen und wissenschaftliches Profil erworben. Das schlägt sich auch in den Ehrungen nieder, die es bereits seit der Eröffnung gesammelt hat, allen voran die Auszeichnung zum besten Museum Europas 2007. Zum ersten Mal seit 15 Jahren ging dieser bedeutendste europäische Museumspreis wieder nach Deutschland. Einen besseren Imagegewinn für eine so junge Einrichtung könnte es mit der Preisverleihung, über die mehr als 500 Medien im In- und Ausland berichteten, nicht geben. Schon vorher war das Auswandererhaus in die Orte im "Land der Ideen 2007" aufgenommen worden - auch dies die verdiente Anerkennung für die erfolgreiche Arbeit des einzigen kulturhistorischen Museums in Deutschland, das privat betrieben wird.

Doch das Auswandererhaus kann und will sich nicht auf seinen Lorbeeren ausruhen. Eine solche Attraktion muss sich immer wieder neu erfinden, denn Stillstand würde Rückschritt bedeuten. Deshalb gehörte es von Anfang an zum Konzept, sowohl die Dauerausstellung regelmäßig zu erweitern als auch einzelne Themen der Auswanderung und Migration in Sonderausstellungen zu vertiefen. Das gelingt dem jungen und überaus engagierten Team des Auswandererhauses, das im Durchschnitt übrigens nur 24 Jahre alt ist und Mitarbeiter aus 14 Ländern umfasst, in hervorragender Weise.

Inzwischen ist es bereits die 7. Sonderausstellung, die uns diesmal nach Buenos Aires führt. Wir begegnen in dieser Ausstellung der Geschichte von Deutschen, die in der pulsierenden Metropole am Rio de la Plata ein neues Leben begannen. Ein hochinteressantes und vielschichtiges Thema, wenn man allein bedenkt, wie unterschiedlich die deutschen Emigranten und Auswanderer waren, die in Argentinien aufeinandertrafen: Zunächst war das Land das Ziel vieler jüdischer Flüchtlinge, dann von NS-Tätern, die dort nach dem Krieg untertauchten.

Ich freue mich sehr, dass es dem Deutschen Auswandererhaus aus Anlass der Sonderausstellung gelungen ist, den preisgekrönten Dokumentarfilmer Ciro Cappellari erneut für ein Kurzfilmprojekt zu gewinnen, diesmal über seine Heimatstadt Buenos Aires. Und da auch die Dauerausstellung um diesen Film sowie das wichtige und attraktive Thema Südamerika ergänzt wird, bin ich überzeugt, dass das Publikumsinteresse weiter anhalten wird. Ich wünsche dem gesamten Team des Deutschen Auswandererhauses weiterhin eine so glückliche Hand bei seiner Arbeit und den Besucherinnen und Besuchern anregende und interessante Stunden. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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