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Bürgerarbeit statt Hartz IV: Auch in der Seestadt Modellprojekt für den Wiedereinstieg in einen Job

Neue Chance für 210 Langzeitarbeitslose in der Seestadt: Mit gemeinnütziger "Bürgerarbeit", etwa Grünanlagenpflege, sollen Hartz-IV-Empfänger ab Frühjahr 2011 den Wiedereinstieg ins Berufsleben schaffen. Sozialstadtrat Melf Grantz: "Bei diesem bundesweiten Programm, für das sich Bremerhaven erfolgreich beworben hat, wird der arbeitsmarktpolitische Grundsatz des Förderns und Forderns sinnvoll umgesetzt."

Mit der Bürgerarbeit will das Bundesarbeitsministerium neue Wege bei der Bekämpfung der Langzeitarbeitslosigkeit gehen. In zwei Stufen sollen Bezieher des Arbeitslosengeldes II, die seit mehr als zwei Jahren ohne Beschäftigung waren, dem Arbeitsmarkt nähergebracht werden. Zunächst läuft eine „Aktivierungsphase" über sechs Monate, bei der sie qualifiziert und für einen Job fit gemacht werden. Danach leistet ein Teil von ihnen die Bürgerarbeit, die sozialversicherungspflichtig ist und bis zu 36 Monate dauert. Bei maximal 30 Wochenstunden gibt es für die Erwerbslosen mindestens 900 Euro aus dem Topf des Modellvorhabens.

In Bremerhaven erhielt die Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Job-Center (Träger: die Stadt und die Agentur für Arbeit) den Zuschlag für die Teilnahme an dem Programm. „Die Situation in der Langzeitarbeitslosigkeit ist in Bremerhaven besonders angespannt", weiß Stadtrat Grantz, Vorsitzender der Trägerversammlung bei der ARGE Job-Center. „Deshalb begrüße ich es sehr, dass die Bewerbung der Arbeitsgemeinschaft Erfolg hatte." Dabei habe auch die „hervorragende Zusammenarbeit" (Grantz) zwischen der Arbeitsagentur und der Bremerhavener Arbeit GmbH (BRAG) Früchte getragen. Die hätten das Konzept gemeinsam erarbeitet und mit den Beschäftigungs- und Qualifizierungsträgern abgestimmt. „Die langjährige gute Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten", so der Stadtrat, „zahlt sich auch in diesem Fall aus."

Wie notwendig ein solches Modellprojekt in der Seestadt ist, zeigt laut Grantz die Entwicklung des Arbeitsmarkts. Trotz des Rückgangs der Erwerbslosenquote bewegt sich die Zahl der Langzeitarbeitslosen seit Jahren auf einem hohen Niveau. Für das Projekt Bürgerarbeit kommen rund 4500 Hartz-IV-Empfänger in Frage, die mehr als zwei Jahre ohne Job sind. 600 von ihnen werden bis Anfang nächsten Jahres qualifiziert. Dabei hofft die ARGE, dass sich in dieser Zeit zehn Prozent als tauglich für einen Job erweisen.

Nach Ende der sechsmonatigen „Aktivierungsphase" wechseln 210 Langzeitarbeitslose, bei denen eine Vermittlung in den Arbeitsmarkt in absehbarer Zeit nicht denkbar erscheint, in das Modellvorhaben und leisten Bürgerarbeit. Nach den Vorstellungen der Stadt könnten zu diesem gemeinnützigen Job Pflege- und Verschönerungsarbeiten in kommunalen Einrichtungen, Straßenreinigung, die Mitwirkung an der Organisation von Veranstaltungen oder die Unterstützung von Schulen gehören. Als Arbeitgeber der Bürgerarbeiter sollen die Beschäftigungs- und Qualifizierungsträger Bremerhavener Beschäftigungsgesellschaft Unterweser (BBU), Arbeitsförderungs-Zentrum (afz) und faden e. V. auftreten.

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