Das Deutsche Auswandererhaus

Neue, digitale Dimensionen im Museum

Deutsches Auswandererhaus zieht erfolgreiche Zwischenbilanz aus bundesweitem Projekt zu digitalen Medien.

Das Deutsche Auswandererhaus Bremerhaven ist Teil des renommierten bundesweiten Verbundprojekts „museum4punkt0 – Digitale Strategien für das Museum der Zukunft“, in dem seit drei Jahren ausgewählte Museen die Möglichkeiten digitaler Medien experimentell erkunden. Am 27. und 28. Oktober 2020 ziehen die Museen nun im Rahmen einer Konferenz in Anwesenheit von Kulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters eine erste Bilanz. Das Projekt wird von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert. Dr. Simone Blaschka, Direktorin des Deutschen Auswandererhauses, blickt in diesem Rahmen auf drei Jahre technische Entwicklungen und Studien zurück, die das Publikum in Bremerhaven selbst erprobte oder zukünftig erproben kann.

Die sechs Verbundpartner, darunter die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin und das Deutsche Museum in München, konzipieren und erproben seit 2017 diverse digitale Anwendungen, um das Potenzial der fortschreitenden Digitalisierung für die Bildungs- und Vermittlungsarbeit zu erschließen. Dr. Simone Blaschka, Direktorin des Deutschen Auswandererhauses, resümiert über die wissenschaftliche Auseinandersetzung ihres Museums, die sie in der Konferenz dem digitalen Publikum vorstellen wird: „Wir konnten viel über Nutzen und Grenzen digitaler Medien für uns als Migrationsmuseum lernen. Können digitale Medien etwa helfen, Empathie zu wecken? Dank der Förderung durch museum4punkt0 konnten wir ungewöhnliche Ideen zu dieser Fragestellung entwickeln und ausprobieren, für die sonst kein Raum gewesen wäre.“ Dabei reichte die Auseinandersetzung des Deutschen Auswandererhauses in verschiedenste Bereiche der Mediennutzung, von Virtual Reality bis zur Web-Anwendung.

Welche Bedeutung haben originale Objekte in Zeiten der Digitalisierung? Lassen sich Empfindungen fremder Menschen besser durch biographische Objekte oder besser digital durch Geschichten vermitteln? Mit diesen Fragen beschritt das Migrationsmuseum die Welt der virtuellen Realität. Eine interdisziplinäre Konferenz mit einem Soziologen, einem Psychologen und einem Medienethiker brachte wichtige Erkenntnisse für die Konzeption des Ausstellungsexperiments „KRIEGsgefangen. OHNMACHT. SEHNSUCHT. 1914 – 1921“ (Laufzeit: 01.08. – 30.11.2018). Darin untersuchten Wissenschaftler*innen des Migrationsmuseums in einer groß angelegten Studie, ob und wie sich Empathie in Museen digital vermitteln lässt. Die Ergebnisse publizierte das Deutsche Auswandererhaus online und als Print.

Ein wesentliches Anliegen der Entwicklungen am Deutschen Auswandererhaus ist die Erweiterung von Partizipationsmöglichkeiten für die Besucher*innen. So testet der „Dialog Migration”, mit welchen digitalen und analogen Formaten das Museum Besucher*innen erreichen kann. Letztere werden sowohl auf der Museums-Website als auch im Deutschen Auswandererhaus zu persönlichen und gesellschaftlichen Migrationsthemen befragt. Ziel ist es, den Dialog mit den Besucher*innen vor, während und nach dem Besuch zu einem Teil des Museumserlebnisses werden zu lassen.

Das multimedial sammelnde und forschende Museum legt besonderen Wert auf die persönliche Geschichte hinter dem jeweiligen Objekt. Um die biographische und migrationshistorische Bedeutung von Erinnerungsobjekten zu erschließen, wurde eine neue Sammlungsdatenbank konzipiert. Darin finden neben klassischen Objekten auch digitales Kulturgut, wie Videos und Audiodateien, Eingang. Objekte, Oral-History-Interviews sowie migrantische Biographien werden dabei nicht nur klassisch inventarisiert, sondern auch in Aspekten ihrer Vorgeschichte miteinander verknüpft. Eine innovative Sammlungshierarchie schafft neue inhaltliche Verbindungen zwischen dem materiellen und immateriellen Kulturgut.

Damit verknüpft können seit diesem Herbst Besucher*innen des Deutschen Auswandererhauses die Idee des Konzepts spielerisch und intuitiv entdecken. Auf einem Touchscreen in der Ausstellung präsentiert das neue „Biographien-Portal“ die Vernetzung von Sammlungsstücken und Geschichten auf ansprechende Weise. Als digitales Kommunikationstool soll es zudem die Möglichkeit eröffnen, Menschen mit eigner bzw. familiärer Migrationserfahrung als Interviewpartner*innen für die wissenschaftliche Arbeit des Migrationsmuseums zu gewinnen. Das Netzwerk soll im nächsten Schritt durch die Homepage des Museums weltweit nutzbar sein.

Die neuste Entwicklung des Deutschen Auswandererhauses im Rahmen des Verbundprojektes wird in diesem Winter in Bremerhaven zu entdecken sein. Sie wird auf vorhergehenden Erkenntnissen aufbauen und soll zu einer kritischen, selbstreflexiven Auseinandersetzung mit Gegenwart und Geschichte der Migration anregen. Im Fokus werden dabei Meinungsbildungsprozesse stehen.

Eine digitale Teilnahme an der Konferenz „Zukunft gemeinsam entwickeln – Digitale Erweiterung musealer Erlebnisse und Prozesse“ steht allen Interessierten offen. Zusammen mit prominenten Förder*innen wie der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und bekannten Vertreter*innen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, bei der die zentrale Projektsteuerung angesiedelt ist, werden an diesen zwei Tagen Ergebnisse, Erkenntnisse und weitere Schritte auf dem Weg in die Digitalität besprochen. Interessierte können die Konferenz im Livestream auf dem YouTube-Kanal „museum4punkt0“ verfolgen oder sich für eine aktive Teilnahme auf der zentralen Homepage des Projektes anmelden. Die Konferenz ist Teil des Programms zur deutschen EU-Ratspräsidentschaft.


Die Registrierung zur Konferenz ist unter folgendem Link möglich:
www.museum4punkt0.de/events/zukunft-gemeinsam-entwickeln-digitale-erweiterung-musealer-erlebnisse-und-prozesse

www.dah-bremerhaven.de

 

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