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Neues Jobcenter am Start: Stadt und Arbeitsagentur weiter in einem Boot

Neue Ära bei der Betreuung von Langzeitarbeitslosen: Mit Oberbürgermeister Melf Grantz als Vorsitzendem der Trägerversammlung und Geschäftsführer Friedrich-Wilhelm Gruhl an der Spitze ist das Jobcenter Bremerhaven an den Start gegangen. Dabei sitzen Stadt und Agentur für Arbeit weiter in einem Boot. In der ersten Sitzung der Trägerversammlung besiegelten sie ihre künftige Zusammenarbeit in einer "Gemeinsamen Einrichtung".

Diese Rechtsform tritt an die Stelle der ARGE Job-Center. Mit der Gründung einer Gemeinsamen Einrichtung reagierten beide Partner auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das die bisherige bundesweite Form der Kooperation von Kommunen und Arbeitsagenturen für verfassungswidrig erklärt hatte. An der Aufgabe der Betreuung von Hartz-IV-Beziehern ändert sich jedoch nichts. Für die Kunden des Jobcenters, so Grantz, sind weiterhin die gewohnten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zuständig.

Der Trägerversammlung gehören je fünf Vertreter der Stadt und der Agentur für Arbeit an. Der Oberbürgermeister, der bereits Vorsitzender dieses Gremiums in der alten ARGE war, wurde in dieses Amt auch für die neue Gemeinsame Einrichtung gewählt. Den Vorsitz wird er allerdings an seinen Nachfolger als Sozialstadtrat nach dessen Amtsantritt abgeben. Zum Geschäftsführer bestellte die Trägerversammlung auf fünf Jahre Friedrich-Wilhelm Gruhl, der die frühere ARGE Job-Center leitete.

Einstimmig verabschiedete die Trägerversammlung ein umfangreiches Arbeitsmarkt- und Integrationsprogramm, in dem die Ziele bei der Förderung und Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen für 2011 zusammengefasst werden. Als wichtigste Gruppen will sich das Jobcenter vor allem um Jugendliche und junge Erwachsene, ältere Erwerbslose über 50 Jahren, Migranten sowie Frauen und Alleinerziehende kümmern.

Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels bereitet dem Jobcenter besondere Sorge, dass ältere Arbeitnehmer von der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt weitgehend abgekoppelt würden. Für dieses Jahr rechnet es mit etwa 3600 älteren Hartz-IV-Empfängern. Daher sollen die Qualitfizierungsmöglichkeiten durch den Beschäftigungspakt „Chance 50plus“, den die Jobcenter Bremen, Bremerhaven und Cuxhaven gegründet haben, verstärkt werden.

Der Anteil der Frauen unter den Hartz-IV-Empfängern liegt bei rund 45 Prozent. Mehr als Viertel von ihnen sind alleinerziehende Mütter. „Für diese Frauen“, so OB Grantz, „wird das Jobcenter mit einer gezielten Beratung besonders dazu beitragen, dass Mütter wieder in den Beruf einsteigen und dabei Familie und Job unter einen Hut bringen können.“

Mit „individuellen und effektiven Angeboten“ sollen Migranten unter den Langzeitarbeitslosen, die vom Strukturwandel stärker als andere Gruppen betroffen sind, gefördert werden. Häufig müssten jedoch zuvor Schwellenängste, Vorbehalte und sprachliche Defizite abgebaut werden, heißt es in dem Arbeitsprogramm des Jobcenters. Deshalb seien eine intensive Beratung durch die persönlichen Ansprechpartner und die Förderung in Integrationskursen nötig.

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