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Bremerhaven ist weiterhin „Fairtrade-Stadt“: Fairer Handel spielt in der Stadt weiterhin eine große Rolle

Fairtrade-Siegel darf für zwei weitere Jahre geführt werden. Einzelhandel baut Angebot an fair gehandelten Gütern aus.

Seit 5. September ist Bremerhaven weiterhin offiziell „Fairtrade-Stadt“. Die entsprechende Zertifizierung, die für weitere zwei Jahre gilt, hält die Stadt bereits seit 2014. Durch die Erneuerung des Siegels gehört die Stadt auch weiterhin einem Kreis von mehr als 450 Städten in ganz Deutschland an, in denen es ein besonderes Engagement zum fairen Handel gibt. Das Prädikat Fairtrade gibt es allerdings nicht umsonst. Die Stadt muss dafür eine ganze Reihe von Bedingungen erfüllen.

Um überhaupt Fairtrade-Stadt werden zu können, muss die Kommune zunächst den Beschluss fassen, dass bei allen öffentlichen Sitzungen, insofern dort ein Ausschank vorgesehen ist, fair gehandelter Kaffee und ein weiteres Fairtrade Produkt ausgeschenkt werden müssen. Ferner muss eine Steuerungsgruppe eingerichtet werden, die alle Aktivitäten vor Ort koordiniert. Diese Gruppe besteht aus mindestens 3 Personen aus den Bereichen Politik, Handel und Zivilgesellschaft. Eine weitere Vorgabe ist es, dass eine durch die Einwohnerzahl der Stadt festgelegte Anzahl von Geschäften, Cafés und Restaurants mindestens 2 Fairtrade-Produkte im Angebot führen muss. Außerdem müssen in jeweils einer Schule, einem Vereinen und einer Kirche ebenfalls Produkte aus fairem Handel angeboten werden. Zu guter Letzt sollen mindestens 4 Artikel im Jahr zu Kampagnen in den lokalen Medien (online und Print) erscheinen. Gar nicht so wenig Aufwand für ein Siegel.

Bremerhaven erfüllt all diese Vorgaben jedoch bereits seit Jahren. Was nicht zuletzt dem unablässigen Bemühen des Nord-Süd-Forums e.V. und des Eine Welt Zentrums geschuldet ist.  In den letzten Jahren hat sich zudem besonders der Angebotsbereich im Einzelhandel äußerst positiv entwickelt. Für Till Scherzinger vom Klimastadtbüro ist der Titel somit vor allem ein sehr gutes Statement nach außen: „Wir in Bremerhaven können mit dem Führen dieser Auszeichnung zeigen, dass wir Verantwortung dafür übernehmen, was unser Verbrauch an Importgütern andernorts auslösen kann. Als Fairtrade-Stadt stellen wir uns dieser Verantwortung“, erklärt Scherzinger.

Aus Sicht des Leiters des Klimastadtbüros hat sich die Rolle von fairen Produkten in den letzten Jahren auch in Bremerhaven merklich verändert. Es gibt eine viel breitere Wahrnehmung für faire Produktions- und Handelsbedingungen und durchaus eine erkennbare Nachfrage nach diesen Waren. „Das zeigt sich nicht zuletzt darin, dass auch große Discounter inzwischen eine größere Anzahl von entsprechenden Produkten in ihrem Sortiment führen. Weil diese offenbar auch speziell gekauft werden“, weiß Scherzinger zu berichten. „Fairtrade-Produkte sind längst vom „Wollsockenimage“ befreit. Fair gehandelte Waren sind bekanntermaßen  qualitativ wenigstens genauso gut, und aus humantären Gründen  zumeist  sogar bessere Produkte , wie jene, die nicht fair gehandelt werden. Die Nachfrage kommt längst nicht mehr aus der sogenannten  „Öko“-Ecke allein.“, erklärt Scherzinger lächelnd.

Es gibt auf dem Markt auch ständig wieder etwas Neues auch ohne das Fair Trade Siegel gehandeltes zu entdecken. So engagiert sich beispielsweise eine große Firma aus Bremerhaven, die auf die Produktion von Tiefkühlprodukten spezialisiert ist, für ein Projekt, in dem der erste, zu 100 Prozent komplett  in Äthiopien produzierte Kaffee unterstützt wird. „Dieser Kaffee ist im Geschmack wirklich außergewöhnlich und für Kaffeetrinker ein echter Tipp zum Entdecken“, macht Scherzinger Appetit. Wie weit Bremerhaven als Fairtrade-Stadt ist, zeigt sich übrigens auch auch daran, dass die Berufsbildende Schule Sophie Scholl die einzige Fairtrade Schule im gesamten Land Bremen ist. Ein gutes und vor allem faires Zeichen aus einer Stadt, die große Teile ihrer Einkünfte aus dem Warenumschlag im Hafen erzielt.   Marco Butzkus

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