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"Die Zuschauer hingen in den Bäumen" - Uwe Seeler erinnert sich an harte Kämpfe auf dem "Zolli "

Zu einem Auswärtsspiel der besonderen Art ist der Kulturwissenschaftler Dr. Burkhard Hergesell zusammen mit Bernd Glawatty vom Kulturbüro Bremerhaven am Montag, 21. März, nach Norderstedt gefahren, um mit dem ehemaligen Fußball-Nationalspieler und HSV-Urgestein Uwe Seeler über seine Erinnerungen an den Zollinlandsportplatz in Lehe zu sprechen. Der Kameramann Ulrich Scholz hat dieses Gespräch festgehalten.

„Nach Bremerhaven zu fahren, das waren immer schwere Spiele. Der HSV hat zwar meistens gewonnen, zumindest seitdem ich ab 1954 mitspielte, aber für Auswärtsmannschaften war das immer eine Herausforderung, auf dem „Zolli“ zu spielen“, sagt Uwe Seeler. „Wir hatten Respekt davor, nach Bremerhaven zu fahren - das Stadion war ja brechend voll mit Zuschauern. Die saßen ja sogar in Massen auf den Bäumen! Auch die Geräuschkulisse der Fans hat uns beeindruckt.“ Der Blick auf die Saison-Abschlusstabellen bestätigt den inzwischen 79jährigen Uwe Seeler. Mit einer Ausnahme, in der Saison 1953/54, wurde der HSV in der Oberliga-Nord immer Meister. Seeler war schon Jugendnationalspieler, als er mit 17 Jahren mit einer Sondergenehmigung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) in der Fußball-Oberliga 1954 zum ersten Mal auf dem „Zolli“ auflief.

Bereits im vergangenen Oktober hat das Kulturbüro eine Videoproduktion zur Geschichte des Zollinlandsportplatzes unter Beteiligung vieler Zeitzeugen begonnen. Dank Dr. Burkhard Hergesells Unterstützung konnten rare historische Bilddokumente aufgetrieben werden. Weitere prominente Zeitzeugen werden noch befragt. Sie sollen in einem zukünftigen Film für das „Bremerhavener Bildergedächtnis“ des Kulturbüros einfließen und von der Geschichtswerkstatt „Zolli“, die von Burkhard Hergesell geleitet wird, für eine Ausstellung zur Geschichte des Platzes verwendet werden.

„Der Sport war damals in der Nachkriegszeit für die Menschen wichtig, um vor allem unter den Jugendlichen den Zusammenhalt und das Miteinander zu fördern. Die Aufgabe hat der Sport aber heute auch noch. Die wären sonst doch nur noch mit ihren Handys am daddeln“, ist der ehemalige Fußball-Nationalspieler des HSV überzeugt. Seeler galt nicht nur als bester deutscher Mittelstürmer, 1960 war er auch Fußballer des Jahres. Er wurde zu vier Weltmeisterschaften als Spieler in die Nationalmannschaft berufen, dessen Kapitän er war. Vieles habe sich im Fußball in den vergangenen 60 Jahren verändert. In den 1950er Jahren gingen die Zuschauer noch im Anzug und mit Krawatte zum Spiel – die Männer häufig mit Hut. Von den alten Fußballarenen werden nicht nur in Lehe, sondern auch in Hamburg viele geschlossen.

Dem lebhaften Gespräch schloss sich ein gemeinsames Mittagessen mit Linsensuppe bei Seelers Stammitaliener an, bevor die drei Bremerhavener mit einem Gruß von der Fußballlegende an die Fußballstadt an der Weser im Gepäck wieder die Heimreise nach Bremerhaven antraten.

Das Team sucht noch Fotos, Erinnerungsstücke oder gar Filmaufnahmen des alten „Zolli“. Wer etwas zu dem Projekt beitragen kann, meldet sich bitte bei Dr. Burkhard Hergesell unter der Telefonnummer 04745/9113506 oder per  burkhard.hergesell@t-online.de.

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