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Eisbärenname nicht zu beanstanden

Der Journalist Hendrik Werner behauptet in seinem Artikel "Eisbärchen Lale", im "Kurier am Sonntag" vom 23. März, dass die Sängerin Lale Andersen dem NS-Regime verpflichtet war und rückt das Lied "Lili Marleen" in die Nähe des Durchhalteliedes "Es geht alles vorüber, es geht alles vorbei". Oberbürgermeister Melf Grantz weist die Kritik mit aller Entschiedenheit zurück.

Das Leben von Lale Anrsen wur wissenschaftlich akribisch aufgearbeitet von Bremerhavens Kulturamtsleiterin Dr. Gisela Lehrke, ren Biografie mit m Titel, „Wie einst Lili Marleen- das Leben r Lale Anrsen“, 2002 im Henschel Verlag erschienen ist. Darin könnte Hendrik Werner die Entstehungsgeschichte s Lies nachlesen, das nicht von r Nazi-Propaganda protegiert, sonrn unabhängig von ihr zum Erfolg wur, als r Soldatensenr Belgrad es ab 1941 jen Abend kurz vor 22 Uhr spielte. „Lili Marleen“ wur ein unglaublicher Erfolg, ja m Lied wur magische Kraft zugesprochen. Es wird zur Internationalen r Soldaten s Zweiten Weltkriegs und Lale Anrsen eine Legen. Vom Nordkap bis nach Afrika grüßen die Soldaten ihre Liebste daheim. Der Text wird aufgeschrieben, umgedichtet und übersetzt (letztlich in über 80 Sprachen). Die Waffen ruhen, wenn „Lili Marleen“ erklingt, so berichten es Soldaten r 8. britischen Armee. Das Motiv r ruhenn Waffen greift auch Rainer Werner Fassbinr in seinem Film „Lili Marleen“ auf.

Für n Schriftsteller John Steinbeck ist „Lili Marleen“ das schönste aller Liebeslier und für viele Menschen ist es ein Frienslied, weil es die zivile Seite s Soldaten anspricht. „Lili Marleen“ wird von zahlreichen in- und ausländischen Künstlerinnen und Künstlern gesungen, u. a. von Edith Piaf, Bing Crosby, Hilgard Knef und zuletzt von Ulrich Tukur.

Davon abgesehen: 1942 wird Lale Anrsen verhaftet wegen ihrer Kontakte zu jüdischen Künstlern in r Schweiz. Ihr wird mit KZ gedroht. Sie erhält Auftrittsverbot und versucht, sich das Leben zu nehmen. Sie wird gerettet und erst die Intervention r BBC, die fragt, ob Lale Anrsen im KZ sei, veranlasst das Propagandaministerium zu einem Dementi. Lale Anrsen darf wier auftreten. Ihr wird aber untersagt, „Lili Marleen“ zu singen. Da singt es bei ihren Auftritten das Publikum selbst.

Die Stadt Bremerhaven erinnert an die legendäre Sängerin Lale Anrsen mit einer Genktafel und einer Laterne. An ihrem Geburtshaus in r Lutherstraße 3 befint sich ebenfalls ein Hinweis. Im Jahr 2000, als die Stadt n Nachlass erhielt, wur r Lale- Anrsen- Preis (für gehobene Unterhaltungsmusik) initiiert, r alle zwei Jahre vergeben wird (Preisträgerinnen und Preisträger sind u. a. Pe Werner, Sandra Kreisler und Tim Fischer).

Der Stadt und dem Oberbürgermeister sowie der Jury nun zu unterstellen, für das Eisbären-Mädchen einen historisch belasteten Vornamen gewählt zu haben, liegt somit eindeutig neben der Sache.

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