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Literarisch-musikalischer Abend in der Stadtbibliothek Bremerhaven

Der Freundeskreis der Stadtbibliothek Bremerhaven e.V. und die Stadtbibliothek laden zu einem literarisch-musikalische Blick auf Bert Brechts Werk ein mit Stephan Uhlig – Carla Mantel – Angelika Scholl.

"Wir wären gern gut...“ - ein literarisch-musikalischer Blick auf Bert Brechts Werk findet am Freitag, dem 10. November 2017, um 19.30 Uhr in der Stadtbibliothek Bremerhaven statt.

„Wir wär’n gern gut, anstatt so roh, doch die Verhältnisse, sie sind nicht so!“ lautet die zynische Lebenseinstellung des Unternehmers Peachum, mit der er in Brechts „Dreigroschenoper“ die Ausbeutung der „Elendsten der Elenden“ über seine Firma „Bettlers Freund“ rechtfertigt. Obwohl bereits 1928 auf der Grundlage der Beggar‘s Opera (1728 uraufgeführt) geschrieben sind diese Texte an Aktualität nicht zu überbieten. Die politische Wirklichkeit rüttelt an unseren Träumen. Freiheit und Demokratie sind keine Selbstverständlichkeiten mehr. Die globalen wirtschaftlichen Situationen beruhen weltweit auf Ausbeutung von Ressourcen und treiben Menschen aus Hungersnot und Elend in die Flucht und andererseits in unsolidarische, egoistisch-strategische (Überlebens-) Kämpfe. „Aber etwas fehlt!“, insistiert bereits Paul Ackermann, eine der Zentralfiguren von Bert Brechts Oper „Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny“ (1930) gegenüber seinen das Leben feiernden Freundinnen und Freunden. Inmitten dieser Hochburg des Vergnügens, der „Netzestadt“ Mahagonny, die die Arbeit abgeschafft hat und in der für Geld jeder Spaß zu kaufen ist, verspürt Paul Ackermann einen Phantomschmerz. Und auch diese Situation, die Brechts Mahagonny ausmalt, scheint heute durchaus realistisch: die Existenz einer Welt, in der Arbeit nicht mehr den Kern der gesellschaftlichen Synthese bildet und in der es dennoch keinen Grund zum Feiern gibt.

Die Auswahl der Lieder, die unter anderem auch den sarkastischen und humorvollen Brecht zu Gehör bringt - neu arrangiert und interpretiert -, reicht von den romantischen Texten zur Klampfe über neue Formen der Lyrik bis hin zur Dialektik von Hoffnung und Trauer und vermittelt somit einen Überblick über sein lyrisches Gesamtwerk, hauptsächlich in Vertonungen von Hanns Eisler und Kurt Weill.

Solistisch, aber auch in Duetten und Terzetten bringt das Trio aus Carla Mantel, Stephan Uhlig und Angelika Scholl die Brechtschen Lieder zu Gehör.

Stephan Uhlig, u.a. Leiter des Bremer Eisler Ensembles, hat sich mit unkonventionellen Interpretationen von Vertonungen Brecht’scher Texte einen Namen gemacht.
Carla Mantel hat, wie er, mit Gisela May, der Grande Dame der Interpretinnen Brechts, in Meisterkursen zusammen gearbeitet und ebenfalls in verschiedenen Programmen mit wandlungsfähiger Stimme Brechtsche Lyrik interpretiert.
Angelika Scholl, studierte Kammermusikerin und erfahrene Eisler-Pianistin wird am Klavier begleiten.

"Wir wären gern gut ...“ wird gefördert vom Kulturtopf Bremerhaven.
Eintritt 8 Euro. Karten gibt es an der Abendkasse oder können unter 0471 – 590 2555 reserviert werden.

 

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